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European Jazz Conference

13.9. bis 16.9.2018

von
09.04.2019
2 Minuten
Die portugiesische Trompeterin Susana Santos Silva bei der „European Jazz Conference“ in Lissabon.

Da treffen sich im September 2018 in Lissabon rund 350 Delegierte aus 40 verschiedenen Ländern des „European Jazz Network“ (EJN), einem Zusammenschluss verschiedener europäischer Jazz-Konzert- und -Festivalveranstalter, zur fünften „European Jazz Conference“ – und mit keinem Wort wird ein Ereignis diskutiert, das Europa wahrscheinlich grundlegend verändert: der damals noch weit entfernt liegende Brexit, der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU. Doch die Teilnehmer dieser viertägigen EJN-Konferenz im Centro Cultural de Belém, das mit seiner postmodernen Massigkeit einen architektonischen Kontrapunkt zum weltberühmten, spätgotischen Hieronymitenkloster direkt gegenüber setzt, diskutierten mit keinem Wort die dramatische Folgen eines Brexit für die Kulturschaffenden sowohl drüben auf der Insel als auch hüben auf dem Kontinent und für den Jazz in Europa.

Stattdessen gab es Atem- und Entspannungsübungen mit Portugals vielleicht bekanntester Jazzsängerin Maria João als „Keynote Speech“ oder einen Workshop über die positiven Effekte von Yoga auch und gerade für Jazzmusiker. Kelly Snook wiederum, Professorin für „Media Arts Technology“ an der Universität in Brighton, gab in ihrem Vortrag einen spannenden Ausblick auf die Möglichkeiten der Immersion (Eintauchen in eine virtuelle Realität) für die improvisierte Musik und in einer Paneldiskussion unterhielten sich einige portugiesische Szeneaktivistien über den Jazz in Portugal in einem gesamteuropäischen Kontext.

Die amerikanische Professorin Kelly Snook auf der „European Jazz Converence“ in Lissabon
Die Amerikanerin Kelly Snook spricht In ihrem Vortrag über „virtuelle Musikproduktion“.

Natürlich waren die Showcase-Konzerte spannend, die tagsüber stattfanden und in denen sich die junge Szene Portugals präsentierte. Doch zeigte sich, dass es zwar einige vielversprechende Talente in Portugal gibt – wie zum Beispiel den Saxofonisten João Pedro Brandão –, aber das Gros noch lange nicht auf Augenhöhe mit dem Rest von Europa ist. Mit Ausnahme der Trompeterin Susana Santos Silva, die mit ihrem Quintett Impermanence einen fulminanten Auftritt zwischen strukturierter Abstraktion und dem freien Spiel der Kräfte lieferte.

Auch das eigens für die Konferenz kuratierte Fringe Festival am Abend konnte nur ansatzweise die Erwartungen der Fachbesucher erfüllen. Zwar war einer der Spielorte, eine ehemalige Druckerei, auf dem Gelände LX Factory, einer Industriebrache direkt unter der „Ponte 25 de Abril“, die sich mittlerweile zu Lissabons hippen Szene- und Ausgehquartier gewandelt hat, untergebracht: eine atmosphärisch imposante Bibliothek und Bar mit hohen Decken und Wandelgängen. Doch spielte dort zum Beispiel das Trio des Vibrafonisten Eduardo Cardinho einen zwar virtuos improvisierten, dennoch recht belanglosen Cocktail-Jazz und den Dutzend Musikerinnen und Musikern des Lisbon Underground Music Ensemble gelang es zu keiner Zeit, den krachigen Lärm ihrer Performance auch mal dynamisch auszudifferenzieren. Die nächste „European Jazz Conference“ findet vom 12. bis 15. September 2019 im norditalienischen Novara statt.

Das Eduardo Cardinho Trio beim Fringe Festival in Lissabon im September 2018.
Das Trio des portugiesischen Vibrafonisten Eduardo Cardinho spielte auf dem Fringe Festival, das rund um die European Jazz Conference in Lissabon stattfand.

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Martin Laurentius

Martin Laurentius

Martin Laurentius, 2017 mit dem „Deutschen Jazzjournalisten Preis" ausgezeichnet, ist freier Musikjournalist und arbeitet unter anderem als Autor und Redakteur für das Magazin Jazz thing sowie als Kurator und freier musikjournalistischer Producer für die WDR-3-Jazzredaktion.


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