Messenger ohne Überwachung: Welche Alternativen zu Whatsapp, Telegram & Co gibt es?

Persönliche digitale Souveränität, Teil 5: Die Messengerdienste von IT-Konzernen und dubiosen Anbietern überwachen uns und vermarkten unsere Daten. Was tun?

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Ein mittelalter Mann sitzt auf dem Sofa und nutzt am Smartphone einen Messenger-Dienst.

Messenger gibt es inzwischen fast schon wie Sand am Meer. Was die einfache Installierbarkeit, das Niveau von Datenschutz und Datensicherheit und auch die Kosten angeht, unterscheiden sie sich allerdings zum Teil erheblich.

Ziemlich unbekannt, aber von technikaffinen Regierungsmitarbeitern gern genutzt, wird der Messenger Element. Als App gibt es diesen Messenger für Android, iOS, Windows, Linux und MacOS. Die Android-Version kommt auch ohne den Play Store aus. Ohne Installation lässt sich Element mit einem Web-Browser direkt nutzen.

Für WhatsApp-Anwender dürfte die Benutzeroberfläche von Element allerdings etwas gewöhnungsbedürftig sein. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet Element für Voice-Over-IP-Telefongespräche, Video-Chats und die klassischen Messagingdienste zum Versenden von Texte und Bildern.

Die in Googles Play Store gehaltene Element-App weist eine Programmbibliothek auf, die dafür sorgt, dass die App ständig Verbindung zu Google hält. Deshalb wird von datenschutzsensiblen Nutzern die im Store von F-Droid vorgehaltene App verwendet, die diese Bibliothek nicht aufweist.

Sehr einfach zu installieren ist zum Beispiel Ginlo. Entwickelt wurde der Messenger von der Münchner Brabbler AG. Ginlo hat ihn im Februar 2020 übernommen. Für private Nutzer ist die App kostenfrei. Sie läuft auf iOS ab Version 9 und auf Android ab Version 5 in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Türkisch.

Viele Messengerdienste sind kostenlos

Im Echtzeit-Messaging können alle gängigen Dateiformate von PDF über DOCX bis hin zu JPG versendet werden. Gruppenchats sind ebenfalls möglich. Die Nachrichten werden vollverschlüsselt. Die kostenpflichtige Business-Version bietet wesentlich mehr Funktionen, wie etwa Abwesenheitsnotizen und Nachrichtenpriorisierung.

Signal bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sorgt dafür, dass beim Messaging wenig Metadaten anfallen. Installation und Bedienung sind sehr einfach aufgebaut. Fotos, Video und Audio können in Einzel- wie in Gruppenchats versandt werden.

Der Programmcode von Signal liegt offen, das heißt jeder kann ihn einsehen und auf Schwachstellen prüfen. Wer wann mit wem Nachrichten austauscht, wird von Signal nicht gespeichert. Die meisten Sicherheitsexperten empfehlen Signal.

Telegram bietet ein ausreichendes Datensicherheitsniveau, wenn die Optionen vom Anwender richtig gesetzt sind. Denn der muss sich dafür entscheiden, dass seine Mitteilungen verschlüsselt versendet werden.

Der Messenger wurde von Nikolai und Pavel Durov entwickelt, um der engmaschigen Kontrolle des Internet-Datenverkehrs durch die russischen Sicherheitsbehörden ein Schnippchen zu schlagen. Telegram bietet einen cloud-basierten Dienst ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und vollverschlüsselte private Chats, die nur auf den lokalen Geräten gespeichert werden.

Beim cloud-basierten Dienst werden die Chats auf dem Server neu verschlüsselt. Dabei hätten die Betreiber theoretisch Zugriff auf die Daten. Die Apps von Telegram sind quelloffen, können also von jedermann eingesehen werden, die Software des zentralen Servers ist proprietär. Ehemalige WhatsApp-Anwender haben sich auch oft deshalb für Telegram entschieden, weil sie ihre WhatsApp-Chats in Telegram importieren können.

Vertraulichkeit als schweizer Geschäftsprinzip

Die bekannteste Alternative zu WhatsApp ist Threema. Der Betreiber sitzt in der Schweiz. Die Kommunikation ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Metadaten fallen nur spärlich an.

So wird zum Beispiel nicht erfasst, wer wann mit wem Nachrichten austauscht. Die Messenger-Software kann von jedem eingesehen werden, die Server-Software jedoch nicht. Threema unterliegt dem Schweizer Datenschutzrecht und hat auch bisherige Überprüfungen stets glänzend bestanden.

Komfort, Datenschutz und Datensicherheit stimmen also, haben jedoch ihren -geringen Preis: Die App kostet einmalig 3,99 Euro. Zudem bietet Threema verschlüsselte Telefonie.

Die Inhaber von Wire sitzen in der Berlin und betreiben die Server und den eigentlichen Messengerdienst ebenfalls in der Schweiz. Wire nutzt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Open Whisper, die auch vom Messengerdienst Signal genutzt wird.

Der Funktionsumfang entspricht dem der anderen Messenger. Wire bietet darüber hinaus die Möglichkeit von Gruppenanrufen. Wire speichert zwar Metadaten der Anwender, allerdings nur in anonymisierter Form.

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