„Die Welt retten muss Spaß machen“

Bericht aus einem Bürgerworkshop

iStock / R_Tee Kinder haben Spaß beim freiwilligen Müllsammeln.

Die Zukunftsreporter – Ihre Korrespondenten aus möglichen Welten, in denen wir leben werden oder leben wollen

Beim Umweltschutz darf unsere Persönlichkeit nicht zu kurz kommen, sonst machen wir uns unglücklich. So lautet das Fazit eines Besuchs im Futurium Berlin. Doch reicht dieses Engagement aus?

„Die Welt retten muss Spaß machen“, sagt Sina Trinkwalder. „Sonst macht’s keiner.“ Ihr eigener Beitrag ist die Firma „manomama“, die sie 2010 in Augsburg gegründet hat. Dort stellen mehr als 100 Menschen, die ansonsten auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten, Stofftaschen und Kleidung her. Mit dieser Arbeit fühle sich viel wohler als früher, als sie sich noch ganz ihrer Agentur „d plus c neue medien“ widmete, erzählt sie. Trinkwalders Plädoyer für mehr Freude an der guten Tat ist das Schlusswort einer Diskussion im Futurium, einem Berliner Museum für Zukunftsfragen, das kürzlich „Werkstattwochen“ veranstaltete und im kommenden Jahr seine Eröffnung feiern möchte.

Zuvor haben rund 50 Bürger in einem Workshop über die Frage diskutiert, was glücklich macht. Trinkwalder ist von den Ergebnissen begeistert: „Niemand spricht über Geld“, ruft sie. Die Teilnehmer stellten ganz andere Dinge in den Vordergrund: etwa Wertschätzung oder Entscheidungsfreiheit. (In einem kurzen Film kommen einige von ihnen zu Wort.) In unserer Gesellschaft sind für die meisten Menschen die Grundbedürfnisse erfüllt und sie suchen offenbar nach einem tieferen Sinn in ihrem Tun. Sich für eine lebenswerte Umwelt einzusetzen, gehört dazu.

Das gilt natürlich zunächst nur für die Bürger, die Lust hatten, einen Nachmittag lang mit Fremden über Glück zu diskutieren. Doch die Einsicht, dass man etwas tun muss, ist weit verbreitet. In der repräsentativen Umfrage „TechnikRadar“ von der Körber-Stiftung und der Akademie der Technikwissenschaften (acatech) sagten zum Beispiel 70 Prozent der Menschen, dass wir alle unseren Konsum einschränken müssten. Und im Futurium scheint es Konsens zu sein, dass die Welt zu retten auch glücklich machen kann.

Die Suche nach der richtigen Balance

Und doch fragt man sich bei der Veranstaltung in Berlin, ob die Welt nicht besser wäre, wenn man Spaßbremsen die Arbeit machen ließe. Denn beim Bürgerworkshop werden auch die Grenzen des Einsatzes für den Planeten sichtbar. Im Unterschied zu vielen anderen Diskussionen geht es hier zwar nicht um die Frage, ob die Wirtschaft weiter wachsen müsse. Stattdessen wird hier aber die Persönlichkeitsentwicklung hochgehalten.

Zum Glück gehört schließlich auch die Freiheit – und damit nicht zuletzt die Freiheit zu reisen und die Welt kennenzulernen. Dabei wäre der Verzicht auf Flüge der größte Beitrag zum Klimaschutz, den eine einzelne Person leisten kann. Schon ein Flug von Berlin nach Mallorca und zurück erzeugt laut Atmosfair-Rechner fast eine Tonne CO2 und damit etwa ein Zehntel der jährlichen Pro-Kopf-Emissionen. Wie lösen Menschen dieses Problem?

Sie versuchen, alles in Einklang zu bringen. Sie sprechen von „bewusstem Konsum“, vom „Maß halten“ und von einer „Balance“, die man finden müsse. Man müsse Verantwortung übernehmen – für die Welt, aber auch für sich selbst. Doch kann man den Temperaturanstieg oder den Plastikmüll im Meer noch effektiv bekämpfen, wenn man einen moderaten Mittelweg wählt? Ist es beim Klimawandel nicht inzwischen fünf nach zwölf und müsste die Reaktion der Gesellschaft nicht viel deutlicher ausfallen?

Die Optionen der Politik

Ob man dieses Problem überhaupt lösen muss, ist in der Diskussion auf dem Podium umstritten. Felix Ekardt, der ein eigenes Institut gegründet hat, die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik, hält ein breites Engagement der Gesellschaft für zwingend notwendig. Nur darauf werde die Politik reagieren, sagt er, denn: „Menschen sind Nachmacher.“ Uwe Schneidewind, der Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, sieht hingegen die Politik in der Pflicht: Man dürfe nicht so lange warten, bis sich der Trend zur Nachhaltigkeit in der Gesellschaft durchgesetzt habe.

In einem Zukunftsszenario loten die Zukunftsreporter eine Möglichkeit aus, beides zu verbinden: Die Politik nutzt sanfte psychologische Tricks, das sogenannte Nudging, um den Bürgern nachhaltiges Verhalten zu erleichtern. Sie verschiebt damit die Balance ein wenig in Richtung Klima- und Umweltschutz, ohne die persönliche Entfaltung einzuschränken. Die Menschen merken nicht einmal, dass sie sich unter anderen Bedingungen vielleicht anders entschieden hätten.

Doch wäre diese Aufgabe von Selbstkontrolle erstrebenswert? Und wie könnte eine bessere Alternative aussehen? Hoffnung macht da, dass gleich zwei Teilnehmer des Workshops ein leeres Blatt Papier als „Glücksbringer“ auswählten. Das Blatt biete noch so viele Möglichkeiten, begründeten sie ihre Wahl. Das passt zur Philosophie der Zukunftsreporter: Die Zukunft ist offen, wir können sie gestalten. Auch das gehört zum Glück dazu.

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