Zukunftsreporter unterwegs - wer will ein Designerbaby?

Bericht von einer Zeitreise beim Sommer des Wissens

Die Zukunftsreporter – Ihre Korrespondenten aus möglichen Welten, in denen wir leben werden oder leben wollen


Journalisten sollten die eigene Arbeit nicht in den Mittelpunkt ihrer Texte stellen. Wir Zukunftsreporter wollen das heute dennoch tun, denn zu unserem Konzept gehört nicht nur das Recherchieren und Schreiben von Artikeln. Wir wollen neue Methoden entwickeln, um unser Publikum zu Debatten über die Zukunft anzuregen. Sechs Veranstaltungen haben wir dazu in diesem Jahr geplant. Die Körber-Stiftung hat uns in Hamburg im Rahmen ihres Programms „Technik braucht Gesellschaft“ die erste Gelegenheit dazu gegeben. Die Zukunftsreporter waren Gast beim „Sommer des Wissens", einer Veranstaltung anlässlich des 100. Geburtstags der Universität. In unserem Beitrag ging es um den Eingriff in die menschliche Keimbahn, um die Möglichkeiten das Erbgut in Ei- und Samenzellen zu verändern, damit Eltern „gesunde“ oder „verbesserte“ Kinder bekommen können. Zum Thema Designerbaby ist schon viel geschrieben und gelesen worden, aber eine Debatte vor Ort löst doch mehr Emotionen aus. Das kühle Gerüst der wissenschaftlichen Möglichkeiten soll sich mit dem persönlichen Empfinden vermischen.        

Wir haben deshalb im Vortragszelt auf dem Hamburger Rathausmarkt eine Zeitreise unternommen und zwei sehr gegensätzliche Vorschläge präsentiert. Am Vormittag mit zwei Schülergruppen, am Nachmittag mit Erwachsenen. Plan A folgt der Idee von optimierten Babys mit all ihren Konsequenzen. Ein Vertreter der fiktiven Firma „Messias“ empfiehlt jungen Frauen und Männern, sich im Alter von 20 Jahren Eizellen und Sperma entnehmen zu lassen. So bekommen die Wissenschaftler genug Zeit für eine umfassende Analyse des Erbguts. Daraus entwickeln sie einen detaillierten Plan für Änderungen in der DNA, den sie in Abstimmung mit den zukünftigen Müttern und Vätern umsetzen, bis diese den passenden Partner für den Kinderwunsch gefunden haben. „Messias“ ist übrigens eine Abkürzung und steht für menschlich, einfach, sicher, selbstbewusst, individuell, angepasst und Schwangerschaft.

Dagegen hat sich Plan B als Alternative von der Kontrolle der Embryos verabschiedet. Ein Sprecher der ebenso fiktiven Bürgerinitiative „Demut“ berichtet mit Stolz, dass wesentlich mehr Eltern auf entsprechende Voruntersuchungen verzichten und Kinder so akzeptieren wollen, wie sie geboren werden. Das sei auch gut so, weil die Orientierung am Leistungsprinzip das gesellschaftliche Klima vergifte. Ein außergewöhnlich talentierter Skispringer, der sich im Jahr 2031 nach einem Unfall das Leben nimmt, weil er befürchtet, nicht mehr in der Weltspitze mithalten zu können, dient dem Elternvertreter als abschreckendes Beispiel.

Zwei Umfragen vor und nach der Diskussion sollen einen ersten Eindruck geben, ob die Debatte das Meinungsbild verändert. Natürlich ist das Ergebnis nicht mehr als ein Stimmungsbarometer, aber ein paar Details sind schon interessant. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer bewerteten den Einfluss der Gene auf die Gesundheit als groß oder sehr groß. Keiner schätzte ihn als gering oder sehr gering ein. In beiden Gruppen wuchs die Ablehnung einer Gen-Veränderung an Embryos, anfänglich waren immerhin zwischen 20 und 40 Prozent der Teilnehmer dazu bereit. Die Debatte zeigt, wie wichtig es ist, dass wir über solche Themen sprechen, Argumente austauschen, diskutieren. Die Zukunftsreporter werden das noch häufig tun.

Mehr Informationen über die Themen der Zukunft und Ansätze für eine Debatte liefert unser Newsletter. 

Wissenschaftlicher Hintergrund

Zum Thema gentechnische Veränderung der eigenen Kinder haben die Zukunftsreporter und ihre Kollegen bereits einige Szenarien geschrieben und Konferenzen besucht.

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Dieser Beitrag erscheint in der RiffReporter-Koralle „Die Zukunftsreporter“. Eine Übersicht unserer Artikel finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit mit einem freiwilligen Beitrag finanziell unterstützen. Herzlichen Dank! Einmal in der Woche schicken wir Ihnen gern unseren kostenlosen Newsletter über unsere Arbeit und Nachrichten, die wichtig für die Zukunft sind.

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