Die Apotheke des Amazonas

Ein Zukunftsszenario

A. Mäder Blick über den Amazonas-Regenwald von einem Forschungsturm aus

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Der Regenwald ächzt unter Abholzung und Klimawandel. Doch stellen wir uns einmal vor, Biologen finden dort ein Insekt mit medizinisch nutzbaren Fähigkeiten. Zum Glück ist es noch nicht ausgestorben wie so viele andere.

Mariana Alves sieht die roten Punkte auf dem Monitor, kurz bevor das Satellitentelefon klingelt. Nordwestlich ihres Lagers im Amazonas-Regenwald sind Waldbrände ausgebrochen. „Wir schätzen, dass der Rauch in drei Tagen so dicht sein wird, dass wir Sie nicht mehr zurückholen können“, erklärt ihr der Offizier. „Mist!“, ruft Alves. „Wir haben noch eine ganze Woche Arbeit vor uns!“ Aber sie weiß, dass Argumentieren nicht hilft. Sie kann froh sein, dass das Militär während der Waldbrände überhaupt einen Hubschrauber schickt, um sie und ihr zwanzigköpfiges Team abzuholen. Eigentlich werden jetzt alle Soldaten benötigt, um das Feuer zu bekämpfen. Also ruft Alves ihre Kollegen zusammen, die gerade die Reste des Frühstücks abräumen.

„Leute, es tut mir leid“, sagt sie. „Wir müssen unsere Zelte abbrechen. Übermorgen werden wir abgeholt. Danach wird es zu gefährlich wegen des Rauchs der Waldbrände im Nordosten. Es tut mir wirklich leid um unsere Projekte.“ Die Kollegen fluchen, schimpfen und schlagen unrealistische Alternativen vor, bis Renato, ein Doktorand im ersten Jahr, ruft: „Also ich gehe vorher noch auf den Gipfel! Wenn wir sofort loslaufen, sind wir heute Abend da, verbringen dort morgen einen Vormittag und kehren rechtzeitig zurück für den Hubschrauber.“ Die Kollegen diskutieren aufgeregt den Vorschlag, während sich Alves auf einen Klappstuhl sinken lässt. „Was meinst du, Mariana?“ Sie blickt auf. „Verdammt, ich will auch noch auf den Gipfel.“

Die Biologen müssen über Felsen klettern und sich den Weg mit Macheten freischlagen. Sie sind die zweite Expedition überhaupt, die sich zum höchsten Punkt der Serra da Mocidade aufmacht, einem unberührten Naturschutzgebiet. Vor gut zwei Jahrzehnten war schon einmal ein Team des Amazonas-Forschungsinstituts aus Manaus hier – zwei Stunden Flug von der Metropole am großen Fluss entfernt. Damals wurden in dem unwegsamen Gebiet weit über 100 neue Arten entdeckt, vor allem Falter und andere Insekten. Die Chancen, auf neue Arten zu stoßen, sind hier gut, da die Hügel der Serra da Mocidade einsam aus dem Regenwald herausragen. Hier können sich Tiere und Pflanzen wie auf einer Insel fortentwickelt haben. Auf dem Gipfel in 1740 Meter Höhe, das wissen Alves und ihre Kollegen, erwartet sie ein Zauberwald: niedrig gewachsene, bizarr geformte Bäume, komplett mit Moos bedeckt und oft im Nebel.

Der Stich

Sechs Kollegen begleiten Alves auf dem Weg zum Gipfel, während die anderen das Lager für den Abtransport vorbereiten. Die Bergsteiger erreichen ihr Ziel kurz vor Sonnenuntergang. Alves klettert auf einen Felsen, von dem man über den grünen Teppich unter ihnen schauen kann. Hier im hohen Norden Brasiliens ist der Regenwald weiterhin intakt, doch er verändert sich. Mit Sorge erkennt Alves die verstreut stehenden kahlen Bäume. Viele Bäume werfen einmal im Jahr ihre Blätter ab, doch diese Bäume sind krank oder vertrocknet.

„Schau dir das an, Mariana!“, ruft Renato und zeigt auf einen Strauch. „Hast du diese Beeren schonmal gesehen?“ Alves greift in den Strauch, um einen Zweig mit den roten, stacheligen Beeren abzubrechen und zuckt zurück. „Au!“ „Hat dich diese schwarze Biene gestochen?“, fragt Renato. „Kann sein, weiß ich nicht“, antwortet Alves unwirsch und schaut auf die Einstichstelle an ihrem linken Unterarm. Kurz darauf wird ihr schwindlig. Sie wankt und kippt schließlich zur Seite. Renato fängt sie auf und ruft seine Kollegen. Gemeinsam tragen sie die Teamchefin zu einer Lichtung, auf der sie ihr Lager aufschlagen wollen. Fred dos Santos, der Arzt des Teams, öffnet sein Notfallset und gibt Alves eine Spritze. Renato redet beruhigend auf sie ein und drückt ihr eine Sauerstoffmaske auf Mund und Nase. Nach einer halben Stunde misst Fred erneut den Blutdruck und nickt zufrieden. „Sie stabilisiert sich wieder“, sagt er.

Am nächsten Morgen wacht Alves als erste auf. Sie blickt nach oben und sieht eine grüne Zeltplane, die zwischen den Bäumen aufgespannt worden ist. Sie kommt ihr falsch vor, denn die im Camp ist blau. „Wo bin ich?“, fragt sie sich. An ihrem linken Arm spürt sie ein Pflaster, das sie sich nicht erklären kann. Und dann die Luft: Es ist neblig und riecht nach kaltem Rauch. Sie richtet sich auf und ihr Blick fällt auf die noch schlafenden Kollegen. „Zumindest bin ich in der richtigen Gesellschaft“, denkt sie sich. „Aber was zum Teufel ist mit mir los?“

Der Sturz

„Gestern Abend konntest du dich noch an den Stich erinnern“, sagt dos Santos. „Dein Gedächtnis ist also über Nacht verschwunden oder, besser gesagt, deine Erinnerungen sind nicht ins Langzeitgedächtnis übergegangen.“ Mit Testfragen haben die Kollegen die Amnesie inzwischen eingekreist: Mariana Alves kann sich daran erinnern, wie sie sich einen Tag zuvor im Camp schlafen legte. Von den Waldbränden und dem Aufstieg zum Gipfel ist nichts hängen geblieben. „Einen Filmriss kann ich wirklich nicht gebrauchen“, schimpft Alves, während sie die schmerzende Einstichstelle an ihrem Unterarm massiert. „Ich dagegen würde mich von der Biene stechen lassen“, sagt Renato düster. Alves schaut ihn überrascht an und der Arzt erklärt ihr mit gedämpfter Stimme: „Liebeskummer wegen Natalie.“ Alves nickt verständnisvoll. Deshalb hatte sich ihre Doktorandin also kurzfristig von der Expedition abgemeldet. „Aber schön, dass ich mich daran erinnern kann“, denkt sie sich.

„Wollen wir ein paar Bienen fangen, bevor wir zurückmüssen?“, fragt Renato und springt auf. „Für unbekannte Arten sind wir doch hergekommen.“ Dos Santos packt ihn an der Schulter: „Ja, stell dir vor, wir könnten das Nervengift im Labor isolieren!“ Doch erst als er drei der schwarzen Bienen in kleine Plastikdosen eingesperrt und die Dosen in seinem Rucksack verstaut hat, denkt er einen Schritt weiter: Was, wenn er tatsächlich eine Substanz im Bienengift entdeckt, mit der sich die Gedächtnisbildung verhindern lässt? Das Interesse der Pharmaindustrie wäre riesig. Aber wer würde das Patent dafür bekommen? „Ich finde, wir sollten das mit den schwarzen Bienen erstmal für uns behalten“, sagt er später leise zu Alves, als die anderen ein paar Schritte voraus marschieren. Sie nickt, bleibt aber skeptisch: „Unsere Helmkameras haben alles gefilmt. Die werden sich mit dem Server verbinden, sobald wir das Camp erreichen. Und in Manaus sind deine Geräte alle mit der Cloud verbunden.“ Dos Santos schweigt. „Und denk an Will und Andreas, die werden am Ende der Sommerferien nach Europa zurückfliegen und ihr Wissen mitnehmen“, fährt Alves fort.

„Ein paar Bienenstiche würden das Problem lösen“, denkt dos Santos und schämt sich für den Einfall. Schließlich sagt er: „Wenn wir das Thema herunterspielen, vergessen es die Leute vielleicht oder schieben es wenigstens auf die lange Bank. Das würde doch reichen: Wir brauchen nur Zeit, bis wir etwas in der Hand haben.“ „Freddy, red nicht solchen Quatsch!“ Alves bleibt stehen und dreht sich zum Teamarzt: „Das gibt einen Riesenärger, wenn wir anfangen zu tricksen.“ Den Rest des Abstiegs absolvieren sie, ohne ein Wort zu sagen. Fred dos Santos achtet kaum darauf, wohin er tritt. Seine Gedanken kreisen um die Frage, mit welcher glaubhaften Geschichte er die drei Plastikdosen „verlieren“ könnte, bevor sie Manaus erreichen.

Dann kommen sie an die steil abfallende Böschung eines Gebirgsbachs und dos Santos tritt auf einen morschen Ast. Es knackt, sein Fuß rutscht ab und er stürzt auf den Bach zu. Er überschlägt sich, stöhnt vor Schmerzen und schlägt mit dem Gesicht ins Wasser. Mühsam drückt er sich hoch und sieht, wie sein Geschirr, der Beutel mit seiner Zahnbürste und einige Plastikdosen den Fluss hinunterschwimmen. Als seine Kollegen bei ihm sind, ist der Inhalt seines Rucksacks schon einige Dutzend Meter entfernt. „Freddy, komm hoch! Kannst du stehen?“ Renato und ein Kollege helfen ihm auf. „Komm sag schon, du bist der Arzt.“ „Wie gut, dass ich nicht mehr so viel tragen muss“, versucht er zu scherzen. Als sie ihn zu einem Stein schleppen, auf dem er sitzen kann, lässt er eine kleine Plastikdose, in seine Hosentasche gleiten. Ob die Biene ertrunken ist, als er sich die Dose schnappte und unter Wasser umklammert hielt? Er will keine Aufmerksamkeit wecken und zwingt sich, nicht nachzusehen. Dafür hat er später noch Zeit.


Die erste Expedition in die abgelegene Serra da Mocidade gab es wirklich. Mehr darüber und über die Zukunft des Regenwalds erläutern wir Ihnen im zweiten Teil des Beitrags. Uns interessiert Ihre Meinung: Bitte schreiben Sie uns unter hallo@zukunftsreporter.online, wie Sie die Zukunft mit einer schrumpfenden Artenvielfalt sehen. Die Reaktionen unserer Leserinnen und Leser fassen wir in der RiffReporter-Koralle „Die Zukunftsreporter“ demnächst zusammen.

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Die Serra da Mocidade ist eine Erhebung im nördlichen Teil des Amazonas-Gebiets.
Die Serra da Mocidade ist eine Erhebung im nördlichen Teil des Amazonas-Gebiets.
Reliefkarrte: Виктор В, Beschriftung: A. Mäder, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12161221
Blick aus dem Flugzeug auf das Ufer des Amazonas kurz hinter Manaus
Blick aus dem Flugzeug auf das Ufer des Amazonas kurz hinter Manaus
A. Mäder
Blick in den Regenwald in der Nähe von Manaus
Blick in den Regenwald in der Nähe von Manaus
A. Mäder
Selfie des Autors auf einem Forschungsturm mit Messgeräten
Selfie des Autors auf einem Forschungsturm mit Messgeräten
A. Mäder

Die fiktive neurologisch wirksame Substanz, die in diesem Zukunftsszenario auftaucht, verhindert, dass Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis überführt werden. Für diese sogenannte Konsolidierung des Gedächtnisses sind biochemische Prozesse im Gehirn nötig, die von der Substanz unterdrückt werden. Bei Ratten hat das funktioniert: Dem Neurowissenschaftler Karim Nader gelang es, die Erwartung eines Stromschlags bei einem Tonsignal zu löschen. Der Neurobiologe Martin Korte schreibt dazu in seinem Buch „Wir sind Gedächtnis“, das dies ein Therapieansatz zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sein könne: „Diese Experimente haben zumindest einen Weg aufgezeigt, wie unliebsame Erinnerungen gelöscht werden können, der aktuell intensiv erforscht wird: Man sucht Substanzen zu identifizieren, die dem erneuten Abspeichern nach dem Erinnern schlimmer Ereignisse ihren emotionalen Schmerz und ihre unerbittliche Stärke nehmen.“ Allerdings sieht Korte ein größeres Potenzial in der Weiterentwicklung von Verhaltenstherapien, die ebenfalls darauf gerichtet sind, Erinnerungen zu verändern. Und er sieht natürlich auch die Gefahr, dass eine solche Substanz missbraucht werden könnte. Man könnte sich auf diese Weise von der Erinnerung an ein Verbrechen „befreien“, um nur ein Beispiel zu nennen. Korte warnt zudem davor, dass wir mit dem Gedächtnis auch den Kern unseres Selbst manipulieren.

Zur ersten Expedition in die Serra da Mocidade ist der Vogelkundler Mario Cohn-Haft vom Amazonas-Forschungsinstitut INPA in Manaus Anfang 2016 aufgebrochen. Das brasilianische Militär flog ihn und 40 Mitarbeiter in das entlegene Naturschutzgebiet an der Grenze zu Venezuela (siehe Karte oben). Die Biologen verbrachten dort dreieinhalb Wochen, um neue Tier- und Pflanzenarten zu entdecken – was ihnen auch gelungen ist. Im Amazonas-Regenwald sind große Tiere selten: Man stößt gelegentlich auf Affen und sieht Spuren des scheuen Jaguars. Das Interesse der Forscher galt daher Vögeln, Nagetieren, Fischen, Fröschen und Schlangen sowie Insekten. Die Fangmethoden und die Untersuchungen der Tiere schildert eindrücklich der zweiteilige Dokumentarfilm „Mission Amazonas“ des Regisseurs Maurício Dias, der kürzlich beim Wissenschafts-Filmfestival „Silbersalz“ in Halle an der Saale gezeigt wurde. Im Film wird auch erzählt, dass die Expedition frühzeitig abgebrochen werden musste, einige Teilnehmer trotzdem noch zum Gipfel aufstiegen und eine Forscherin dort nach einem Bienenstich einen allergischen Schock erlitt. Auf dem Filmfestival in Halle erläuterte der Regisseur Dias seine Motivation für den Film: „Wenn wir die Tiere nicht kennen, werden wir sie nicht schützen. Wir schützen nur, was wir lieben. Und wir schützen letztlich nicht nur die Tiere, sondern auch uns.“

Der Amazonas-Regenwald wird in großem Stil abgeholzt: Er hat in den vergangenen 50 Jahren etwa 20 Prozent seiner Fläche verloren. Die brasilianische Regierung hat die Abholzungsrate zuletzt allerdings reduzieren können: von typischerweise 20.000 Quadratkilometer im Jahr auf 5000 bis 6000. Die Abholzung in den 1990er-Jahren trug noch bis zu fünf Prozent zu den globalen CO2-Emissionen bei. Das Muster erinnert auf Satellitenbildern an Fischgräten (hier in Bildern der NASA zu sehen), weil zunächst von Straßen ausgehend rechts und links Schneisen in den Wald geschlagen werden. Der Wald nördlich des Amazonas ist in einem besseren Zustand als der südliche Teil, weil es dort kaum Siedlungen und Straßen gibt. In einem Kommentar im Fachmagazin „Science Advances“ warnen die Ökologen Thomas Lovejoy und Carlos Nobre, dass es gefährlich wäre, eine Abholzung über 20 Prozent der ursprünglichen Waldfläche zuzulassen. Denn dann könnte sich ein wichtiges Niederschlagssystem verändern, das derzeit die brasilianischen Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo und auch Uruguay, Paraguay und Argentinien mit Regen versorgt: Die Feuchtigkeit stammt aus der Verdunstung der Bäume des Regenwalds. Die Wassermassen, die vom Amazonas in den Süden transportiert werden, werden „fliegende Flüsse“ genannt. Um den Verlust des Waldes zu stoppen, können Flächen wieder aufgeforstet werden, die von der Landwirtschaft nicht mehr benötigt werden. Darüber hinaus müsste der Anbau von Soja als Viehfutter verringert werden.

Neben der Abholzung setzt der Klimawandel dem Regenwald zu. In den vergangenen 20 Jahren hat es einige Dürren gegeben, bei denen der Waldboden so weit austrocknete, dass er brennen konnte. Doch diese extremen Wetterlagen können auch natürliche Schwankungen widerspiegeln. Der Weltklimarat IPCC fasst in seinem jüngsten Bericht zusammen: Die Temperaturen dürften im Amazonas-Becken deutlich steigen, aber ob es trockener wird, ist nicht ganz klar. Unter Forschern wird – bisher offen – diskutiert, ob im Laufe dieses Jahrhunderts ein Punkt erreicht werden könnte, an dem der Wald den Klimawandel nicht mehr verkraftet und sich in eine Savanne verwandelt. Die Weltbank hat dies vor einigen Jahren in einer Studie vorhergesagt, sofern der Regenwald nicht besser geschützt werde.

Schon heute sterben Tier- und Pflanzenarten aus, weil mit der Abholzung ihre Lebensräume verschwinden. Zudem drängt der Klimawandel Tiere und Pflanzen in Regionen, in denen sie wegen der Abholzung keine Lebensräume mehr vorfinden. Brasilien ist das artenreichste Land der Welt und zählt 46.000 wissenschaftlich beschriebene Pflanzen- und 116.000 Tierarten. Das Risiko einer Art auszusterben, nimmt global gesehen weiter zu, berichtet die Weltnaturschutzunion IUCN: Der sogenannte Rote-Liste-Index verschlechtere sich für Vögel, Säugetiere und Amphibien. In einer Länderanalyse wurde Brasilien jedoch gelobt: Die Bedrohung nehme nicht so stark zu, wie man es angesichts der vielen einheimischen Arten erwarten müsste.

Im Regenwald nach medizinisch nutzbaren Substanzen zu suchen, ist keine abwegige Idee. Dass die Natur eine Ressource für solche Entdeckungen sei, gehört zu den wichtigen Argumenten für den Artenschutz. Wie wertvoll die Wildnis ist, beschreibt ausführlich die Initiative Bioökonomie.de. Der Wirkstoff Pilocarpin, der in Augentropfen eingesetzt wird, wurde zum Beispiel erstmals von Jaborandiblättern extrahiert, die man im Amazonas-Regenwald findet. Eine Gruppe des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie hat Vorschläge erarbeitet, um die Bioprospektion zu stärken. Dazu gehört zum Beispiel die Kooperation von Forschungsinstituten und Unternehmen beim Aufbau von chemischen Datenbanken, in denen die Stoffe aufgelistet werden, die man im Regenwald findet. Die Forscher kritisieren, dass Brasilien diese Arbeit durch umfangreiche und strikte Genehmigungsregeln behindert. Motiviert wird die Praxis der brasilianischen Behörden durch die Angst, biologisch ausgebeutet zu werden – Stichwort Biopiraterie. Das Ziel ist ein „Access and Benefit Sharing“, so der Fachbegriff: Wenn Firmen beispielsweise eine Pflanze wirtschaftlich nutzen möchten, müssen sie der Bevölkerung vor Ort einen Ausgleich zahlen. Seit einigen Jahren regelt das international verbindliche Nagoya-Protokoll diesen Ausgleich, doch die Umsetzung wird unter Fachleuten noch diskutiert (wie etwa bei einer Tagung des Bundesamts für Naturschutz). Die Autoren des Max-Planck-Instituts halten es für möglich, die Nutzung der biologischen Ressourcen besser zu regulieren.

Dieser Beitrag erscheint in der RiffReporter-Koralle „Die Zukunftsreporter“. Eine Übersicht unserer Artikel finden Sie hier.

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