Beobachtungstipp: Merkur, der scheue Planet

Beste Abendsichtbarkeit des Jahres

Wer Merkur noch nicht gesehen hat: Jetzt bietet sich eine gute Gelegenheit!

Wer den sonnennächsten Planeten Merkur noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann ihn in diesen Tagen ab Beginn der Dämmerung entdecken. Der innerste Planet des Sonnensystems zeigt sich am westlichen Horizont für eine gute Stunde, ehe er der Sonne folgt und ebenfalls untergeht. Derzeit ist seine – von unseren Breiten aus gesehen – beste Abendsichtbarkeit des Jahres. Die deutlich hellere Venus in seiner Nähe hilft dabei, Merkur mit bloßem Auge aufzufinden.

Merkur ist ein scheuer Gast am Firmament. Das Zeitfenster, in dem er sich zeigt, ist stets klein. Wegen seiner Sonnennähe steht er nur an wenigen Tagen im Jahr weit genug über den Horizont, entweder in der Abenddämmerung knapp über dem Westhorizont oder in der Morgendämmerung tief im Osten. Und in diesen kurzen Phasen dürfen dann keine Wolken den Blick versperren. Am 15. März 2018 erreicht Merkur mit 18,4° seinen größten östlichen Winkelabstand zur Sonne. Diese sogenannte Elongation kann bis zu 28° betragen. Nun ist Merkurs Bahn um die Sonne aber ausgeprägt elliptisch und zudem um 7° gegen die Ekliptik geneigt. Daher kann der größte Winkelabstand auch deutlich kleiner ausfallen, so wie es jetzt der Fall ist.


Himmelspositionen von Merkur und Venus am 8. und am 15. März 2018, Frankfurt/Main, jeweils 18:45 Uhr.
Stellarium/S. Oldenburg

Selbst in großen Fernrohren sind wegen der dicken Luftschichten der Erdatmosphäre in Horizontnähe nur wenige Oberflächendetails auf dem Gesteinsplaneten Merkur zu erkennen. Dennoch lohnt der Blick bei etwas höherer Vergrößerung, da sich Merkur – wie Venus auch – bei seinem Lauf um die Sonne und seiner Stellung zur Erde in unterschiedlichen Beleuchtungsphasen präsentiert. Die Vergrößerung eines Fernglases ist für dieses planetare Lichtspiel hingegen zu gering.

Wer Merkur diesmal verpasst, kann schon Ende Juni/Anfang Juli die nächste Chance nutzen. Allerdings wird er dann in unseren Breiten selbst bei seiner größten östlichen Elongation am 12. Juli nicht so weit über dem Horizont stehen wie derzeit. Wer Merkur dann besonders gut beobachten möchte, reist ein paar Breitengrade in den Süden.


Diese Aufnahme vom Merkur und dem jungen Mond (34 Stunden) entstand am Abend des 8. Mai 2008 gegen 20:45 Uhr, und zeigt, wie Merkur mit bloßem Auge erscheint.

Auch wenn sich der „geflügelte Götterbote“ Merkur den Erdbewohnern eher scheu präsentiert, so ist er im Reigen der Planeten unseres Sonnensystems in mehreren Disziplinen Rekordhalter: Mit seinem Durchmesser von 4878 Kilometern ist er der kleinste Planet und nur etwa ein Drittel so groß wie die Erde.

Da er der Sonne am nächsten steht, ist Merkur der schnellste Planet unseres Sonnensystems. In nur 88 Tagen bewegt er sich mit einer mittleren Geschwindigkeit von 48 Kilometern pro Sekunde um unser Zentralgestirn. Im Vergleich dazu ist die Erde mit rund 29,8 Kilometern pro Sekunde deutlich gelassener unterwegs.

Und zu guter Letzt reißt Merkur einen weiteren Rekord: Da ihn keine Atmosphäre umhüllt, schwankt seine Oberflächentemperatur zwischen einer Tagestemperatur von +427 °C und einer Nachttemperatur bis zu -183 °C – und damit mehr als bei jedem anderen Planeten des Sonnensystems.


Auf den ersten Blick erscheint Merkur dem Erdmond sehr ähnlich. Geologisch aber unterscheiden sich beide Himmelskörper voneinander deutlich. Hier ein Bild Merkurs, aufgenommen am 23. April 2013 von der NASA-Sonde Messenger. Nach Mariner 10, die 1974 bis 1975 dreimal an Merkur vorbeiflog, war Messenger die zweite Sonde, die den Merkur (zwischen 2011 und 2015) bislang erkundete. Für Oktober 2018 ist der Start der Merkursonde BepiColombo geplant, einem Projekt der ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA.

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