Was wäre, wenn wir wirklich Außerirdische finden würden? - Teil eins

Wir sind eine kleiner, blauer Punkt in mitten samtiger Schwärze des Weltalls: die Erde und ihre Bewohner. Wir sind allein in diesem Universum, so weit wir das heute wissen. Doch viele vermuten Leben da draußen.

NASA/JPC Die Erde gesehen vom Mond, fotografiert von den Apollo-8 Astronauten.

Im August 1996 elektrisierte eine Pressekonferenz die Welt: Der damalige US-Präsident Bill Clinton erklärte auf der Wiese des Weißen Hauses, dass die NASA einen Meteoriten vom Mars gefunden habe, der vor 13.000 Jahren über der Antarktis niedergegangen ist. Die Sensation: Die NASA-Forscher behaupten, sie hätten im Meteoriten fossile Mikroben entdeckt und zwar vom Mars.

„Der Stein 84001 spricht zu uns, über Milliarden von Jahren hinweg. Er spricht von der Möglichkeit des Lebens. Wenn diese Entdeckung bestätigt wird, bekommen wir den unglaublichsten Einblick in unser Universum, den die Wissenschaft je aufgedeckt hat. Die Folgen sind so weitreichend und beeindruckend, wie wir es uns nur vorzustellen vermögen. Und während sie einige unser ältesten Fragen beantwortet, wird sie noch neue, viel grundsätzlichere Fragen aufwerfen.“ Bill Clinton, damaliger US-Präsident

Lauschen nach Signalen von Aliens

Einer, der Leben im All finden könnte, ist der Astrophysiker und Radioastronom Seth Shostak. Er arbeitet beim legendären SETI-Institute in Kalifornien. SETI ist eine Abkürzung: Search for Extraterrestrial Intelligence, also die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Seth Shostak: „Wir arbeiten jeden Tag mit dem Allan Telescope Array. Das sind 42 Antennen, die in den Bergen Kaliforniens, etwa 500 Kilometer nördlich von San Francisco aufgebaut sind. Wir haben eine lange Liste an Sternensystemen, bei denen wir davon ausgehen, dass sie Planeten besitzen. Wir zielen mit den Antennen auf diese Sternensysteme, eins nach dem anderen und lauschen in alle Radiofrequenzen hinein, eine nach der anderen.“

Signale von Aliens inmitten irdischer Klänge

Die Suche läuft vollautomatisch ab, Computer können auf diese Weise 30 Millionen Kanäle gleichzeitig abhören. Das meiste von dem, was sie hören, ist aber eher langweilig: Satelliten, die um die Erde fliegen und funken oder Radarsignale von Flughäfen. Der Rest ist „White Noise“, also zufällige Störstrahlung ohne Bedeutung. Doch inmitten dieses Rauschens könnte sich ein Signal einer außerirdischen Zivilisation verbergen:

Das klingt, als ob jemand neben einem Wasserfall eine einzige Note auf einer Flöte spielt. Der Wasserfall sind die Störgeräusche, das macht psschhhh, die ganze Zeit. Dazwischen hört man einen Ton, das wäre das, was wir suchen.“ Seth Shostak, Astrophysiker, SETI-Institut

Ein Ton inmitten des Rauschens und den Signalen unserer eigenen Technik könnte ein Hinweis auf außerirdische Intelligenz sein und zwar für eine, die mindestens auf demselben technischen Stand wie unsere Zivilisation ist.

Aliens sehen wahrscheinlich anders aus als wir

Doch Leben da draußen wird wohl ganz anders aussehen als bei uns, sagt die Astrobiologin Margaret Race. Auch sie arbeitet am SETI-Institut:

Ich fordere die Studierenden oft auf, ein Bild eines Außerirdischen zu zeichnen. Die meisten malen ein kleines, grünes Männchen. Dann frage ich: Hat jemand einen Baum gemalt? Oder einen Regenwurm?“ Margaret Race, Astrobiologin, SETI-Institut

Eher außerirdische Mikroben als außerirdische Männchen

Margaret Races Frage ist naheliegend, denn wenn man sich ansieht, wie Leben auf der Erde aussieht, sind menschenähnliche Lebewesen mit zwei Armen und zwei Beinen eindeutig in der Minderheit. Was dagegen im Überfluss existiert, sind Mikroben. Das ist auch das, was die meisten Forscherinnen und Forscher erwarten.

Vielleicht sogar auf dem Mars, sagt Professor Dirk Schulze-Makuch von der TU Berlin: „Mars ist halt ein terrestrischer Planet und er war vor 4 Milliarden Jahren sehr erdähnlich, also auch mit Ozeanen auf der Oberfläche. Und wenn wir uns vorstellen, dass auf der Erde unter diesen Bedingungen Leben entstanden ist, gehen wir davon aus, dass es auf dem Mars ebenso entstanden ist.“

Ob Aliens in Form von Mikroben noch heute leben könnten, also als Einzeller oder kleine mehrzellige Lebensformen? Das wäre ein echter Glücksfall, denn der Mars ist heute ein kalter Wüstenplanet mit einer äußerst dünnen Atmosphäre, der kein Leben in unserem Sinne zulässt. Aber vielleicht gibt es auf dem Roten Planeten noch warme Lavahöhlen, in denen es warm genug für flüssiges Wasser und Mikroben sein könnte, meint Dirk Schulze-Makuch. Oder man könnte dort Überreste von früher finden, also Fossilien.

Mars-Fossilien als Zeichen für außerirdisches Leben?

Damit kommen wir zurück zum Meteoriten Nummer 840001, der im Jahr 1996 die Welt und Bill Clinton verzückte. Der Fund dieses Meteoriten kann uns ein Beispiel sein, um zu verstehen, was passieren würde, wenn wir außerirdisches Leben finden würden. Erstmal ganz viel, zum Beispiel in Form von Fernseh-Brennpunkten und Zeitungs-Sonderseiten. Doch dann wird es schnell sehr ruhig werden, sagt der Astronom und Historiker Steven Dick.

Die NASA vermutete, sie hätte kleine Mars-Fossilien gefunden und es dauerte ziemlich lange, bis klar war, dass das nicht stimmte. Das wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Doch so etwas festzustellen, das dauert einfach mehrere Jahre. Es ist ja nicht so, dass man sein Teleskop zum Mars richtet und dann irgendwas entdeckt. Das dauert immer eine Weile. Erst entdeckt man etwas, und dann muss man das interpretieren - das allein kann schon Monate oder Jahre dauern und bis man verstanden hat, was man gefunden hat, gehen Jahrzehnte ins Land.“ Steven Dick, Historiker, Astronom

Die Medien würden durchdrehen

Was auch immer einzelne Menschen denken, man kann dennoch sicher davon ausgehen, dass die Medien, ob klassische oder soziale Medien, bei so einer vorläufigen Nachricht erstmal völlig ausflippen würden. Das haben sie auch 1996 gemacht. Und auch im Herbst 2015, als Forscher angedeutet haben, sie hätten eventuell Hinweise auf eine intelligente Zivilisation an einem fernen Stern entdeckt. Dabei hatten vermutlich nur eine Staubwolke oder einige zerbrochene Kometen kurzzeitig die Helligkeit eines Gestirns namens Tabbys Stern verringert.

Das Interessante daran ist aber Folgendes: Die öffentliche Aufmerksamkeit war wie ein Strohfeuer: von einem Moment auf den anderen sehr groß, um dann sofort wieder abzuebben. Nur wenige haben später darüber berichtet, dass sich die Forscher geirrt haben und dass dort wohl doch keine außerirdischen Wesen mit riesigen Raumstationen sind. Ein erster Hinweis darauf, wie wir Menschen mit der Nachricht von außerirdischem Leben wohl umgehen werden.

Welches Risiko geht von außerirdischer Intelligenz aus?

Für all diese Überlegungen spielt es übrigens auch noch eine große Rolle, wie intelligent die Außerirdischen sind und wie weit entfernt von uns sie leben würden. Margaret Race vom SETI-Institut beschäftigt sich mit den Risiken einer solchen Entdeckung: „Wenn man ein Signal von einer weit entfernten Galaxie bekommt, ist das so, als wenn wenn einem auf den Anrufbeantworter gesprochen wird: Ich weiß dann, da ist jemand da draußen; er ist schlau genug, um diese Nachricht zu schicken selbst wenn ich sie nicht verstehen kann. Es ist kein Störgeräusch oder Rauschen.“

Und jetzt wird es interessant. Denn von so einer Nachricht geht kaum ein Risiko aus, sagt Margaret Race. Selbst, wenn die Außerirdischen uns technisch haushoch überlegen sein sollten:

Sie könnten sich ein Jahr, nachdem sie die Nachricht geschickt haben, selbst in die Luft gejagt haben. Denn die ist mehrere Lichtjahre lang unterwegs gewesen.“ Margaret Race, SETI-Institut

Die Weite des Weltalls schützt uns vor den Aliens

Dass die mögliche außerirdische Intelligenz uns mal eben besuchen könnte, ist auch eher unwahrscheinlich, sagt Margaret Race: „Unser nächster Nachbarstern ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Mit einem Raumschiff wären wir dorthin 100.000 Jahre unterwegs. Den meisten Menschen ist nicht klar, wie groß das Weltall tatsächlich ist und wie sich das auf Kontakte mit Außerirdischen auswirkt.“

Eine Nachricht, ein Signal aus dem All, nach dem Menschen wie Seth Shostak suchen, hat also kaum Risiken und Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Dennoch dürfte so eine Entdeckung nicht zu unterschätzen sein, psychologisch nämlich. Die Frage, ob wir allein im Universum sind, wäre damit beantwortet. Selbst, wenn es unmöglich wäre, diese anderen Zivilisationen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Welches Risiko geht von außerirdischen Mikroben aus?

Richtig gefährlich könnte die andere Variante des außerirdischen Lebens sein, das, was alle ein bisschen langweiliger finden als kleine grüne Männchen: Mikroben. Wenn wir sie finden, hat das möglicherweise handfeste Auswirkungen auf unser Leben hier auf der Erde. Zum Einen: Die können wir nicht mit Teleskopen erspähen, sondern nur mit Mikroskopen. Und das bedeutet, wir kommen in direkten Kontakt mit ihnen, so Margaret Race: „Eine Mission zum Mars würde neun Monate dauern, hin und zurück mehrere Jahre. Das ist für Weltraumdimensionen ziemlich nah und bedeutet: Wir könnten innerhalb unserer Lebenszeit etwas von dort zu uns auf die Erde zurückbringen.“

Wenn das Mikroben sind, muss man höllisch aufpassen:

Sie sind nicht nur Dinge, die wir studieren können. Sie wechselwirken mit anderen biologischen Zellen. Sie verändern Gene, sie können sich anpassen. Wenn wir außerirdische Mikroben finden, könnte es sein, dass sie mit dem irdischen Ökosystem in Kontakt treten, und vielleicht merken wir es zunächst nicht einmal.“ Margaret Race, SETI-Institut

Sauberkeit ist im Weltall unerlässlich

Bis vor ein paar Jahrzehnten haben sich die Weltraumorganisationen darüber, wie außerirdische Mikroben unser Ökosystem beeinflussen, nur wenig Gedanken gemacht. Zwar sind die Apollo-Astronauten nach ihrem Trip auf den Mond einen Monat in Quarantäne gegangen und alles Mondgestein wurde sicher unter Verschluss gehalten. Doch es hätte durchaus sein können, dass Mond-Mikroben zum Beispiel auf der Oberfläche der Mondlandefähre auf die Erde gekommen sein könnten.

Zum Glück ist das nicht passiert, denn auf dem Mond gibt es kein Leben. Doch das muss für andere Planeten nicht gelten. Heute ist die Haltung eine andere: Die Weltraumagenturen gehen grundsätzlich davon aus, dass Weltraum-Mikroben uns und das Ökosystem auf der Erde gefährden können. Entsprechend haben sie die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Dabei können sie zum Beispiel auf Erfahrungen zurückgreifen, mit denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefährliche Viren wie Ebola sicher von Labor zu Labor transportieren, manchmal über Kontinente hinweg.

Das war der erste Teil des Beitrags „Was wäre, wenn wir tatsächlich Aliens finden würden?“ Im zweiten Teil geht es um die Frage, warum wir uns überhaupt Außerirdische vorstellen können und ob gläubige Menschen ein Problem damit hätten, wenn wir Außerirdische finden würden. Darüber hinaus fragen wir: Welche Rechte haben Aliens eigentlich?

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