Der Sternenhimmel im März 2019"

"Möge die Nacht mit Euch sein" - Wie viel' Sternlein kannst Du sehen?

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von Felicitas Mokler

„Schwarz wie die Nacht“ lautet eines der drei Qualitätskriterien für einen traditionellen italienischen Espresso! Wo aber lässt sich heutzutage noch eine tiefschwarze Nacht erleben? Ein von Sternen übersätes Firmament findet man nur noch fern ab der Zivilisation, am besten in den Bergen oder gar in einer Wüstengegend (siehe auch Reiseziel Sternenhimmel).

In (Groß-)Städten strahlt die nächtliche Beleuchtung von Verkehrswegen, öffentlichen Gebäuden oder Reklamen einen beträchtlichen Anteil an Licht nach oben ab. Dieses Licht wird an feinen Wassertröpfchen und Aerosolen und Staub, wie sie sich gerade in der Dunstglocke über Städten konzentrieren, gestreut. So entsteht eine charakteristische Lichtglocke über Städten, die bis in große Entfernungen sichtbar ist.

Daher lassen sich in Großstädten selbst bei wolkenfreiem Himmel meist nur die hellsten Sterne der markanten Sternbilder wie Großer Wagen oder Orion erkennen. Vom kleinen Bären ist, wenn überhaupt, nur der Polarstern zu sehen, in einer abgelegenen Alpengegend hingegen offenbart sich die vollständige Konstellation.

Grob gesprochen ist also die Anzahl der sichtbaren Sterne ein Maß für die Qualität der Dunkelheit des Nachthimmels. Die Helligkeit, bis zu der man Sterne unter bestimmten Bedingungen sehen kann, bezeichnen Astronomen als Grenzgröße.

Bereits die Babylonier teilten die Sterne nach Helligkeitsabstufungen ein. Den hellsten sichtbaren Fixsternen wiesen sie die erste Größe, den gerade noch sichtbaren die sechste zu. Auch der griechische Astronom Hipparch nutzte im zweiten Jahrhundert v. Chr. dieses System, als er seinen rund 900 Sterne umfassenden Katalog erstellte. Später erweiterten Himmelskundler diese Einteilung in beide Richtungen, um gelegentliche hellere Erscheinungen wie Novae, vor allem aber auch mit dem Aufkommen des Fernrohrs leuchtschwächere Sterne klassifizieren zu können.

Die heute übliche Definition in Größenklassen geht auf den englischen Astronomen Norman Robert Pogson um 1850 zurück. Er setze die bereits verwendete Einteilung in ein formelles logarithmisches Verhältnis. Ein Stern der sechsten Größenklasse erscheint dabei 100 Mal lichtschwächer als einer der ersten. Die Helligkeitsabstufungen zwischen den einzelnen Größenklassen belaufen sich demnach auf die fünfte Wurzel von 100, also etwa einen Faktor 2,51.

Die logarithmische Einteilung spiegelt einen Grundzug der menschlichen Sinneswahrnehmung wider, wie es das Weber-Fechner-Gesetz besagt. Demnach ist die subjektiv empfundene Stärke von Sinneswahrnehmungen proportional zum Logarithmus der objektiven Intensität des physikalischen Reizes.

Unter optimalen Bedingungen kann das geübte menschliche Auge Sterne bis zur 6. Größenklasse erfassen. Dann zeigen sich dem Beobachter an einem festen Standort mehr als 2000 Sterne. Doch vielerorts bleibt uns heute die Naturerfahrung eines mit Sternen übersäten Nachthimmels verwehrt. Dabei ist die menschengemachte Lichtverschmutzung nicht nur ein Ärgernis für Profi- wie Amateurastronomen. Es ist längst nicht mehr von der Hand zu weisen, dass sie den Biorhythmus vor allem von Menschen in Großstädten beeinträchtigt und sich auf das sensible Gleichgewicht in Ökosystemen der Tier- und Pflanzenwelt auswirkt.

Um das Ausmaß der Lichtverschmutzung weltweit zu erfassen, ruft die Organisation Globe at Night [der Globus/die Erde bei Nacht] seit 2006 in einer internationalen Kampagne die Öffentlichkeit dazu auf, sich an der Beobachtung und Dokumentation der Dunkelheit des Nachthimmels zu beteiligen. Über 180 000 Menschen aus 180 verschiedenen Ländern haben seither mitgemacht.

Während sich die Kampagne anfangs zunächst auf einen Monat im Jahr beschränkte, nimmt Globe at Night mittlerweile Messungen das ganz Jahr über entgegen und wertet diese aus. Für die Beobachtungen vorgesehen sind Zeitfenster von jeweils gut einer Woche pro Monat, die auf die Mondphasen abgestimmt sind. Die aktuelle läuft seit 26. Februar und dauert noch bis 7. März, die nächste ist vom 27. März bis 5. April vorgesehen.

Mitmachen ist denkbar einfach. Dazu gibt Globe at Night für diese Beobachtungszeiträume geeignete Sternbildkonstellationen vor, die auch den Standort auf der Erde berücksichtigen. Auf der Webseite stehen dann sieben Vergleichsskizzen mit unterschiedlich vielen Sternen in der betreffenden Sternbildregion zur Verfügung, die den Nachthimmel bei verschiedenen Qualitätsstufen der Dunkelheit wiedergeben. Die eigenen Beobachtungen kann man sowohl am PC als auch am Smartphone eingeben.

Wichtig ist noch, erst mehr als eine Stunde nach Sonnenuntergang, also nach Ende der Dämmerung, mit dem „Sterne zählen“ zu beginnen und mindestens zehn, besser 20 Minuten zu warten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Ganz in diesem Sinne steht übrigens auch der diesjährige Astronomie-Tag am 30. März unter dem Motto „Möge die Nacht mit Euch sein“. Weitere Informationen unter: www.astronomietag.de

Der Sternenhimmel Anfang März über Frankfurt am Main gegen 22:30 MEZ.
stellarium/F. Mokler

Position der Sternbilder

Im Monat März hält der Frühling Einzug am Firmament. Im Nordwesten verschwindet Andromeda am Horizont. Das Wintersechseck wandert bereits in der ersten Nachthälfte gen Westen. Orion ist im Südwesten anzutreffen. Die Zwillinge mit Kastor und Pollux finden wir noch recht hoch im Süden, gefolgt vom Sternbild Krebs mit dem Sternenhaufen Praesepe oder Krippe. Östlich davon folgt auf der Ekliptik der Löwe, und auch die Jungfrau ragt in der frühen Nacht bereits vollständig über den Osthorizont. Fast durch den Zenit läuft die Konstellation Großer Bär, zu der der Große Wagen gehört. Im Osten davon hält sich der Bärenhüter Bootes mit seinem Hauptstern Arktur auf. Tief im Nordosten zieht Herkules herauf.

Lauf des Mondes

Am 6. März hält sich der Erdtrabant zu Neumond im Sternbild Wassermann auf. Der wieder zunehmende Halbmond befindet sich am 14. des Monats zwischen Stier und Zwillingen. Der Vollmond zieht am 21. März in die Jungfrau. Der wieder abnehmende Halbmond steht am 28. März oberhalb des Sternbilds Schütze.

Lauf der Planeten

Anfang März ist der innerste Planet des Sonnensystems, Merkur, noch am westlichen Abendhimmel zu sehen. Venus leuchtet diesen Monat als heller Morgenstern im Südosten, begibt sich aber im Lauf des Monats immer mehr gen Horizont. Der rötliche Mars wiederum ist bis in die erste Nachthälfte hinein im Westen anzutreffen. Der Riesenplanet Jupiter tritt in der zweiten Nachthälfte auf den Plan; etwas später, in den frühen Morgenstunden, folgt der Ringplanet Saturn. Uranus ist im Sternbild Widder anzutreffen und könnte unter einem dunklen Himmel gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sein.

Frühlingsanfang/Tag- und Nachtgleiche: Am 20. März ist astronomischer Frühlingsanfang, er wird markiert von der Tag- und Nachtgleiche.

Zeitumstellung: In der Nacht vom 30. auf den 31. März wird die Zeit um einer Stunde vorgestellt, es gilt nun die mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).

 


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