Von Kugelsternhaufen und anderen himmlischen Lichtgestalten

Der Sternenhimmel im Juni

Der Sommerhimmel ist voll von leicht auffindbaren Objekten für den Feldstecher. Im Sternbild Herkules etwa treffen wir gleich auf zwei Kugelsternhaufen, nämlich M13 und M 92. Beide sind sich recht ähnlich, M13 jedoch ist wohl der prächtigste seiner Art überhaupt. Im Feldstecher erscheint er als perfekt sphärischer Tupfer, dessen Helligkeit vom Zentrum nach außen hin homogen abnimmt. In einem Teleskop lassen sich in den äußeren Regionen die Sterne einzeln auflösen, weiter innen stehen sie aber zu dicht dafür.

Nehmen wir Kugelsternhaufen ins Visier, blicken wir aus der Scheibenebene unserer Galaxis hinaus in ihren Halo. Diese Sternansammlungen können einige hunderttausend Mitglieder und mehr umfassen, die alle in einem Schwung entstanden und bereits viele Milliarden Jahre alt sind. So blieb genug Zeit, dass sich innerhalb eines solchen Systems ein Gleichgewicht einstellen konnte: Die einzelnen Sterne pendeln um den gemeinsamen Massenschwerpunkt, kinetische Energie und Gravitation halten sich hier die Waage. In ihrer sphärischen Struktur mit zunehmender Dichte zum Zentrum hin offenbart sich in Kugelsternhaufen auf ästhetische Weise die Natur der Schwerkraft. Die Sternsysteme ihrerseits bewegen sich auf weiten Bahnen durch den Halo der Milchstraße um das galaktische Zentrum. M 13 besitzt einige 100 000 Mitglieder und ist 25 000 Lichtjahre entfernt. M 92 enthält rund 330 000 Sonnenmassen und befindet sich in einer Entfernung von 26 000 Lichtjahren. Mit einem geschätzten Alter von 13 Milliarden Jahren ist er einer der ältesten seiner Art.

Like a whirl of shiny flakes sparkling in a snow globe, the NASA/ESA Hubble Space Telescope catches an instantaneous glimpse of many hundreds of thousands of stars moving about in the globular cluster M13, one of the brightest and best-known globular clusters in the northern sky. This glittering metropolis of stars is easily found in the winter sky in the constellation Hercules and can even be glimpsed with the unaided eye under dark skies. M13 is home to over 100 000 stars and located at a distance of 25 000 light-years. These stars are packed so closely together in a ball, approximately 150 light-years across, that they will spend their entire lives whirling around in the cluster. This image is a composite of archival Hubble data taken with the Wide Field Planetary Camera 2 and the Advanced Camera for Surveys. Observations from four separate science proposals taken in November 1999, April 2000, August 2005, and April 2006 were used. The image includes broadband filters that isolate light from the blue, visible, and infrared portions of the spectrum.
Der Kugelsternhaufen Messier 13 im Sternbild Herkules, hier in einer Aufnahme des Hubble Space Telescope, ist einer der schönsten seiner Art. Er enthält einige 100 000 Sterne und befindet sich in einer Entfernung von 25 000 Lichtjahren.

Die Bezeichnung „M“ plus Nummer bedeutet, dass das Himmelsobjekt im sogenannten Messier-Katalog verzeichnet ist. Darin ist eine ganze Reihe an für den Amateurastronomen interessanten Himmelsobjekten aufgeführt. Er geht zurück auf die Aufzeichnungen des französischen Astronomen Charles Messier (1730 - 1817). Eigentlich hatte dieser es auf Kometen abgesehen. Noch während des 18. Jahrhunderts lag die Jagd nach solchen neuen Schweifsternen unter Profiastronomen im Trend. Denn gelang einem eine Neuentdeckung oder sagte man die Wiederkehr eines bereits Bekannten korrekt vorher, konnte man sich des Ruhmes praktisch sicher sein. So suchte auch Messier den Himmel ab. Dabei hielt er Ausschau nach schwachen, diffusen Lichtfleckchen, die sich relativ zum Fixsternhintergrund merklich bewegten.

Als er im Jahr 1758 nach dem von seinem britischen Kollegen Edmond Halley (1665 - 1742) vorhergesagten Kometen fahndete, stieß er im Sternbild Stier auf ein blasses Nebelchen, dessen Himmelsposition sich jedoch im Lauf der Zeit nicht veränderte. Es sollte das erste einer ganzen Reihe solcher Erscheinungen sein, die der Sternenforscher in seine Liste aufnahm. Bei diesem Eintrag, M1, handelt es sich um den Krebsnebel, den Überrest einer Sternexplosion aus dem Jahr 1054, also von einer Supernova. Messier selbst hat 40 unterschiedliche „Nebelchen“ entdeckt, deren Position und Erscheinungsbild er gewissenhaft aufzeichnete. So wollte er einer Fehlinterpretation bei der künftigen Kometensuche vorbeugen. Schließlich fügte er gemeinsam mit seinem Kollegen Pierre Méchain (1744- 1804) weitere Objekte hinzu.

Insgesamt beinhaltet der Messier-Katalog 110 Objekte unterschiedlicher astrophysikalischer Natur. Einige davon sind bereits unter sehr guten Sichtbedingungen mit bloßem Auge, die meisten aber mit einem Fernglas zu erkennen. Darunter befinden sich Supernova-Überreste wie M1, planetarische Nebel (Gashüllen, die ein Stern gegen Ende seines Lebens abgestoßen hat), Galaxien sowie offene und Kugelsternhaufen.

Mittlerweile sind übrigens ambitionierte Amateurastronomen häufig mit besserem Beobachtungsinstrument ausgestaltet als einst Messier es war und liefern sich bisweilen sogar einen Wettbewerb darüber, wer in einer Nacht die meisten Objekte des Messier-Katalogs auffindet.

 

Der Sternenhimmel Anfang Juni über Frankfurt am Mai um 22:30 MESZ.
stellarium/F.Mokler

Position der Sternbilder

Im Juni treten bald nach Einbruch der Nacht die Frühlingssternbilder von die Himmelbühne ab: Im Westen sinkt der Krebs mit Praesepe gen Horizont, auf der Ekliptik folgt ihm der Löwe. Ihm zieht die Jungfrau mit der hellen Spika hinterdrein. Höher gen Zenit stehen im Südwesten das „Haar der Berenike“ sowie etwas mehr südlich Bootes mit dem Hauptstern Arkturus. Der große Bär versucht dem Bärenhüter bereits nach Nordwesten zu entkommen. Hoch im Südosten begegnen wir Herkules mit den genannten sehenswerten Kugelsternhaufen M 13 und M 92. Unterhalb davon erstreckt sich die weitläufige Konstellation des Schlangenträgers. Im Osten steigt bereits das Sommerdreieck empor: Mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler bietet es in den warmen Nächten eine gute Orientierungshilfe am Himmel.

Lauf des Mondes

Am 6. Juni steht der abnehmende Halbmond im Sternbild Wassermann. Zu Neumond hält sich der Erdtrabant am 13. Juni im Stier auf. Der wieder zunehmende Halbmond tritt am 20. des Monats in die Jungfrau über; und am 28. Juni befindet sich der Vollmond in der Konstellation Schütze.

Lauf der Planeten

Merkur taucht zu Monatsende nach der Abenddämmerung tief am Nordwesthorizont auf. Die Venus prangt im Juni als heller Abendstern am Firmament. Der rötliche Mars ist gut in der zweiten Nachthälfte zu beobachten. Jupiter erstrahlt vom frühen Abend bis in die zweite Nachthälfte am Himmel; der Ringplanet Saturn ist die ganze Nacht über zu sehen. Uranus im Sternbild Widder dürfte bei besten Sichtbedingungen gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen sein. Neptun im Wassermann hingegen lässt sich nur mit einem Feldstecher entdecken.


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