Weihnachten und die Sache mit den Kometen

Der Sternenhimmel im Dezember 2018

Jan Hattenbach

Die Weltraumreporter - Ihre Korrespondenten aus dem All

Gefühlt scheint sich alle Jahre wieder just zur Weihnachtszeit ein Komet am Himmel einzufinden. Und tatsächlich tummeln sich diesen Monat gleich vier dieser Objekte am Firmament: Für drei davon interessieren sich aber vor allem gewiefte Kometenjäger mit spezieller Ausrüstung. Denn sie leuchten so schwach, dass sie nur mit einem Teleskop zu beobachten sind oder sich mit einer guten Kamera in dunkler Umgebung ablichten lassen. Solche unscheinbaren Schweifsterne sind übrigens keine Seltenheit; irgendein Exemplar von ihnen ist praktisch jeden Monat anzutreffen.

Der vierte der aktuell sichtbaren Kometen jedoch, 46P/Wirtanen, ist durchaus auch für ungeübte Beobachter interessant. Dabei darf man keineswegs eine spektakuläre Kometenshow erwarten, die künstlerischen Darstellungen des Sterns der Weisen in der Weihnachtsgeschichte nahekommt. Doch Wirtanen ist bereits jetzt mit bloßem Auge sichtbar, ein entsprechend dunkler Nachthimmel vorausgesetzt.

Der Komet 46P/Wirtanen mit bläulich anmutendem Halo aufgenommen von Jan Hattenbach am 28. November 2018 gegen 23:17 UTC auf La Palma.
Jan Hattenbach

Das gibt es nicht allzu oft. Und in den nächsten Wochen dürfte Wirtanen an Helligkeit noch weiter zunehmen, denn bis zum 12. Dezember nähert er sich noch der Sonne, bis er seinen Sonnennächsten Punkt, das Perihel, in einem Abstand von 1,06 Astronomischen Einheiten (1 AE entspricht etwa 150 Millionen Kilometer) von der Sonne erreicht hat. Der Erde wird er am 16. Dezember mit 0,078 Astronomischen Einheiten (das entspricht etwa der dreißigfachen Mondentfernung) am nächsten kommen. Während er sich der Sonne und dann der Erde weiter annähert, wird er zwar noch heller, zugleich wird er dabei aber auch scheinbar größer, so dass sich die Helligkeit auf eine größere Fläche verteilt. Das heißt also nicht unbedingt, dass er sehr viel besser sichtbar wird. Aber wir dürfen uns überraschen lassen, wie sich sein Erscheinen weiter entwickelt; denn Kometen sind in gewisser Weise unberechenbar.

Aufsuchkarte für den Kometen Wirtanen im Dezember 2018, erstellt mit Cartes du Ciel.
Cartes du Ciel/F. Mokler

Mit einer Umlaufdauer von 5,4 Jahren ist Wirtanen einer der zehn Schweifsterne mit der kürzesten Bahnperiode und daher besonders gut von der Erde für Raumsonden zu erreichen. Der Komet war deshalb ursprünglich als Ziel der Rosetta-Mission vorgesehen. Da sich deren Starttermin verschoben hatte, geriet Wirtanen aber außer Reichweite und als neues Ziel diente Tschurjumow-Gerasimenko, der ebenfalls zu den kurzperiodischen Kometen zählt. Kometen haben ihren Ursprung in den äußeren Bereichen des Sonnensystems, jene mit Perioden länger als 200 Jahre vermutlich in der der Oort’schen Wolke, die kürzer periodischen im Kuipergürtel. Dort befinden sich weitab der Sonne Brocken aus Gestein und Eis, die aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammen. Bei ihren Passagen ins Innere des Sonnensystems geraten einige von ihnen derart in die Fänge der Schwerkraft von Jupiter, dass sie von ihrer Bahn abgelenkt werden, dadurch auf einen Orbit in der Nähe des Gasriesen geraten und infolgedessen sehr viel häufiger wiederkehren. Das passierte auch Wirtanen, der deshalb zur Familie der Jupiterkometen zählt.

In den äußeren Regionen des Sonnensystems ist es so kalt, dass auch sonst leicht flüchtige Stoffe in fester Form existieren. Geraten die Kometen auf ihrer Bahn in Sonnennähe, wärmen sie sich auf und die flüchtigen Stoffe verdampfen von ihrer Oberfläche. Das Gas um den Kometenkern herum erscheint als Koma. Noch weiter in Sonnennähe bilden sich bei vielen Kometen markante Schweife aus Staub und Gas heraus. Bei Wirtanen sind diese jedoch verhältnismäßig schwach ausgeprägt.

Der Auftritt von Wirtanen am Himmel wird also weit entfernt sein von der Darstellung des Sterns von Bethlehem, die seit dem Mittelalter auf Gemälden der Weihnachtsgeschichte zu finden ist und unsere Vorstellung eines Kometen geprägt hat. Und außerdem: Sollte es für den in der Bibel beschriebenen Weihnachtsstern wirklich eine Erklärung durch eine natürliche Himmelserscheinung geben, handelte es sich dabei vermutlich gar nicht um einen Kometen. Verfolgt man die Umlaufbahnen des Halley’schen Kometen zurück, müsste dieser zwar wenige Jahre vor Christi Geburt, nämlich im Jahr 12 v. Chr., erschienen sein. Auch lässt sich nicht ausschließen, dass seinerzeit ein anderer, uns unbekannter Komet aufgetaucht ist. Die Hypothese, dass sich den Weisen aus dem Morgenland wirklich ein Komet am Himmel zeigte und sie diesem folgten, gilt allerdings als unwahrscheinlich, denn das Erscheinen eines Kometen deutete man stets als unheilvolles Vorzeichen. Warum sollte ein solcher „Stern“ also die Geburt eines Königs oder eines göttlichen Kindes verkünden? Sehr viel wahrscheinlicher handelte es sich bei dem Weihnachtsstern um das nahe Aufeinandertreffen zweier heller Planeten. Im Jahr 7 v. Chr. standen beispielsweise Jupiter und Saturn mehrfach besonders eng am Himmel in Konjunktion beieinander, in den Jahren 3 und 2 v. Chr. Jupiter und Venus. – Vielleicht ist aber auch einfach ein Stern am Ende seines Lebens explodiert und wurde just zu jener Zeit um Christi Geburt als neuer Stern in Form einer Supernova sichtbar. Zu einem solchen Ereignis gibt es aber aus jener Zeit keinerlei Aufzeichnungen.

Der Sternenhimmel Anfang Dezember 2018 gegen 22:30 MEZ über Frankfurt am Main.
stellarium/F. Mokler

Position der Sternbilder

Am Dezemberhimmel grüßen tief im Nordwesten noch die Sommersternbilder Leier und Schwan. Im Südwesten verschwindet der Wassermann unter dem Horizont. Höher im Südwesten steht der markante Pegasus mit Andromeda. Auf der Ekliptik darunter ziehen die Fische ihre Bahn. Im Südosten können wir uns derzeit an dem großflächigen Wintersechseck orientieren. Es setzt sich aus den hellsten Sternen der auffälligen Wintersternbilder zusammen: Aldebaran, dem blutunterlaufenen Auge im Stier, Kapella, dem Hauptstern im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen, Prokyon im kleinen Hund, Sirius im großen Hund und Rigel im Orion.

 

Lauf des Mondes

Zu Neumond hält sich der Erdtrabant am 7. Dezember zwischen den Sternbildern Schlangenträger und Skorpion auf. Der zunehmende Halbmond steht am 15. des Monats zwischen Wassermann und Walfisch. Der Vollmond ist am 22. Dezember zwischen Orion und den Zwillingen aufzufinden. Am 29. Dezember befindet sich der wieder abnehmende Halbmond in der Jungfrau.

Lauf der Planeten

Merkur ist ragt in der Morgendämmerung im Südosten über den Horizont, in der zweiten Monatshälfte sinkt er jedoch immer weiter ab. Venus zeigt sich in vollem Glanz als Morgenstern ebenfalls im Südosten. Der rötliche Mars ist diesen Monat noch in der ersten Nachthälfte am Südwesthimmel anzutreffen. Der Gasriese Jupiter tritt am Morgenhimmel auf den Plan. Der Ringplanet Saturn lässt sich in der ersten Monatshälfte noch tief am Südwesten erblicken. Uranus tritt in den Fische über, Neptun im Sternbild Wassermann lässt sich nur mit einem Fernglas auffinden.

Meteorströme 

Im Dezember sind die Geminiden aktiv, die Meteore dieses Sternschnuppenstroms kommen scheinbar aus dem Sternbild Zwillinge. Ihr Maximum ist in den Nächten vom 12. bis 14. Dezember zu erwarten.

Wintersonnenwende

Am 21. Dezember ist astronomischer Winteranfang. Die Sonne passiert ihren tiefsten Punkt auf der Ekliptik. Von da an werden die Nächte wieder kürzer und die Tage länger.


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