„Wir kommen überall rein“

Die Hacker von CodeWhite hacken im Auftrag der Sicherheit. Sie lassen sich eigentlich nicht auf die Finger schauen. Für diesen Artikel haben sie eine Ausnahme gemacht und vor den Augen einer Journalistin eines der größten Unternehmen Europas gehackt.

VR-​Reporterin: Eva Wolfangel berichtet aus digitalen Welten und neuen Realitäten

Thomas Fischer weiß an diesem Morgen noch nicht, dass er noch vor dem Mittagessen knapp Zehntausend Kundendaten gehackt haben wird: Namen, Adressen, Zugangsdaten und Passwörter. Und seine Besucherin weiß noch nicht, wie wenig ihn das überraschen wird. Wie er da so sitzt, 50 Jahre, hipper grauer Vollbart, Brille, vor zwei großen Bildschirmen in einem großzügigen Büro mit Startup-Atmosphäre, ein Regal voller Müsliriegel, Kaffeemaschine mit allen erdenklichen Kaffeesorten und einer Besprechungsecke mit leuchtend grünen Polsterwürfeln – er könnte er auch als Grafikdesigner arbeiten.

Doch ein genauer Blick auf die Müsliriegel zeigt, dass es sich um teure Produkte aus getrocknetem Rindfleisch handelt, die Zeitschrift auf Fischers Schreibtisch heißt nicht Design-Magazin sondern „Black Hat“, an der Wand hängen keine farbfrohen Drucke der neuesten Design-Awards sondern eine große Glocke, und an einer Tür, aus der geheimnisvolles blaues Licht dringt, steht „Finest Hacking“. Thomas Fischer ist Hacker, und gerade nähert er sich einem neuen Kunden. Aus der Ferne, versteht sich. Auf seinem Bildschirmen sind unzählige Fenster geöffnet, die meisten vollgeschrieben in sehr kleiner Schrift, manche schwarz auf weiß und andere weiß auf schwarz, gemeinsam haben sie vor allem eines: sie enthalten unzählige schier endlose Folgen aus Buchstaben, Zahlen, Sonderzeichen – ein Zeichensalat, mit dem Außenstehende rein gar nichts anfangen können.

Und trotzdem: Bei diesem fremden Blick auf den Bildschirm seines Mitarbeiters mitten im Herzen seines Unternehmens Code White steht Chef Andreas Melzner aufmerksam und ein wenig nervös daneben. Dieser Einblick war nur nach einer langen Kennenlernphase und unter strengen Auflagen möglich.

Die Sicherheits-"Forscher"

Melzner und seine rund 20 Mitarbeiter verfolgen eine neue Art der IT-Sicherheit: sie greifen Unternehmen an wie echte Hacker – in deren Auftrag. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind 2016 und 2017 knapp 70 Prozent der Unternehmen und Institutionen in Deutschland Opfer von Hacker-Angriffen geworden, jeder zweite erfolgreiche Angriff habe dabei zu Produktionsausfällen geführt. Langsam wächst in der Wirtschaft die Erkenntnis, dass klassische Sicherheitsmaßnahmen wohl nicht ausreichen.

Auch jenes große deutsche Unternehmen, dem sich Fischer gerade nähert, sorgt sich um seine IT-Sicherheit. Dazu gehört auch, dass sein Name ungenannt bleiben muss. „Das fordert Andere heraus“, sagt Andreas Melzner. Besser sei es, nicht damit zu prahlen, dass sich die namhaften Sicherheits-“Forscher“, wie sich Melzner und seine Kollegen nennen, dem Unternehmen angenommen haben.

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Eva Wolfangel

VR Reporterin Eva Wolfangel (www.ewo.name) ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin und berichtet hier regelmäßig aus virtuellen Welten und über aktuelle Entwicklungen im Digitalen, die unsere Zukunft prägen werden. Neben einigen kostenlosen Leseproben bietet sie auch bezahlpflichtige Inhalte an. Wer immer auf dem aktuellen Stand und als erster informiert sein will, dem legt sie ihr Abo ans Herz: für 2,99€/Monat sind alle Texte frei geschaltet und sofort zu lesen. Wer sich nur für manche Texte interessiert, kann sie auch einzeln kaufen - einfach mit einem Klick auf das entsprechende Kästchen. Beides ist eine großartige Unterstützung für Recherche, Faktenprüfung und die Schreibarbeit und sorgt für die Zukunftsfähigkeit von hochwertigem und seriösem Journalismus.

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