Beobachtungstipp: Uranus, der ferne Planet

Der Gasriese in Venusnähe

In diesen Tagen bietet sich die helle Venus als Aufsuchhilfe des fernen Uranus an: Am Abend des 28. März 2018 liegen nur 0,3° zwischen beiden Planeten.

Größenverhältnisse und Entfernungen selbst innerhalb unseres kosmischen Vorgartens sind nur schwer vorstellbar. Zwar ist Uranus, der siebte Planet des Sonnensystems, viermal so groß wie die Erde. Doch zieht er seine Bahn um die Sonne in so großer Distanz, dass wir ihn mit bloßem Auge nur schwer erkennen können. Um ihn zu sehen, ist ein Fernglas, oder besser noch, ein kleines Spektiv nötig – und man muss sehr genau wissen, wo er am Nachthimmel aufzufinden ist.

Die drei Planeten Uranus, Venus und Erde im Größenvergleich
Größenvergleich Uranus (aufgenommen beim Vorbeiflug der NASA-Raumsonde Voyager 2 am 24. Januar 1986), Venus (aufgenommen am 5. Februar 1974 mit der NASA-Raumsonde Mariner 10: Dies ist die erste Nahaufnahme unseres Nachbarplaneten) und Erde (aufgenommen am 7. Dezember 1972 von Apollo 17). Credit Uranus: NASA/JPL, Credit Venus: NASA , Credit Erde: NASA . Grafik: St. Oldenburg.

Nun bietet sich in diesen Tagen die helle Venus als Aufsuchhilfe ihres fernen Kollegen an: Beide Planeten tanzen derzeit dicht beieinander über den abendlichen Westhimmel. Am 28. März 2018 stehen sie so dicht zusammen, dass selbst ungeübte Beobachter den Gasplaneten Uranus leicht auffinden können. Nur 0,3° trennen die beiden an diesem Abend. Im Okular zeigt sich Uranus in einem blassen Grünblau und steht nördlich der wesentlich helleren Venus.

Der Blick zum Westhimmel lohnt, sobald die Sonne untergegangen ist. Beide Planeten stehen um diese Zeit herum etwa 9° über dem Horizont im Sternbild Fische. Der Helligkeitsunterschied zwischen ihnen ist beträchtlich: Derzeit ist die sonnennahe Venus mit -3,85 mag knapp 10.000 Mal heller als der Uranus mit 5,90 mag.

Zwischen den beiden Planeten, die wir in diesen Tagen so dicht nebeneinander am Firmament sehen, liegt eine große Distanz. Das von Uranus reflektierte Sonnenlicht benötigt zur Erde derzeit 2 h 53 min 26 s. Von der Venus ist das Licht derzeit 13 min 12 s zur Erde unterwegs.


Diese Sternenkarte zeigt den Anblick des Westhimmels am Abend des 28. März 2018. Der Durchmesser der roten Zielkreise beträgt 0,5°, 1° und 2°.

Die vier folgenden Detailkarten zeigen die Positionen beider Planeten Uranus und Venus zwischen dem 27. und dem 30. März 2018, jeweils gegen 20:30 Uhr und für Frankfurt/Main. Zur Einschätzung der Abstände der Planeten sind auch hier jeweils drei rote Zielkreise eingezeichnet. Ihr Durchmesser beträgt 0,5°, 1° und 2°. Zum Vergleich: Der Vollmond hat einen Durchmesser von 0,5°.

Detailkarte 1: Uranus und Venus am Abend des 27. März 2018 am Westhorizont gegen 20:30 Uhr MESZ, Abstand: 1,5°. Der Durchmesser der roten Zielkreise beträgt 0,5°, 1° und 2°.


Detailkarte 2: Uranus und Venus am Abend des 28. März 2018 am Westhorizont gegen 20:30 Uhr MESZ, Abstand: 0,3°. Der Durchmesser der roten Zielkreise beträgt 0,5°, 1° und 2°.
Detailkarte 3: Uranus und Venus am Abend des 29. März 2018 am Westhorizont gegen 20:30 Uhr MESZ, Abstand: 0,9°. Der Durchmesser der roten Zielkreise beträgt 0,5°, 1° und 2°.
Detailkarte 4: Uranus und Venus am Abend des 30. März 2018 am Westhorizont gegen 20:30 Uhr MESZ, Abstand: 2,1°. Der Durchmesser der roten Zielkreise beträgt 0,5°, 1° und 2°.
Uranus, aufgenommen beim Vorbeiflug der NASA-Raumsonde Voyager 2 am 24. Januar 1986. Voyager 2 war der bislang einzige irdische Besucher beim – nach Jupiter und Saturn – drittgrößten Gasplaneten des Sonnensystems. Die 1977 gestartete Raumsonde passierte den Planeten am 24. Januar 1986, als auch diese Aufnahme entstand. Sie nahm Kurs auf Neptun, an dem sie dreieinhalb Jahre später, im August 1989, vorbeiflog. Derzeit gibt es nur vage Planungen für eine NASA-Mission, die Uranus und seine Monde im Jahr 2033 erreichen würde.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist Teil des Startangebots von "Die Weltraumreporter – Ihre Korrespondenten aus dem All". Mit unseren Artikeln wollen wir Ihnen zeigen, was Sie journalistisch und thematisch erwartet, wenn bald unser Abonnement beginnt. Ab dann bekommen Sie alle Weltraumreporter-Artikel als monatliches Abo oder im Einzelkauf.