Die Gründer – Kurzbiografien und Interviews

Tanja Krämer und Christian Schwägerl sind die beiden Vorstände der RiffReporter-Genossenschaft

Jörg Müller

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Stand: November 2017

Christian Schwägerl, Jahrgang 1968 aus Weiden, ist freier Journalist für GEO, FAZ und andere Medien sowie Buchautor. Er war langjähriger Feuilleton- und Wissenschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Politikkorrespondent des SPIEGEL. Von 2012 bis 2015 gehörte er zu den Leitern des „Anthropozän-Projekts“ am Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Seit 2014 leitet er die Masterclass „Wissenschaftsjournalismus“ der Bosch- Stiftung und des Reporter-Forums e.V.. Im März 2015 hat er gemeinsam mit Tanja Krämer das Gründungsteam ins Leben gerufen, dem Maximilian Steinbeis, Sebastian Brink und Uwe H. Martin angehören.

Für seine Arbeit hat Schwägerl den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus und weitere Auszeichnungen erhalten.

Christian Schwägerl lebt mit seinen Kindern in Berlin. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, ist er mit seinem Fernglas in der Natur unterwegs und beobachtet Vögel, am liebsten in den Bergen.

Wichtige Stationen

  • 1988 bis 1990 Ausbildung zum Redakteur, Deutsche Journalistenschule München
  • 1991 bis 1996 Studium der Biologie an der FU Berlin und der University of Reading
  • 1989 bis 1997: Arbeit als freier Journalist u.a. für Süddeutsche Zeitung und GEO
  • 1997 bis 2001: Korrespondent im Bundesbüro der Berliner Zeitung in Bonn und Berlin
  • 2001 bis 2008: Korrespondent für Feuilleton, Politikressort und Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin
  • 2008 bis 2012: Korrespondent für Umwelt, Wissenschaft und Energie im Bundesbüro von DER SPIEGEL
  • 2012 bis heute: Selbständiger Autor und Journalist (GEO, FAZ, ZEIT Magazin Wissen, Yale E360)
  • 2015 bis heute: Mitgründer RiffReporter und Mitgründer der Koralle "Die Flugbegleiter"

Bücher

  • Menschenzeit – Zerstören oder Gestalten. Die entscheidende Epoche unseres Planeten, erschienen 2010 im Riemann-Verlag
  • 11 drohende Kriege – Künftige Konflikte um Technologien, Rohstoffe, Territorien und Nahrung, erschienen 2012 im Verlag C. Bertelsmann
  • Die analoge Revolution – Wenn Technik lebendig wird und die Natur mit dem Internet verschmilzt, erschienen 2014 im Riemann-Verlag
  • Mehr über Christian Schwägerl auf seiner Website. Twitter: @chrschwaegerl


Drei Fragen an Christian Schwägerl

Die RiffReporter beschreiben sich als „neues Ökosystem für freien Journalismus“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Wir wollten etwas Neues starten: Im Riff schließen sich professionelle freie JournalistInnen in sogenannten Korallen zusammen. Sie teilen sich eine multimediale Publikationsplattform, einen Qualitäts- und Ethikkodex, Erlösmodelle und Kooperationstools mit dem Ziel, kooperativ erfolgreicher zu sein als einzeln. Journalismus ist bisher hauptsächlich in Verlagen und Sendern mit Redaktionen und Hierarchie organisiert. Wir wollen durch unsere kooperative Organisationsform freien JournalistInnen einen neuen Freiraum eröffnen: RiffReporter soll den Aufwand, ein journalistisches Projekt zu gründen und zu betreiben, deutlich senken, die Aufmerksamkeit für die Projekte erhöhen, gemeinsam Leser gewinnen und es erleichtern, sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Wieso die Metapher Koralle?

Für uns ist Journalismus kreative Teamarbeit. Wir wollen auch Grafiker, Programmierer, Übersetzer und andere kreative Berufe zum Mitmachen gewinnen. Daher die Metapher vom Ökosystem Korallenriff: Wir stehen für Vielfalt, Tiefgang, Kooperation.

Jede Koralle ist journalistisch und ökonomisch eigenständig – RiffReporter ist eben kein Verlag, sondern als Genossenschaft organisiert, die dazu da ist, den Autorinnen und Autoren zu helfen, selbst eigenverantwortlich erfolgreich zu sein.

Stichwort Vielfalt – welche Themen liegen Euch besonders am Herzen?

Unser Themenspektrum umfasst Wissenschaft, Kultur, Umwelt, Technologie und Gesellschaft. Wir sehen an Themen wie beispielsweise Medizin, Mobilität oder Naturschutz ein großes Potential im Riff, denn das Interesse in der Bevölkerung ist groß, aber in Massenmedien werden diese Themen nur sehr unregelmäßig und oftmals oberflächlich behandelt. Ähnlich ist es bei Kultur und Technologie. Das Schöne am Riff ist, dass es für alle Formate offen ist: von regional bis global, von tagesaktuell bis langfristig, von Liebhaberthemen bis zu solchen für die breite Öffentlichkeit. Wenn professionelle Gründer eine zündende Idee haben, können sie bei uns direkt loslegen. 

Tanja Krämer, geboren 1978 in Prüm ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Technik, Neurowissenschaft, Bioethik und Gesellschaft. Krämer ist spezialisiert auf Wissenschaftsreportagen und Porträts und verknüpft die Faszination für wissenschaftliche Themen mit der kritischen Zurückhaltung eines philosophischen Blickes. Sie hat in zahlreichen namhaften Magazinen und Tageszeitungen veröffentlicht und war Textchefin bei der stiftungsgeförderten Plattform gehirn.info sowie Chefredakteurin des preisgekrönten Bremer Wohnungslosenmagazins Zeitschrift der Straße.

Aktuell ist sie Autorin bei Radio Bremen. Sie wurde u.a. mit dem PUNKT-Preis für Technikjournalismus und dem RWTH-Aachen-Preis für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet.

2015 gründete sie gemeinsam mit Christian Schwägerl die RiffReporter.

Tanja Krämer lebt mit ihrer Familie in Bremen. Sie reist gerne und verbringt gern Zeit in der Natur. Wenn sie den Kopf frei bekommen will, geht sie laufen.

Wichtige Stationen

  • 1997 bis 2005: Studium der Philosophie und Germanistik an den Universitäten Trier und Bremen
  • 2008 bis 2009: 4. Lehrgang der Reportageschule Günter Dahl
  • 2007 bis 2011: Freiberufliche Arbeit für diverse Magazine und Tageszeitungen
  • 2011 bis 2012: Chefin vom Dienst bei dasGehirn.info
  • 2012 bis 2014: Redakteurin bei National Geographic Deutschland
  • 2014 bis 2016: Chefredakteurin der Bremer Zeitschrift
  • 2015 bis heute: Mitgründerin von RiffReporter
  • 2016 bis heute: Autorin bei Radio Bremen Online

Mehr über Tanja Krämer auf ihrer Website


Vier Fragen an Tanja Krämer


Was ist das Neue an RiffReporter? Welche Mehrwerte bietet Ihr Lesern?

Das Besondere ist, dass jeder Journalist selbst verantwortlich für seine Inhalte ist. Auch die Einnahmen landen größtenteils direkt bei den Journalisten. Leser zahlen nur für Themen, die sie besonders interessieren. Dabei bieten wir ihnen Tiefgang und nachhaltige Berichterstattung zu spannenden und wichtigen Themen auch jenseits des Mainstreams. Zudem kann jeder, der das Projekt fördern möchte, bei uns investierendes Mitglied werden und so den Aufbau unseres “medialen Korallenriffs” unterstützen.

Wer sind die RiffReporter? Und welche Zukunftsperspektiven bietet Ihr freien JournalistInnen?

Die RiffReporter sind gut ausgebildete freie Journalisten, die gemeinsam etwas Neues schaffen wollen: eine Genossenschaft für freien Journalismus, die Autoren dabei unterstützt, direkt für die Leser zu schreiben und Unterstützer-Communities zu wichtigen Themen und Projekten aufzubauen. Die heftigen politischen Umbrüche der letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig fundierter, unabhängiger Journalismus ist. Gleichzeitig aber sind die Geschäftsmodelle der Verlage ins Wanken geraten. Das geht auch zu Lasten der Qualität. Mit RiffReporter erproben wir eine neue Methode, um Leser zu erreichen – und bieten gleichzeitig professionellen Journalistinnen und Journalisten eine Plattform, ihre Themen zu vertiefen, selbständig zu Publizieren und sich ihre eigene Community aufzubauen. Das Engagement zahlt sich aus: die Einnahmen gehen direkt an die Autoren und eben nicht an einen Verlag.

Versteht sich RiffReporter als Konkurrenz zu Verlagen und Medienhäusern?

Die großen Verlage, für die unsere Mitglieder als freie Journalisten arbeiten, sind ökonomisch massiv unter Druck. Viele Menschen wollen sich nicht mehr für größere Beträge an eine Medienmarke binden, wenn sie im Internet Zugang zu sehr vielen Quellen haben. Das führt allerdings aber auch dazu, dass Honorare und Recherchemöglichkeiten gerade für die freien Journalisten schrumpfen, die für Substanz und Sachwissen stehen. Als Konsequenz werden viele Angebote schmaler und flacher. Hier setzen wir an: Bei uns bauen die freien Journalistinnen und Journalisten über die Korallen- Struktur vertiefende Angebote mit eigenen Leser-Communities. So können sie an wichtigen Themen dranbleiben und haben die Chance, eine zusätzliche Einkommensquelle aufzubauen. Das kann wiederum auch den Verlagen nutzen, die zunehmend auf Freie angewiesen sind. Zudem können Verlage auch Nutzungsrechte an Artikeln von RiffReportern erwerben. 

Ihr sucht aktiv RiffSupporter – warum sollte man unterstüzendes Mitglied der Genossenschaft werden?

Wer unabhääigen und sachkundigen Journalismus stark machen will, kann auch als Nicht-Journalist unserer Genossenschaft beitreten. Privatpersonen und Institutionen könönvestierende Mitglieder ohne Stimmrecht werden. Das Geld fließt ausschließlich in das Projekt und unterstützt den Aufbau unseres journalistischen Riffs. Man kann schon mit einem Genossenschaftsanteil im Wert von 50 Euro investierendes Mitglied werden. Natürlich freuen wir uns auch über deutich höhere Beträge.

Über RiffReporter

RiffReporter ist die Genossenschaft für freien Journalismus. Ziel ist, ein Ökosystem für Wissenschaft, Gesellschaft, Umwelt und Technologie zu schaffen. RiffReporter bietet professionellen freien Autoren eine dynamische Plattform, die es ihnen ermöglicht, eigenständig zu gründen, zu publizieren und ihre Leserschaft auszubauen – sowie eine Gemeinschaft von Kollegen, die gemeinsam lernt und wächst. Leser finden bei RiffReporter fundierte Beiträge in großer Vielfalt und thematischer Tiefe und können gleichzeitig einen Beitrag leisten, freien Qualitätsjournalismus zu stärken. RiffReporter finanziert sich über Leser, die nach Interessen flexibel bezahlen und über Förderer (RiffSupporter), die in die Genossenschaft investieren. Die im Jahr 2015 von Christian Schwägerl, Tanja Krämer, Maximilian Steinbeis, Sebastian Brink und Uwe H. Martin gegründete RiffReporter-Initiative wurde am 20. Oktober 2017 als "RiffReporter – die Genossenschaft für freien Journalismus eG" beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen. VOCER, ZEIT-, Augstein- und Schwingenstein-Stiftung haben RiffReporter im November 2017 mit dem Netzwende-Award für nachhaltige Innovation im Journalismus ausgezeichnet.