Reise nach Midway

Chris Jordan findet in seinem Film "Albatross" einen emotionalen Zugang zum Plastikproblem

(c) Jim Hurst/Midway Project Chris Jordan und ein Albatross-Küken auf dem Midway-Atoll

Kleine Küken auf einer einsamen Insel, mit Mägen voller Flaschendeckel, Feuerzeuge und anderer Gegenstände: Chris Jordans berühmte Fotos haben unsere Vorstellung der Gefahren von Plastikmüll geprägt. Nun berichtet der Fotograf in seinem ersten Film "Albatross" von dem, was nach den verstörenden Bildern kam, wie die Erfahrung ihn veränderte und was ihm wieder Hoffnung gab.

Vor kurzem wurde vermeldet, dass eine Albatross-Dame mit Namen "Wisdom" ein Ei gelegt hat. Das ist so berichtenswert, weil Wisdom der älteste beringte Vogel der Welt ist: Mit geschätzten 68 Jahren zieht sie nun ihr 36. Küken groß.

Wisdom ist ein Laysan-Albatross. Große Teile des Jahres ist sie auf dem Meer unterwegs. Laysan-Albatrosse können tausende Kilometer am Stück zurücklegen. Regelmäßig zur Brutzeit versammeln sich die Albatrosse auf einer Insel mitten im Pazifik, dem Midway-Atoll. Auf halber Strecke zwischen den USA und Japan, inmitten von Ruinen alter Militäranlagen, treffen sie sich zu Hunderttausenden, um gemeinsam ihre Küken aufzuziehen.

Nicht alle Küken schaffen es wie Wisdom, auch aufs Meer hinaus zu fliegen. Zu ihren natürlichen Herausforderungen kommt ein weiteres, menschengemachtes Problem: Der viele Plastikmüll, den die Tiere aus dem Pazifik fischen, weil sie ihn nicht von ihrer Nahrung unterscheiden können.

Chris Jordans Fotos von toten Albatross-Küken mit Plastik im Bauch gingen im die Welt
Chris Jordans Fotos von toten Albatross-Küken mit Plastik im Bauch gingen im die Welt
Fotoserie eines Albatrosses und seines Kükens von Chris Jordan
Fotoserie eines Albatrosses und seines Kükens von Chris Jordan

Als Fotograf Chris Jordan davon hörte, machte er sich auf, die Folgen der menschlichen Wegwerfgesellschaft festzuhalten. Die Fotos der toten Albatross-Küken, die er mitbrachte, verbreiteten sich viral im Internet und lösten Bestürzung aus. Auch er selbst fühlte sich deprimiert und hoffnungslos, als er zurückkam, erzählt er im Plastisphere-Podcast.

"Du hast nur einen kleinen Teil der Geschichte gesehen," sagten ihm seine Freunde. Und so machte sich Jordan ein zweites, drittes, viertes Mal zu der abgelegenen Insel auf, um den Rest der Geschichte zu verstehen. Was er erlebte, war eine zutiefst beeindruckende Begegnung zwischen Mensch und Tier.

Seine emotionale Reise hat ihn überzeugt, dass Trauer und Liebe Schlüsselgefühle sind, um unsere Beziehung zur Natur zu reparieren und so auch Probleme wie den Plastikmüll anzugehen.

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