Zuzahlungen im Überblick

Wenn die Kasse zahlt, du dich aber beteiligen musst

iStock.com/geengraphy Bild von Schilfpflanzen

Wenn du gesetzlich versichert bist, bekommst du in der Regel nur wenig davon mit, was Medikamente und andere Behandlungen kosten [1]. Denn das allermeiste davon bezahlt deine Krankenkasse, finanziert aus den Krankenkassenbeiträgen. Oft musst du für Behandlungen, Medikamente oder Hilfsmittel etwas dazu bezahlen – aber nicht immer. 

Klingt undurchsichtig? Die Details sind teilweise komplex, aber die grundlegenden Prinzipien lassen sich leicht durchschauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zuzahlungen fallen für viele Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen an, zum Beispiel Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel.
  • Für deine Zuzahlungen ist eine individuelle Belastungsgrenze vorgesehen. Wenn du die überschreitest, erhältst du für den Rest des Jahres eine Befreiung.
  • Quittungen sammeln lohnt sich oft – nicht nur für eine mögliche Befreiung von der Zuzahlung, sondern auch für die Steuer.

Deshalb sind die Leistungen, die die Krankenkassen bezahlen, auch begrenzt [2]. Bei Erwachsenen werden viele Arzneimittel, die du ohne Rezept kaufen kannst, nicht bezahlt, gleiches gilt auch in vielen Fällen für Brillen. Andere ärztliche Untersuchungen oder Behandlungen musst du komplett selbst zahlen, wenn du sie in Anspruch nehmen willst. IGeL, also individuelle Gesundheitsleistungen sind dafür ein Beispiel.

Gesetzlich Versicherte sollen dazu angehalten werden, die Leistungen der Krankenkassen nicht mehr als nötig in Anspruch zu nehmen [3]. Deshalb ist es beispielsweise vorgesehen, dass du dich an den Kosten für bestimmte Leistungen finanziell beteiligst – selbst dann, wenn die Kasse die Leistung grundsätzlich übernimmt. Bei Zahnersatz etwa musst du meist tief in die Tasche greifen und einen erheblichen Eigenanteil leisten. In anderen Bereichen dagegen fällt dein Anteil in der Regel deutlich niedriger aus. Um diese Zuzahlungen im engeren Sinn soll es in diesem Artikel gehen. 

Für was Zuzahlungen fällig werden

Am häufigsten begegnen dir die Zuzahlungen vermutlich in der Apotheke, wenn du ein Rezept über Arzneimittel einlöst. Dabei gilt die Grundregel: Pro Medikament zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf Euro, maximal aber zehn Euro. Die Zuzahlung darf dabei nicht höher liegen als die tatsächlichen Kosten des Mittels. Diese Grundregel gilt grob übrigens auch für Hilfsmittel, wie beispielsweise Hörgeräte, Kompressionsstrümpfe oder Rollstühle. 

Aber natürlich gibt es auch hier wieder Besonderheiten:

  • In manchen Fällen kann die Zuzahlung für Arzneimittel reduziert sein oder sogar ganz entfallen. Etwa dann, wenn das Arzneimittel für die Krankenkasse besonders günstig ist [4].
  • Für viele Arzneimittelgruppen gibt es die sogenannten Festbeträge: Das ist der Preis, den die Krankenkassen für ein bestimmtes Arzneimittel maximal bezahlen. Legt der Hersteller einen höheren Preis fest, musst du diese Mehrkosten selbst tragen. Darüber müssen die Verschreibenden dich aufklären und dich auch beraten, ob es Alternativen ohne Mehrkosten gibt.
  • Für Hilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, also etwa Insulinspritzen oder Blutteststreifen, ist die Zuzahlung für den Monatsbedarf auf zehn Euro begrenzt.

Wenn du Heilmittel wie Physiotherapie oder Logopädie verordnet bekommst, zahlst du ebenfalls zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro pro Verordnung. Wird ein Krankenhausaufenthalt nötig, zahlst du pro Tag zehn Euro dazu – allerdings nur bis zu 28 Tage pro Jahr. Wenn eine stationäre Reha nach dem Krankenhaus notwendig ist, wird das mit in die 28-Tage-Grenze eingerechnet.

Daneben gibt es viele weitere Detail-Regelungen für Fahrtkosten, häusliche Krankenpflege und mehr [2].

Quittungen sammeln lohnt sich

Für viele Menschen lohnt es sich, die Quittungen sorgfältig aufzuheben. Wenn du bereits viele Zuzahlungen hattest, kannst du möglicherweise von weiteren befreit werden (siehe unten). Es lohnt sich auch zu prüfen, ob du die Kosten als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuer absetzen kannst [5]. Die Leistungserbringer, also zum Beispiel die Apotheke, die Physiotherapie-Praxis oder das Krankenhaus, sind übrigens verpflichtet, dir eine solche Bescheinigung kostenlos auszustellen.

Wann du nichts zuzahlen musst

Grundsätzlich keine Zuzahlung zu verordneten Arzneimitteln, Heil- oder Hilfsmitteln müssen Kinder und Jugendliche leisten – es sei denn, es handelt sich um Fahrtkosten. Auch Mehrkosten (also wenn Arzneimittel mit Preisen oberhalb des Festbetrags verordnet werden) können anfallen.

Ebenfalls keine Zuzahlungen sind für Schwangere fällig, wenn der Grund für die Verordnung in schwangerschaftsbedingten Beschwerden liegt. Und auch nicht für den Krankenhausaufenthalt zur Geburt. Das heißt jedoch nicht, dass Schwangere nie Zuzahlungen leisten müssen – denn beispielsweise zur Behandlung von vorbestehenden Erkrankungen oder nicht-schwangerschaftsbedingten Beschwerden können durchaus Zuzahlungen anfallen. 

Beispiel: Zuzahlen muss eine schwangere Frau mit vorbestehendem Asthma für ein Rezept für ein Asthmaspray oder für ein Antibiotikum, wenn sie sich eine schwere Bronchitis eingefangen hat. Wenn die Gynäkologin aber ein Rezept für Eisentabletten gegen einen schwangerschaftsbedingten Eisenmangel ausstellt, ist dafür keine Zuzahlung fällig. Auch für Krankenhausbehandlungen, die nicht im Zusammenhang mit der Entbindung stehen, ist eine Zuzahlung nötig.

Wenn du genug zugezahlt hast

Hast du im laufenden Jahr bereits viele Zuzahlungen geleistet und ist eine zumutbare Grenze („Belastungsgrenze“) überschritten, musst du zumindest für den Rest des Jahres nichts mehr zuzahlen. Eventuell zu viel bezahlte Zuzahlungen erstattet dir deine Krankenkasse.

Als zumutbar gilt in der Regel zwei Prozent der jährlichen anrechenbaren Haushalts-Bruttoeinnahmen. Wenn du oder eine andere Person in deinem Haushalt als chronisch krank eingestuft ist, liegt die Obergrenze bei einem Prozent. Dabei werden aber immer nur die „echten“ Zuzahlungen gezählt, nicht beispielsweise Mehrkosten für Arzneimittel, die gesetzlich festgelegten Eigenanteile beim Zahnersatz oder die Kosten für IGeL. Besondere Grenzen gelten, wenn du Hilfen zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung bekommst [6].

Wenn du diese Grenze erreicht hast, stellst du bei deiner Krankenkasse einen entsprechenden Antrag, legst die Quittungen für die bisherigen Zuzahlungen vor und bekommst dann eine Bescheinigung, die du bei Verordnungen vorlegen kannst. Wenn du schon am Jahresanfang abschätzen kannst, dass du über die Belastungsgrenze kommen wirst, bieten manche Krankenkassen auch an, dass du die Zuzahlungen vorab bezahlst und dafür dann die Befreiungsbescheinigung bekommst. Das erspart dir, die vielen Quittungen aufheben und abrechnen zu müssen.

Wo du mehr Infos bekommst

Wenn du Fragen rund um die Zuzahlung hast, ist erst einmal deine Krankenkasse die richtige Ansprechpartnerin für dich. Alternativ können dir auch die Verbraucherzentralen oder die Unabhängige Patientenberatung weiterhelfen.

Zum Weiterlesen

Alle Websites wurden, wenn nicht anders angegeben, zuletzt am 21.09.2020 aufgerufen.

[1] Wenn dich das genauer interessiert: Du hast ein Recht auf eine Patientenquittung, auf der die Kosten detailliert aufgeschlüsselt sind. Mehr Informationen zur Patientenquittung findest du auf einer Seite der Stiftung Gesundheitswissen.

[2] Außer den gesetzlich einheitlichen Leistungen, die die Krankenkassen bezahlen müssen, können sie auch noch die sogenannten Satzungsleistungen definieren. Die können bei den verschiedenen Krankenkassen sehr unterschiedlich sein und umfassen teilweise auch Leistungen, deren Nutzen im Sinne der evidenzbasierten Medizin nicht belegt ist, wie etwa für Homöopathie. Natürlich könnte man trefflich darüber streiten, ob die gesetzlichen Krankenkassen diese Gelder nicht besser für eine Entlastung von Versicherten bei Leistungen mit nachgewiesenem Nutzen einsetzen sollten. Aber das wäre ein Thema für einen eigenen Artikel.

[3] Sehr detailliert informiert eine Seite des Bundesministeriums für Gesundheit über die Hintergründe und Details zu Zuzahlungen. Weitere Informationen zu den einzelnen Regelungen rund um die Zuzahlung findest du auch bei der Verbraucherzentrale.

[4] Für welche Arzneimittel keine Zuzahlung fällig ist, kannst du in einer Liste beim GKV-Spitzenverband nachschlagen. Achtung: Die Liste wird alle zwei Wochen aktualisiert. Wenn sich Preise oder Festbeträge ändern, können zuvor freie Arzneimittel zuzahlungspflichtig werden oder umgekehrt.

[5] Welche Krankheitskosten du bei der Steuer als „außergewöhnliche Belastung“ anrechnen kannst, erklärt die Stiftung Warentest.

[6] Mehr Informationen zur Befreiung von der Zuzahlung, zur Einstufung als chronisch krank und konkrete Rechenbeispiele findest du auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Grüne Kachel mit der Beschriftung "Leichter orientieren" als Farbcodierung für die gleichnamige Rubrik bei Plan G.
Für die leichtere Orientierung haben wir die Bereiche von Plan G farbcodiert. Beiträge aus "Leichter orientieren" werden mit dieser grünen Kachel markiert.
privat
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Plan G: Gesundheit verstehen