Warum es so schwer ist, nach guten Gesundheitsinformationen zu googeln

Die Fallstricke der Recherche im Internet

Gesundheitsinformationen sind heute nur noch einen Klick entfernt. Was die Suchmaschine dir anzeigt, ist schon vorgefiltert – aber nicht unbedingt nach den Kriterien, die dir wichtig sind -- Kostenlose Leseprobe --

kallejipp / photocase.de Straßenpfeil mit rotem Faden

Warum gehst du ins Netz, um eine Antwort auf deine Gesundheitsfrage zu finden? Du könntest ja auch deine Ärztin oder deinen Arzt fragen, deine Oma oder den Nachbarn. Das soll nicht vorwurfsvoll klingen. Ich bin wirklich neugierig auf deine Antwort. Aber ich habe auch eine Vermutung: Du suchst im Netz nach Rat, weil du dein Informationsbedürfnis unkompliziert, diskret und schnell stillen willst. Dr. Google hat sofort Zeit für dich, zieht keine Augenbrauen hoch und lästert nicht über deine Fragen. Was du vielleicht aber nicht weißt: Die Suchmaschine deiner Wahl verrät dir meist nicht die ganze Wahrheit. 

Die vermeintlichen Vorteile der Suchmaschine

Das merken wir aber meistens nicht, weil wir oft schon ein bisschen was über ein bestimmtes Thema wissen und uns unsere eigenen Wissenslücken weder vor noch nach dem Googeln auffallen. Nehmen wir das Beispiel Impfen. Wir wissen, dass Impfen vor bestimmten Infektionskrankheiten schützt, die uns gefährlich werden können. Und auch andere Menschen gleich mit, die sich nicht impfen lassen können – zum Beispiel, weil sie an Krebs erkrankt sind oder weil sie zu jung sind. Aber wir haben dennoch den Eindruck, noch nicht genug zu wissen, um eine gute, informierte Entscheidung zu treffen, mit der wir dann auch zufrieden sind.  Die Diskussionen in der Krabbelgruppe neulich haben dich vielleicht zusätzlich verunsichert, weil jemand von einem vermeintlichen Impfschaden erzählt hat. 

Kein Wunder, wenn du nach solchen Gesprächen ins Internet gehst. Es ist unkompliziert – du musst nicht extra einen Termin mit deiner Ärztin machen. Es ist diskret – niemand bekommt mit, dass du Fragen zum Impfen hast (und kann dich deshalb als Impfskeptiker, -kritiker oder gar -gegner abstempeln). Es geht schnell – die Suchmaschine spuckt in Nullkommanix unendlich viele Treffer aus – quasi das Weltwissen unserer Zeit. 

Deine Frage bestimmt, welche Antwort du bekommst

Doch was nützt dir unser gesammeltes Weltwissen, wenn du nicht findest, wonach du eigentlich suchst? Bleiben wir beim Impfen. Angenommen, du fragst dich, ob dir oder deinem Kind eine Impfung schaden kann. Mit welchen Suchworten fütterst du dann am ehesten die Suchmaschine? Vermutlich sowas wie „Impfschaden“ oder „Sind Impfungen schädlich?“ oder „Gefahren Impfung“. Ich habe das mal für dich gemacht und „Impfschaden“ in die Suchmaschine eingegeben.

Hier ein paar Screenshots der Suchergebnisse (klicke auf die kleinen Punkte unter dem Bild, um zu blättern). Im ersten Bild der Galerie siehst du links die Ergebnisliste der Suche mit Startpage, einer Suchmaschine, die nach eigenen Aussagen keine Daten über dich sammelt – allerdings auf dem Suchalgorithmus von Google beruht. Rechts sind die Ergebnisse der Google-Suche. Auf dem zweiten Bild der Galerie siehst du die Ergebnisse der Suche mit der in Deutschland entwickelten Metasuchmaschine MetaGer. Diese Suchmaschine zieht von vielen verschiedenen Suchmaschinen die Treffer zusammen. Von welcher der jeweilige Eintrag stammt, siehst du in der zweiten Zeile des Eintrags. Außerdem kannst du durch Auswahl verschiedener Reiter die Suchergebnisse unterschiedlich filtern, zum Beispiel nach wissenschaftlichen Beiträgen. Aber das hilft auch nur bedingt weiter, denn nicht alles, was dort gelistet wird, hält wissenschaftlichen Standards stand (dazu mehr in einem späteren Beitrag.)

Screenshot der Suchergebnisse zum Suchbegriff "Impfschaden". Vergleich der Ergebnisse bei Startpage und Google.
Der Screenshot zeigt die Suchergebnisse Suchmaschinen "Startpage" und "Google" zum Suchbegriff "Impfschaden".
Screenshot der Suchergebnisse für den Begriff "Impfschaden" bei der Meta-Suchmaschine MetaGer
Screenshot der Suchergebnisse für den Begriff "Impfschaden" bei der Meta-Suchmaschine MetaGer

Was fällt dir auf?

Die Ergebnisse im ersten Bild sind ziemlich identisch, nur die Reihenfolge der Listung variiert leicht. Den ersten Platz belegt jeweils Wikipedia mit einem sachlichen, aber recht kurzen Text. In den Startpage-Ergebnissen verweisen die ersten beiden Einträge auf diesen Artikel, der Link im Kasten führt zu Wikipedia. Aber schon direkt danach kommen die impfkritischen Seiten. Insgesamt vier der ersten sechs Einträge verweisen auf solche Seiten, hier mit einem roten Pfeil markiert. 

In den Treffern von MetaGer (im zweiten Bild) sind fünf der ersten sechs Einträge mit einem roten Pfeil markiert, nur der zweite Eintrag der Liste hat keinen bekommen. Das ist der Wikipedia-Eintrag.

Einfluss des Suchmaschinenalgorithmus auf die Ergebnisliste

Der rote Pfeil steht symbolisch für den Zweifel. Denn du solltest dich bei den so markierten Einträgen fragen: Werde ich hier verlässliche Informationen finden? Die Antwort: Meistens nicht. All diese Seiten bieten keine neutrale, vollständige Information an. Die Autoren stehen dem Impfen grundsätzlich überwiegend kritisch gegenüber. Sie betonen deshalb mögliche Nebenwirkungen stärker als den nachgewiesenen Nutzen – und manchmal passiert das ganz subtil, zwischen den Zeilen, sodass es nicht sofort auffällt.

Das Problem bei solchen Seiten ist, dass die Behauptungen oft nicht belegt werden, dass die Autoren Belege in einen falschen Zusammenhang stellen, dass Belege einseitig sind oder solche Belege herangezogen werden, die die Aussage gar nicht beweisen. Meist suchen die Autoren gezielt Belege heraus, die zur kritischen Meinung übers Impfen passen. Heraus kommt keine gute Information, sondern eine meinungsgetriebene. Solche Seiten entsprechen also nicht den wissenschaftsbasierten Kriterien für gute Gesundheitsinformationen, die wir dir bereits vorgestellt haben. Aber sie bekommen von den Suchmaschinen prominente Plätze in den Trefferlisten.


Die Annahme, dass der beste Treffer immer ganz oben steht, ist also leider ein Trugschluss. Erstens wissen die Suchmaschinen gar nicht, was gute Gesundheitsinformationen sind und zweitens können die Anbieter von seriösen Infos nicht immer genau so viel Geld in die Suchmaschinenoptimierung stecken wie diejenigen von unseriösen Infos. Das bedeutet, wenn du es weiterdenkst, dass sich Suchmaschinen mit Geld beeinflussen lassen. Deshalb solltest du ihnen nicht blind vertrauen. Und wenn du dir die Ergebnisliste noch einmal anschaust, welchen Eindruck hast du dann? Vielleicht, dass Impfen gar nicht so sicher ist, wie du bisher gedacht hast?

Einfluss der Suchbegriffe auf die Ergebnisliste

Das ist der Effekt, der leicht entstehen kann, wenn du aus Versehen problematische Suchbegriffe wählst. Das siehst du sehr anschaulich, wenn du eine andere Begriffskombination verwendest. Nehmen wir mal „Impfen wie sicher“. Ich zeige der Einfachheit halber nur die Suchergebnisse bei Startpage.

Screenshot der Suchergebnisse zur Wortkombi "Impfen wie sicher" bei der Suchmaschine Startpage
Screenshot der Suchergebnisse zur Wortkombi "Impfen wie sicher" bei der Suchmaschine Startpage

Hier sehen wir, dass sich die Trefferliste ändert. Wikipedia taucht gar nicht auf, dafür steht an erster Stelle das Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.impfen-info.de. Dann folgt das Robert-Koch-Institut, das in Deutschland u. a. für den Infektionsschutz der Bevölkerung zuständig ist. 

Auf dem dritten Platz landet eine Website eines Impfstoffherstellers. An der URL der Website lässt sich das auf den ersten Blick nicht erkennen. Obwohl in den Quellenangaben steht, dass sich der Websitebetreiber ausschließlich auf Informationen von öffentlichen Institutionen wie dem Robert-Koch-Institut, dem Paul-Ehrlich-Institut und der Weltgesundheitsorganisation bezieht, habe ich den Treffer markiert. Der Grund: Es ist der Website erst bei einem Blick ins Impressum anzusehen, dass es sich um die Informationen eines Impfstoffherstellers handelt, also ein Interessenskonflikt besteht. Leser*innen der Seite werden über diesen Konflikt nicht sofort informiert, sondern bekommen das unter Umständen gar nicht mit. Hier bleibt die Frage: Sind die Informationen vollständig und werden sie in den richtigen Zusammenhang gestellt? Oder ist die Information zugunsten der Herstellerpräparate unauffällig verzerrt? Um das herauszufinden, müsste man die Zitate mit den Originalinformationen vergleichen – aber dann brauchst du die Herstellerseite nicht. 

Der vierte Treffer ist ein Artikel in der Ärztezeitung, in der über eine Studie zur Sicherheit von Impfstoffen berichtet wird. Um zu beurteilen, wie zuverlässig diese Informationen sind, müsste man sich die Studie genauer ansehen. Zu diesem Problem erklären wir Details in einem späteren Artikel im Bereich „Gesichertes Wissen“.

Der fünfte Treffer verweist auf eine Website des Paul-Ehrlich-Instituts – dem Institut, das in Deutschland Impfreaktionen und -schäden sammelt und auswertet. Und schließlich finden wir an sechster Stelle noch eine impfkritische Seite.

Was lernen wir aus diesem Beispiel?

Die Trefferliste wird von dem bestimmt, was du in das Suchfeld eingibst und was der Algorithmus der Suchmaschine für dich auswählt. Auf den ersten Blick ist das banal. Aber die Auswirkungen sind uns oft nicht bewusst. Denn wenn du dir einmal vergegenwärtigst, wie du im Netz suchst, findest du dich vielleicht bei einigen Punkten dieser Liste wieder.

  1. Viele Menschen suchen mal eben schnell, das heißt, sie machen sich vor der Suche wenig Gedanken, was sie eigentlich ganz genau herausfinden möchten. 
  2. Viele Menschen suchen eigentlich nicht nach Informationen, die ihnen fehlen, um eine Gesundheitsentscheidung treffen zu können, sondern nach Bestätigung dessen, was sie bereits wissen.
  3. Viele Menschen suchen nur einmal und vergleichen nicht die Ergebnisse, die sie aus unterschiedlichen Suchbegriffen bekommen.
  4. Viele Menschen klicken nur auf den ersten Treffer, weil sie denken, dass dies der beste ist.
  5. Viele Menschen lesen nur die Ergebnisliste auf der ersten Seite, also höchstens 10 Einträge.
  6. Viele Menschen lesen bei den gefundenen Seiten nur die, auf der sie gelandet sind. Klicken also nicht ins Impressum oder schauen sich den Rest des Informationsangebotes an.
  7. Viele Menschen klicken sich dann von dieser ersten Seite, die sie angeklickt haben, weiter durchs Netz. Das heißt, sie folgen den Verlinkungen, die die Autoren dieses Info-Angebots gemacht haben.
  8. Viele Menschen nutzen immer die gleiche Suchmaschine und leeren den Zwischenspeicher (Cache) nicht regelmäßig. Die Suchmaschine greift dann auf die Suchhistorie zurück und bietet dir unter Umständen veraltete Seiten an, die inzwischen jedoch aktualisiert worden sind. Besonders dann, wenn du öfter auf einer bestimmten Website unterwegs bist, solltest du daran denken, wenn sie dir in der Ergebnisliste angezeigt wird, dass der Inhalt inzwischen aktualisiert worden sein könnte.

Alle diese Punkte tragen dazu bei, dass die Ergebnisliste beeinflusst wird. Zusammen mit dem Algorithmus, den die Crawler der Suchmaschine einsetzen. 

Fazit

Unterm Strich solltest du dir bewusst machen, dass die Qualität der Suchergebnisse stark davon abhängt, welche Suchbegriffe du verwendest. Denn der Algorithmus kann nur mit dem arbeiten, was du eingibst. Die Suchbegriffe kannst du zwar variieren, aber das macht Arbeit. Und den Algorithmus kannst du gar nicht beeinflussen. Deshalb halten wir von Plan G – Gesundheit verstehen mehr davon, bei Quellen anzufangen, die sich Qualitätskriterien für gute Gesundheitsinfos verschrieben haben. Diese Quellen stellen wir in den nächsten Beiträgen in diesem Bereich vor. Und wenn du damit mal nicht weiterkommst, kannst du immer noch deine Lieblingssuchmaschine fragen. Wie du deine Suche dort effektiver gestalten kannst, wird Thema in einem späteren Beitrag hier sein.

Rote Kachel für den Bereich "Gesundheitsinfos finden" im Online-Magazin "Plan G – Gesundheit verstehen"
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Iris HInneburg
Plan G