Bessere Gespräche mit Arzt oder Ärztin – Teil 1

Gut vorbereitet

Gespräche mit dem Arzt oder der Ärztin verlaufen oft anders, als Patient*innen das erwarten. Wie gute Vorbereitung dazu beiträgt, dass sich mehr Zufriedenheit einstellt.

Lumamarin / photocase.de Orange-Rote Seile, die miteinander verknüpft sind

Wenn du mit einem gesundheitlichen Anliegen zu deinem Arzt oder deiner Ärztin gehst, hast du vielleicht eine Idealvorstellung im Kopf, wie das Gespräch laufen könnte: Vertrauensvoll und geprägt von gegenseitigem Verständnis und Wertschätzung, du kannst alle Fragen klären und bist am Ende gewiss, dass du mit deiner gesundheitlichen Situation zurechtkommst und bei deinem Arzt oder deiner Ärztin gut aufgehoben bist.  

Doch allzu oft läuft es nicht rund: Es ist meist wenig Zeit, du findest es vielleicht schwierig, den kurzen Erklärungen deiner Ärztin mit den vielen Fremdwörtern zu folgen und nach dem Gespräch stellst du fest, dass du gar nicht genau weißt, was jetzt zu tun ist. 

Warum sind die Gespräche eigentlich oft so schwierig? Und was kannst du selbst dazu beitragen, dass es besser läuft?

Dazu gibt es eine Menge zu bedenken. Deshalb widmen wir uns dem Thema in zwei Teilen, Teil 2 findest du hier. Heute geht es darum, wie du dich gut auf das Gespräch vorbereiten kannst und warum Fragen hilfreich sind.

Willst du mehr darüber lesen, wie du Gespräche mit deinem Arzt oder deiner Ärztin durch gute Vorbereitung mitgestalten kannst? Du kannst diesen Artikel kostenlos lesen, weil uns gute Gesundheitsentscheidungen am Herzen liegen. Wir freuen wir uns aber, wenn du unsere Arbeit einmalig oder regelmäßig unterstützt. Als freie Journalistinnen finanzieren wir so unsere Recherchen und bleiben unabhängig. Vielen Dank! Weitere Informationen über das Projekt „Plan G – Gesundheit verstehen“ bekommst du hier.

Was ist ein gutes Gespräch?

Die Bewertung, wie gut ein Gespräch läuft, ist individuell sehr unterschiedlich. Was der eine schätzt, missfällt der nächsten. Für deine Ärztin und deinen Arzt ist es deshalb gar nicht so leicht, Gespräche so zu gestalten, dass du zufrieden bist. Sie oder er ist auch darauf angewiesen, dass du sie oder ihn dabei unterstützt. Du solltest dir also am besten ein paar Gedanken machen, was du prinzipiell von einem Arztbesuch erwartest und auf was du eher verzichten kannst. 

Auch deine eigene Haltung zu Arzt oder Ärztin wird das Gespräch vermutlich beeinflussen. Also wenn du vielleicht schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hast oder unzufrieden warst. Oder wenn du dich Ärzt*innen gegenüber immer ein bisschen unterlegen fühlst, weil sie sich in medizinischen Fragen auskennen und du nicht. 

Wenn du dir das bewusst machst, verändert sich möglicherweise deine Haltung und du kannst entspannter in das anstehende Gespräch gehen.

Eine entspannte Grundhaltung ist auch deshalb hilfreich, weil der Anlass für einen Arztbesuch in der Regel recht aufregend ist. Du machst dir vielleicht Sorgen über die Zukunft oder wirst durch die Symptome in deinem Alltag stark beeinträchtigt.  In dieser Situation vergisst man schneller, was man sagen wollte  – und auch, was tatsächlich gesagt wurde. Auch deshalb ist es sinnvoll, dass du dich vorbereitest. 

Rechne mit wenig Zeit

In vielen Praxen ist das Wartezimmer immer überfüllt. Rechne am besten erst gar nicht damit, dass deine Ärztin oder dein Arzt genügend Zeit hat. Geh lieber davon aus, dass dir die Zeit eher nicht reichen wird, um alles zu besprechen, was dich beschäftigt. Und versuche, darüber nicht enttäuscht oder wütend zu sein. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. In Deutschland dauert ein durchschnittliches Arztgespräch übrigens circa siebeneinhalb Minuten [1]

Das heißt also: Damit du tatsächlich alles Wichtige besprechen kannst, musst du zügig auf den Punkt kommen und dich vermutlich beschränken. Mit ein wenig innerer Distanz gelingt es dir leichter, Prioritäten zu setzen, also das Wichtige vom eher Unwichtigen zu trennen. 

Notizen, Notizen, Notizen

Mach dir deshalb am besten zu Hause schon Notizen, damit du in der Aufregung nichts vergisst, was dir wichtig ist. Das kostet zwar Zeit, ist aber einfacher als das aufwändige Nachrecherchieren nach dem Arztbesuch.

Beschwerden beschreiben

Oft stellen Ärztinnen und Ärzte zur Einleitung eine offene Frage, in der Art von „Was führt Sie zu mir?“. Das verleitet zum ausschweifenden Bericht, sodass dir am Ende vielleicht Zeit fehlt, um Fragen zu stellen. Überlege deshalb lieber, wie du deinen Bericht strukturieren kannst und schreib dir auf, welche Beschwerden du hast. Vielleicht gibt es mehrere Symptome, von denen du nicht weißt, ob sie zusammenhängen. Dann gewichte die Symptome am besten: 

  • Welche beeinträchtigen dich am stärksten? 
  • Wie lange ist das schon so? 
  • Was beeinflusst die Beschwerden: Wodurch werden sie besser, wodurch stärker?
  • Wann treten die Beschwerden auf?
  • Womit könnte das deiner Meinung nach zusammenhängen?   

Mit so einer Liste in der Hand, fällt es dir viel leichter, den roten Faden nicht zu verlieren. Und das hilft auch deiner Ärztin oder deinem Arzt, sich schneller ein Bild zu machen.

Was weißt du schon? 

Vielleicht hast du im Vorfeld des Arztbesuchs auch schon selbst nach Informationen gesucht oder einen Verdacht, was hinter deinen Beschwerden stecken könnte. 

Natürlich reichen 7,5 Minuten nicht aus, um alle Behandlungsoptionen zu diskutieren, die das Internet so anbietet, und alle seltenen Spezial-Erkrankungen auszuschließen, auf die dich die Google-Suche vielleicht gebracht hat. Das ist für ein gutes Behandlungsergebnis oft auch gar nicht nötig, und Selbstdiagnosen sind häufig schwierig, weil sich viele Aspekte ohne medizinischen Hintergrund nicht richtig einordnen lassen.

Sinnvoll ist es deshalb, dass du bei der Suche nach Gesundheitsinformationen auf Seiten anfängst, die verlässlich sind. Hier bekommst du einen umfassenden Überblick, welche Behandlungsoptionen sinnvoll sein können und welche eher nicht.

Die Anbieter verlässlicher Gesundheitsinformationen sammeln wir hier bei Plan G.

Im Gespräch kann es die Atmosphäre entspannen, wenn du dich nicht auf dein Rechercheergebnis versteifst, sondern Arzt oder Ärztin bittest, eine fachliche Einschätzung dazu abzugeben: „Ich habe gelesen, dass diese Beschwerden typisch für xy sind. Denken Sie, ich könnte diese Krankheit haben?“. 

Wenn du dich bereits mit deinen Beschwerden oder deiner Erkrankung beschäftigt hast, musst du das übrigens nicht verschweigen: Du signalisierst Arzt oder Ärztin damit, dass dir dein Anliegen so wichtig ist, dass du dich schon mal auf die Suche nach Informationen dazu gemacht hast. Du bist also vorinformiert und das kann für das Gespräch ja sehr nützlich sein.

Wichtige Unterlagen

Frage dich, was deinen Arzt oder deine Ärztin im Zusammenhang mit deinem Besuch interessieren könnte und stecke dir entsprechende Unterlagen ein. Dazu gehören zum Beispiel der Notfallausweis, der Impfpass oder – falls du schwanger bist – der Mutterpass.  Falls du eine elektronische Gesundheitsakte für dein Smartphone nutzt, kannst du überlegen, ob du diese Nachweise dort ablegen möchtest. Das kann die Sache in der Arztpraxis unter Umständen allerdings komplizierter machen. Erkundige dich am besten vorher, ob deine Ärztin oder dein Arzt einen Zugang zu dieser Akte einrichten kann. 

Wenn du unter bestimmten Allergien leidest oder Erkrankungen in deiner Familie häufig vorkommen, solltest du dir das auch notieren.

Auch wichtig zu wissen für Arzt oder Ärztin: Ob du bereits Medikamente oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel einnimmst und nach welchem Schema. Denn einige können Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln eingehen. Oder bestimmte Beschwerden sind möglicherweise eine Nebenwirkung von anderen Arzneimitteln.

Zusatztipp: Wenn du dauerhaft mindestens drei Medikamente verordnet bekommst, hast du Anspruch auf einen Medikationsplan nach bundeseinheitlichem Schema [2]. Sprich Arzt oder Ärztin darauf an, denn das erleichtert auch ihnen den Überblick.

Trau dich, zu fragen!

Nicht immer fällt es leicht, Fragen zu stellen. Besonders, wenn man den Eindruck hat, dass die Zeit zu knapp ist. Viele Menschen trauen sich dann nicht, ihre Anliegen und Unsicherheiten anzusprechen. Dabei hilft es den Behandler*innen meist sehr, wenn du das Gespräch aktiv mitgestaltest. Also: Trau dich, zu fragen!

Du findest für diesen Zweck umfangreiche Checklisten und hilfreiche Broschüren im Internet, zum Beispiel von der Stiftung Gesundheitswissen [7], der Patientenuniversität Hannover [3] und vom Aktionsbündnis Patientensicherheit [4]. Der wichtigste Tipp ist aber, den Arzt oder die Ärztin zu bitten, dir genau zu erklären, welche Diagnose sie oder er stellt, was das für dich bedeutet und was du tun kannst, um den Genesungsprozess zu fördern. Also kurz:

  1. Was habe ich?
  2. Was soll ich tun?
  3. Warum soll ich das tun?
Grafik 3 Fragen für deine Gesundheit
Silke Jäger

Diese 3 Fragen werden von Organisationen empfohlen, die sich darum bemühen, dass Patient*innen bessere Gesundheitsentscheidungen treffen können. 

Das 3-Fragen-Konzept stammt aus dem Englischen und wird dort als AskMe3 (ask me three) bezeichnet [5]. In Österreich gibt es dazu auch Informationsmaterial für Praxen und Organisationen [6]. In Deutschland ist uns solches Informationsmaterial bisher nicht bekannt. Diese 3 Fragen kannst du dir auf einen kleinen Zettel schreiben, der in dein Portemonnaie passt. Das ist dein Minimalprogramm für den nächsten Arztbesuch.

Je nach Anlass deines Arztbesuchs und dem weiteren Verlauf des Gesprächs können aber noch weitere Fragen sinnvoll und wichtig sein.

Fragen zu Untersuchungen und Behandlungen

Nicht alles kannst du akribisch vorbereiten und das ist auch gar nicht nötig. Wichtig ist, dass du den Impuls Fragen zu stellen, während des Gesprächs nicht unterdrückst. Das Gespräch geht ja weiter, nachdem du deine Beschwerden beschrieben hast.

In der Regel hat dein Arzt oder deine Ärztin dann einen Verdacht, welche Krankheit dahinterstecken könnte. Oft gibt es mehrere mögliche Ursachen. Manchmal gibt es auch mehrere Wege diese Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder auszuschließen. Du kannst dein*e Behandler*in bitten, dir die Vor- und Nachteile der verschiedenen Untersuchungen zu erklären. Dazu gehört auch, die Frage danach, ob die Untersuchungsmethode selbst Schaden anrichten kann und wie wahrscheinlich so ein Schaden ist. Das ist besonders für operative Eingriffe wichtig, zum Beispiel bei einer Gewebebiopsie, mit der man eine Krebserkrankung bestätigen oder ausschließen will.

Auch bei Behandlungen gibt es meist mehrere Möglichkeiten. Auch sie haben in der Regel Vor- und Nachteile, die du kennen solltest, damit du beurteilen kannst, ob sie zu deiner Situation und deinen Vorlieben passen. Für Fragen zu Nutzen und Schaden von Operationen, Medikamenten, Heilmitteln und anderen Behandlungen gibt es bei der Patientenuniversität Hannover sehr umfangreiche Inspirationen [3]. Auch wichtig zu bedenken: Was passiert, wenn du gar nichts tust und abwartest? Denn nicht immer bringen Behandlungen im Vergleich zu keiner Behandlung einen Vorteil.

Was du für eine gute, informierte Entscheidung über Behandlungen brauchst, kannst du hier nachlesen.

Im Zweifelsfall nachfragen

Nachfragen sind immer dann besonders wichtig, wenn du etwas nicht verstanden hast. Liegt das daran, dass deine Ärztin oder dein Arzt Fachchinesisch spricht? Oft geschieht das nicht absichtlich, sondern unbemerkt. Dann kannst du sagen „Das habe ich leider nicht verstanden. Können Sie mir das noch einmal in einfachen Worten erklären?“. Häufig bemerkt dein*e Behandler*in dann, dass medizinische Fachsprache durchgerutscht ist und bemüht sich um mehr Verständlichkeit. Falls nicht, kannst du diese Frage einfach so oft stellen, bis er oder sie sich umstellt. Denn: Es ist wichtig, dass du die Informationen bekommst, die du brauchst, damit du gute Entscheidungen treffen kannst. 

Deshalb ist es auch empfehlenswert, das Gespräch mit zusammenfassenden Fragen abzuschließen. So stellst du sicher, dass du alles wichtige verstanden hast und sorgst dafür, dass du dich auch zu Hause noch daran erinnerst. Du kannst dir übrigens natürlich auch im Sprechzimmer Notizen machen. Vielleicht entlang der oben erwähnten drei Fragen?

Zum Abschluss deines Arztbesuchs bietet es an, über die nächsten Schritte zu sprechen. Dabei helfen dir zum Beispiel folgende Fragen:

  1. Wann soll ich mich wieder vorstellen?
  2. Was soll ich bis dahin beachten oder tun – zum Beispiel mich schonen oder eine besondere Diät einhalten?
  3. Bei welchen Symptomen sollte ich sofort kommen?

Zum Weiterlesen

  1. Die Angaben stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit, in der die durchschnittliche Länge von Arzt-Patienten-Gesprächen in 167 Ländern ermittelt wurden.
  2. Mehr Informationen zum bundeseinheitlichen Medikationsplan kannst du in diesem Merkblatt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nachlesen.
  3. Die Patientenuniversität Hannover hat sehr umfangreiche Checklisten für verschiedene Situationen zusammengestellt, zum Beispiel zu Operationen, Krankenhausbesuchen und Medikamenten.
  4. Tipps für deinen Arztbesuch – vorher, währenddessen und danach – findest du in dieser Broschüre des Aktionsbündnis Patientensicherheit.
  5. Bei YouTube kannst du dir ein Video anschauen (auf Englisch), mit dem du das Konzept hinter AskMe3 besser kennenlernen kannst.
  6. Die österreichische Plattform Gesundheitskompetenz stellt Materialien zur Verfügung, mit der 3 Fragen für mehr Gesundheit bekannter gemacht werden können.
  7. Eine schöne Hilfestellung zur Vorbereitung des Gesprächs mit deinem Arzt oder deiner Ärztin hat die Stiftung Gesundheitswissen veröffentlicht.
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Iris Hinneburg
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