„Das gilt nicht!“

Wenn in Studien nicht alles mitgezählt wird

Manchmal steckt der Teufel im Detail – bei klinischen Studien zum Beispiel in der Auswertung. Und wie so oft lohnt hier ein genauer Blick.

iStock.com/gyasemin Auf blauem Hintergrund liegen viele Puzzle-Teile.

Zeugnistag. Dein Kind kommt freudestrahlend nach Hause und verkündet „Ein glattes 2er-Zeugnis“. Du freust dich natürlich mit – aber nur so lange, bis du dir das Zeugnis mal genauer anschaust: „Aber was ist hier mit den beiden Vierern in Mathe und Englisch?“. „Ach, das sind nur Ausreißer, die zählen ja nicht.“

Szenenwechsel: Berufliches Fortbildungsseminar. Zehn Minuten nach Beginn stehen zwei Teilnehmerinnen auf und gehen. Offensichtlich hatten sie sich unter dem ausgeschriebenen Thema etwas anderes vorgestellt. Kann ja passieren. Wie üblich werden die Teilnehmer*innen am Ende der Veranstaltung nach ihrer Bewertung gefragt. Und die fällt sehr positiv aus.  

Was zählt?

In den beiden Beispielen wird es schnell deutlich: Die Bewertungen sind nicht besonders aussagekräftig. Denn wichtige Teile fehlen – und hier sind es ausgerechnet die negativen Ergebnisse. Ähnliches kann bei klinischen Studien auch passieren: Dass das Forschungsteam nicht alle Teilnehmenden mit auswertet. Und auch bei Studien, die eigentlich sonst die höchsten Qualitätsstandards für zuverlässiges Wissen erfüllen: mit einer Kontrollgruppe [1], zufälliger Zuteilung der Teilnehmenden auf die Gruppen [2] und Verblindung aller Beteiligten [3]. Das Problem dabei: Wird nur ein Teil der Daten ausgewertet, ergibt sich ein verzerrtes Bild – also ganz genau das Gegenteil von gesichertem Wissen.

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Iris Hinneburg
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