Kapitel 5 - Äthiopiens Schatz

Wissenschaftler hoffen, mit Hilfe uralter Weizensorten aus Äthiopien den Schwarzrost zähmen zu können.

Äthiopien ist eines der ältesten Anbaugebiete für Weizen und anderen Nutzpflanzen wie Kaffee, Hirse oder Gerste. Über Jahrtausende hinweg haben dort Umwelt und Bauern durch Auslese und Zucht zusammengespielt, um die alten Sorten an die regionalen Bedingungen anzupassen. Entstanden ist dabei eine einzigartige Vielfalt an Nutzpflanzen. Heute ist Äthiopien eins von nur acht “Zentren der Biodiversität” weltweit.

Infografik: Eine Weltkarte zeigt, in welchen Gebieten es eine besondere Vielfalt an Nutzpflanzen gibt, so gibt es z. B. in Äthiopien besonders vielfältigen Weizen. In Peru dagegen gibt es Tausende von Kartoffelsorten.
Weltweite Zentren der Biodiversität von Nutzpflanzen

Diese Zentren hat der der russische Botaniker Nikolai Vavilov schon im Jahr 1926 identifiziert. Ihm war aufgefallen, dass es zum Beispiel in Peru Tausende von Kartoffelsorten gibt, in Süd- und Zentralamerika besonders viele Tomatensorten oder in Zentralasien Karotten. Und in Äthiopien ist eben der Weizen besonders vielfältig, Hartweizen vor allem. Vavilov hielt diese Gegenden für besonders wichtig, denn die große Vielfalt an Sorten birgt auch eine große Vielfalt an Genen.

Die wollen sich die Pflanzenzüchter heute im Kampf gegen den Ug99 und andere Schädlinge zunutze machen. Die alten Sorten sind für sie eine wichtige Quelle für neue Gene. Denn aus dem Nichts lassen sich Gene bis heute nicht herstellen. Züchter müssen mit dem arbeiten, was ihnen die Natur vorgibt.

In einer Welt, in der sich die nicht nur die Schadpilze, sondern auch andere Umweltbedingungen ständig wandeln, ist daher ein möglichst großer Pool an Genen, aus dem die Züchter schöpfen können, oft die beste Versicherung für die Zukunft.

Ein alter, rissiger, ausgehöhlter Baumstamm wird als Mörser für Weizenkörner benutzt. Eine Person mit einem gemusterten Rock zerstößt die Körner mit einem dicken Holzstab.
In Äthiopien werden bis heute viele alte Weizensorten angebaut und verarbeitet. Sie sind ein kostbares und einzigartiges Reservoir an genetischem Material, das helfen kann, Schadpilze wie Ug99 unter Kontrolle zu bringen.

Kapitel 6

Leben mit dem Feind

Wahrscheinlich werden es die Forscher nie schaffen, den Pilz ganz zu beseitigen. Auch in Deutschland droht der Schädling Felder zu vernichten.

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Grafik-Illustration einer Weizenähre auf hellblauem Grund

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Credits

Dieses Projekt wurde erstmals 2015 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Da das Thema nach wie vor relevant ist, veröffentlichen wir es hier noch einmal in vollem Umfang (inklusive Videos).


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