Kapitel 2 - Warum Weizen so wichtig ist

Die Ernährung von mehr als einer Milliarde Menschen hängt vom Weizen ab. Wenn der Schwarzrost ihn zerstört, drohen Hungersnöte und Aufstände.

Auf der ganzen Welt ernähren sich Menschen von Weizen, er ist nach Reis das zweitwichtigste Grundnahrungsmittel. 4,5 Milliarden Menschen decken ein Fünftel ihres Kalorienbedarfs mit Nahrungsmitteln aus Weizen – als Brot oder Brei, Chapati oder Spagetti.

Besonders in Entwicklungsländern ist Weizen von Bedeutung, denn vor allem die Armen sind abhängig von dem Getreide: Für 1,2 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen, ist Weizen die Existenzgrundlage.

Weltweit steigt die Weizenproduktion von Jahr zu Jahr. In der Saison 2005/2006 waren es der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO zufolge etwa 626 Millionen Tonnen, 2014/2015 schon 730 Millionen Tonnen. Doch auch die Nachfrage steigt weiter. Die FAO schätzt, dass sich der Weizenbedarf in den Entwicklungsländern bis 2050 um 60 Prozent erhöhen wird.

Ein Äthiopier hält ein Brett mit vorbereiteten Teigkugeln, die zum Backen bereit stehen. Im Hintergrund liegen zwei weitere Bretter mit solchen Teigkugeln auf einem Gestell.
Diese Bäckerei in Addis Abeba liefert jeden morgen 4000 Hefebrote aus.

Weizen ist eine weltweit gehandelte Ware, deren Preis stark schwankt. Er wird bestimmt von Angebot und Nachfrage an den großen Terminbörsen. Wenn ein Schädling wie der Rostpilz Ug99 in einem der größeren Anbaugebiete eine ganze Ernte vernichtet, dann sinkt das weltweite Angebot. Weizen wird zum raren Gut, der Preis steigt. Und das kann weitreichende Konsequenzen haben. „Wenn die exportierenden Länder nicht genug produzieren können, dann werden sie erst einmal versuchen, ihre eigenen Leute zu versorgen”, sagt Godwin Macharia von der kenianischen landwirtschaftlichen Forschungsorganisation (KALRO). Am härtesten trifft es die Länder, die Weizen importieren müssen. “Dort kann es zu Versorgungsengpässen kommen und dann auch zu Unruhen.” 

Das Risiko ist hoch, denn von allen Weizensorten, die weltweit angebaut werden, sind siebzig bis achtzig Prozent anfällig für Ug99 und verwandte Rassen. 

Eine Äthiopierin mit Kopftuch und gemusterter Kleidung hält lächelnd einen großen geflochtenen Korb in ihren Händen. Darin liegt ein riesiges, frisch gebackenes Fladenbrot.
Traditionell gebackenes Brot aus Hartweizen (Durum) in Äthiopien.
Blick von oben auf ein Händepaar, das ein sehr großes Fladenbrot mit einem Messer in Stücke schneidet. Das ganze Brot liegt in einem riesigen runden geflochtenen Korb.
Frisch gebackenes Brot in Äthiopien
Grafik-Illustration Brotlaib
Brotlaib

Kapitel 3

Die Pilzjäger

Forscher finden zwar Resistenzen gegen den Schwarzrost. Doch der Pilz schafft es immer wieder, die neu gezüchteten Pflanzen anzugreifen. Die Wissenschaftler müssen komplett neue Strategien finden.

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Credits

Dieses Projekt wurde erstmals 2015 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Da das Thema nach wie vor relevant ist, veröffentlichen wir es hier noch einmal in vollem Umfang (inklusive Videos).

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