Erntetod - Wie ein Pilz den Weizen der Welt gefährdet

Man glaubte schon ihn besiegt zu haben, doch nun ist er gefährlicher für die Welternährung denn je: Der Schwarzrost Ug99 kann die Weizenernte ganzer Länder vernichten und breitet sich immer weiter aus.

Biodiversität ist nicht nur in natürlichen Lebensräumen essenziell, sondern auch bei unseren Nutzpflanzen. Sie ermöglicht es, unsere Nahrungsmittelproduktion an immer neue Klima- und Umweltbedingungen anzupassen, und ist damit eine entscheidende Voraussetzung für unsere Ernährungssicherheit. Sie ist auch die beste Verteidigung gegen diverse Pflanzenschädlinge, die ihrerseits Teil der Biodiversität sind und die eine ernste Bedrohung sein können. Der Schwarzrost Ug99 ist unter Landwirten und Wissenschaftlern besonders gefürchtet. Er hat das Potenzial, ganze Weizenernten zu vernichten. Wie er das macht und was man gegen ihn tun kann, darum geht es in diesem Rechercheprojekt.

Kapitel 1

Der Pilz, der die Welt bedroht

Der Schwarzrost Ug 99 kann nicht nur die Weizenernte ganzer Länder vernichten, er verändert sich auch schnell und passt sich an immer neue Umweltverhältnisse an.

Die Wissenschaftler befürchten, dass sich der Pilz von Afrika aus weiter nach Osten verbreitet, womöglich bis in die Kornkammern Indiens und Chinas. Die Folgen wären katastrophal. Betroffen wären nicht nur die Menschen vor Ort. Weizen ist längst ein wichtiges globales Handelsgut. Und so bedroht der winzige Pilz das Brot der ganzen Welt.   

Dieses Projekt wurde erstmals 2015 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Da das Thema nach wie vor relevant ist, veröffentlichen wir es hier noch einmal in vollem Umfang (inklusive Videos). Credits

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Der Weizenscharzrost ist eine der gefährlichsten Getreidekrankheiten, die einem Bauern auf dem Acker begegnen können. Die Pilzsporen, die die Krankheit auslösen, sehen aus wie Flugrost bei Metallen, daher der Name: Rostpilze. Erst rot, später schwarz legen sie sich auf Halme und Blätter der Pflanze und entziehen dem Weizen die Nährstoffe. Die Körner verkümmern, die Ernte ist mager, oft bis zum Totalverlust. Bis in die fünfziger Jahre löste der Pilz immer wieder Epidemien aus, in den USA ebenso wie in Indien.

Dass der Schwarzrost heute fast vergessen ist, verdanken wir Pflanzenzüchtern, die in den sechziger Jahren Resistenzgene gegen den Pilz fanden und in die vorhandenen Weizensorten einkreuzen konnten. Der Schwarzrost schien besiegt.

Doch dann tauchte 1998 in Uganda ein neuer Schwarzrost auf, dem alle diese Abwehrgene nichts anhaben konnten. Die Wissenschaftler nennen ihn Ug99 – Ug nach dem Land, in dem er zuerst entdeckt wurde, und 99 nach dem Jahr, in dem er offiziell benannt wurde.

Ug99 ist nicht nur aggressiver als die meisten bekannten Schwarzroste, er verändert sich auch extrem schnell. Wo 1999 nur ein einziger Pilztyp war, ist jetzt schon eine ganze Pilz-Familie mit aktuell 13 neuen Pilztypen. Und die verbreiten sich schnell.

Die Winde tragen die Pilzsporen von einem Land zum nächsten. Forscher haben Ug99 und seine Nachkömmlinge im gesamten östlichen Afrika gefunden, von Südafrika bis Ägypten. Auch aus dem Jemen und Iran gibt es inzwischen Meldungen. Und dabei wird es nicht bleiben.

Infografik: Eine Landkarte von Afrika zeigt die Verbreitung des Weizenschwarzrosts Ug99 im Jahr 2005. Nur 3 Länder sind farbig eingefärbt, Südafrika, Kenia und Uganda.
Ausbreitung des Weizenschwarzrosts Ug99
Infografik: Eine Landkarte von Afrika zeigt die Verbreitung des Weizenschwarzrosts Ug99 im Jahr 2015. Ca. ein Viertel des Kontinents ist betroffen (farbig eingefärbt), vor allem auf der Ostseite. Eine beginnende Ausbreitung in Richtung Asien (über Afganistan) ist offensichtlich.
Ausbreitung des Weizenschwarzrosts Ug99
Infografik: Eine Landkarte zeigt befallene Länder in Afrika. Mittels einem Pfeil und einer Grafik, die Wolken und Wind symbolisiert, wird der potenzielle Verbreitungsweg von Ug99 Richtung Nord-Ost nach Asien dargestellt.
Ausbreitungsweg des Weizenschwarzrosts Ug99
Blick von oben auf ein dünn besiedeltes Tal in Äthiopien mit vielen kleinen Feldern und vereinzelten Bäumen. Im Hintergrund erstrecken sich Berge, die Wolken hängen tief.
Das Hochland von Äthiopien ist durch eine vielfältige, kleinbäuerliche Landwirtschaft geprägt.


Kapitel 2: Warum Weizen so wichtig ist

Gerade für die Armen ist er unentbehrlich: Die Ernährung von mehr als einer Milliarde Menschen hängt vom Weizen ab.  Wenn der Schwarzrost ihn zerstört, drohen Hungersnöte und Aufstände.

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Kapitel 3: Die Pilzjäger

Forscher finden zwar Resistenzen gegen den Schwarzrost. Doch der Pilz schafft es immer wieder, die neu gezüchteten Pflanzen anzugreifen. Die Wissenschaftler müssen komplett neue Strategien finden.

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Kapitel 4: Wie Ug99 Kontinente erobert

Der Schwarzrost kann innerhalb kurzer Zeit die Weizenernte in aller Welt zerstören. Er ist aggressiv und wandelt sich schnell - wie macht er das?

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Kapitel 5: Äthiopiens Schatz

Wissenschaftler versprechen sich mit Hilfe uralter Weizensorten den Schwarzrost zu zähmen.

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Kapitel 6: Leben mit dem Feind

Wahrscheinlich werden es die Forscher nie schaffen, den Pilz ganz zu beseitigen. Auch in Deutschland droht der Schädling Felder zu vernichten.

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Credits

Logo Hoppenhaus und Grunze Medien, Wortmarke, schwarze Schrift auf weißem Grund
Nahaufnahme mehrerer grüner Weizenstängel, die vom Weizenrost befallen sind. Die Pilzsporen liegen wie rotbraune Rostspäne auf der Pflanze.
Weizenschwarzrost an grünen Weizenstängeln (Äthiopien).
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