Countdown Natur – das große Rechercheprojekt über den Kampf um die Zukunft der Lebensvielfalt

Ein Team von 25 Journalistinnen und Journalisten berichtet für Sie in den kommenden Monaten über eine der wichtigsten Überlebensfragen

In den kommenden Monaten treffen Politikerinnen und Politiker auf allen Ebenen und in allen Ländern wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Lebens auf der Erde: In Deutschland wird um das Insektenschutzgesetz ebenso gerungen wie um die Frage, wie wir die Klimaziele erreichen. Die EU-Staaten reformieren die Gemeinsame Agrarpolitik und wollen einen "Green Deal" schaffen, der auch den Schutz der Lebensgrundlagen verbessert. Und international laufen die Vorbereitungen für zwei UN-Gipfel, die die Weichen für unsere Zukunft maßgeblich stellen werden: Einen neuerlichen Weltklimagipfel in Glasgow und den Weltnaturschutzgipfel im chinesischen Kunming zum Schutz der Biodiversität.

Der Reichtum des Lebens auf der Erde und wie wir ihn erhalten – das sollte dauerhaft das Thema der Weltpolitik sein. Aber die Voraussetzungen dafür, dass diese Megathemen ausreichend Aufmerksamkeit, Zeit und Engagement von Verantwortlichen bekommen, sind schlecht: Die USA steuern auf politisches Chaos zu, sollte Präsident Trump eine Wahlniederlage nicht akzeptieren oder die Wahl gewinnen. Zum Jahresende droht ein harter Brexit. 

Zudem wird die Corona-Pandemie weiter toben, Menschenleben fordern, Leid verursachen und verqueren Verschwörungsideologien Vorschub leisten.

Die Natur – und mit ihr alle Menschen, die von ihr leben – braucht eine lautere Stimme. 

Der Countdown läuft

Deshalb starten wir heute ein neues, in dieser Form einzigartiges Recherche- und Publikationsprojekt: “Countdown Natur”.

25 Journalistinnen und Journalisten von RiffReporter werden in den kommenden Monaten aus Deutschland und aller Welt zur Zukunft der Naturvielfalt und ihrer Bedeutung für uns Menschen recherchieren, bei Veranstaltungen mit Teilnehmenden diskutieren und natürlich über ihre Ergebnisse berichten.

Es geht bei "Countdown Natur" um die Zukunft der Lebensvielfalt, um Regenwälder, Korallenriffe, Blumenwiesen, Moore und viele andere Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Es geht zugleich um Existenzfragen für uns Menschen: Sauberes Trinkwasser, ausreichend Nahrung und ein lebensfreundliches Klima hängen auch und vor allem von funktionierenden Ökosystemen ab. Hunderte Millionen Angehörige indigener Gruppen leben in artenreichen Gebieten – und sind vielfach ihre besten Beschützer. Doch überall lauern Gefahren: Abholzung, Verschmutzung, Feuer, Erderhitzung, das sind nur einige der Treiber der Naturzerstörung. Und hinter diesen Treibern stehen Menschen, Institutionen, Interessen.

Das Bild zeigt eine Blumenwiese in Österreich mit zahlreichen verschiedenen Arten, darunter Margeriten und Ringelblumen.
Sinnbild der Vielfalt: Artenreiche Blumenwiesen sind in weiten Teilen Europas aus der Landschaft verschwunden. Zu den Gründen zählen Überdüngung und eine Zunahme von Ackerflächen auf Kosten von Wiesen zur Heugewinnung.

Mit "Countdown Natur" wollen wir ausführlich, sachkundig und gut lesbar über die Vielfalt der Natur informieren – über ihre Schönheit, ihre Bedeutung und das harte politische und wirtschaftliche Ringen um ihren Schutz. Das tun wir, damit wir uns alle, die wir zusammen die "Öffentlichkeit" sind, ein gutes, eigenständiges Urteil über eine der größten Herausforderungen unserer Zeit bilden können.

Warum wir mehr kritischen Umweltjournalismus brauchen

Für viele Mitglieder von RiffReporter ist Umwelt schon lange ein zentrales Thema – nicht umsonst lassen wir uns beim Namen unseres ganzen Projekts von Vielfalt, Tiefgang und Kooperation der Korallenriffe inspirieren. Unter den mehr als hundert Journalistinnen und Journalisten unserer Genossenschaft sind sehr viele, die seit Jahren für große Medien – von ARD und BBC über FAZ und GEO bis ZEIT und ZDF – über Klima-, Umwelt- und Naturschutz berichten. 

Es sind großartige, vielfach ausgezeichnete Menschen, die seit dem Start unseres “journalistischen Korallenriffs” 2017 mit Projekten wie Afrika-Reporter, KlimaSocial, Plastisphere, AnthropoScene, Flugbegleiter, Field Writing oder Flussreporter der Öffentlichkeit – und über unseren digitalen Marketplace auch Verlagen und Publishern – auf neue Weise Qualitätsjournalismus bieten. 

"Umwelt" ist für uns kein isoliertes Thema – und schon gar kein Thema, um das man sich nur kümmert, wenn es sonst keine Probleme gibt. Das Gegenteil ist wahr, wie uns die Chefin des Weltbiodiversitätsrats, die Ökologin Anne Larigauderie, im Interview sagte: "Es geht nicht um Luxusfragen, es geht um Existenzfragen." 

Die Umwelt durchdringt das gesamte Leben samt Politik, Wirtschaft und Kultur – und auch das ganze Spektrum unserer Journalismusplattform  zu Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft, Weltgeschehen. Umwelt ist nicht nur ein Thema, sondern ein Geflecht, das alle anderen Themen umspannt und durchdringt.

"Wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird die Klimaerwärmung unser tägliches Leben ähnlich stark umwälzen wie jetzt die Pandemie", sagte Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums kürzlich in einem Interview der ZEIT. Dasselbe gilt auch für die Naturzerstörung. Beide Krisen sind in Wahrheit eine Krise und eine Aufforderung zu intelligentem Handeln. Klimaschutz funktioniert nicht ohne Naturschutz – und umgekehrt. Und im Gegensatz zu einer Pandemie, die in wenigen Jahren weitgehend bewältigt sein dürfte, geht es dabei um Folgen für Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende. Nicht umsonst sprechen Wissenschaftler vom "Anthropozän" als neuer geologischer Erdepoche.

Förderung durch mehrere Stiftungen

Wir arbeiten bereits an Recherchen, Berichten und Veranstaltungen bis Ende 2021. Das sind 15 Monate, in denen wir kontinuierlich und tiefgehend berichten werden. Unterstützt werden wir dabei finanziell von mehreren gemeinwohlorientierten Institutionen: dem European Journalism Center (EJC), der Hering-Stiftung Natur und Mensch, der Andrea von Braun Stiftung, dem Hofschneider-Recherchepreis und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Sie fördern unsere Recherchen – bei gleichzeitiger voller Wahrung journalistischer Unabhängigkeit, wie sie in unserem Kodex beschrieben ist

Diese Förderungen sind eine hervorragende Basis. Aber um noch umfassender recherchieren zu können, brauchen wir auch die Hilfe unserer LeserInnen: Schließen Sie ein Abo ab oder fördern Sie uns freiwillig mit einem Betrag. Wir investieren das Geld direkt in unseren Journalismus. 

Welche Themen erwarten Sie?

Mit Förderung des EJC werden wir in Afrika, Asien und Europa der Frage nachgehen, woher in Zukunft sauberes Trinkwasser für Milliarden Menschen kommen wird und welche Rolle Natur und Ökosysteme dabei spielen. Dank der Unterstützung der Hering-Stiftung werden wir unter anderem in Australien, in den Anden, auf den Weltmeeren und vor allen auch in Deutschland und Europa den Zustand der Biodiversität erkunden und uns intensiv mit dem politischen Prozess hin zum UN-Naturschutzgipfel im Jahr 2021 befassen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ermöglicht Recherchen zur nachhaltigen Landwirtschaft und der Rolle, die das kritische Element Phosphor dafür spielt, aus Mitteln der Andrea von Braun Stiftung und des Hofschneider-Preises finanzieren wir Beiträge zum Zusammenhang von Naturvielfalt und Welternährung. 

Bleiben Sie mit uns am Ball. Es lohnt sich – in jeder Hinsicht.

Christian Schwägerl, Tanja Krämer und das gesamte Team von RiffReporter

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Deutschland macht keine Fortschritte auf dem Weg zu mehr Artenvielfalt

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Zwei Weißstörche suchen in einer bunten Blumenwiese nach Nahrung.
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Aktuell: Umweltminister billigen Biodiversitäts-Strategie der Kommission

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Zum Auftakt einer Woche der Entscheidungen zu Naturschutz und Landwirtschaft zeichnen zwei EU-Berichte zum Zustand von Natur und Biodiversität in Europa ein düsteres Bild.

Ein Luftbild eines großflächigen Moores mit Wiesen, Moorwäldern und Sumpf, aufgenommen in Lettland.
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Wissenschaftler fordern Öko-Wende in der Landwirtschaft

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Die Bundesumweltministerin will die Warner vor dem Artensterben mit der höchsten Auszeichnung ehren. Sie schlägt den Weltbiodiversitätsrat IPBES für den Friedensnobelpreis vor

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UNDP-Chef Steiner fordert neue Ökonomie: "Die immensen volkswirtschaftlichen Einnahmen aus einer funktionierenden Natur werden nirgendwo erfasst."

Interview mit dem Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen zum UN-Biodiversitätsgipfel

UNDP administrator, Achim Steiner, gives his remarks at the panel on "Building Financing momentum: The Investment case for ICPD PoA - costs and gaps" at the International Conference on Population and Development (ICPD) on 12 November 2019 in Nairobi, Kenya.
This year marks the 25th anniversary of the ICPD in Cairo, where 179 governments adopted a landmark Programme of Action which set out to empower women and girls for their sake, and for the benefit of their families, communities and nations.
From 12-14 November, the governments of Kenya and Denmark and UNFPA are co-convening the Nairobi Summit on ICPD25, a high-level conference to mobilize the political will and financial commitments we urgently need to finally and fully implement the ICPD Programme of Action. These commitments will be centred around achieving zero unmet need for family planning information and services, zero preventable maternal deaths, and zero sexual and gender-based violence and harmful practices against women and girls.
(Photo credit should read "ALBERT GONZALEZ FARRAN/UNFPA/AFP-Services")
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Merkel und Macron legen mit 62 weiteren Staats- und Regierungschefs „Versprechen an die Natur" ab

Staats- und Regierungschefs sehen den Planeten in einer tiefen ökologischen Krise. Die Bewahrung der lebendigen Vielfalt müsse Top-Priorität für die Weltgemeinschaft sein, fordern sie.

Das Bild ist im Freien aufgenommen. Macron steht links und macht eine tiefe Verbeugung mit zusammengefalteten Händen. Merkel kommt von rechts und macht eine freundliche Geste, aber auch ein bisschen abwehrend, so als sei ihr die Ehrerbietung zu viel. Lassen wir also Macron vor dem Strauch verbeugen, der in der Mitte des Bildes steht. Passt ja auch zum Thema.
  1. Biodiversität
  2. Natur
  3. Umweltpolitik

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  1. Artensterben
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Auch Deutschland verfehlt seine Ziele zum Schutz der Artenvielfalt

Der Nationale Bericht zur Biodiversität zeigt: Die industrialisierte Landwirtschaft ist die Hauptursache für den Artenschwund bei uns – und Deutschland ist alles andere als ein Vorbild im Umgang mit der Natur.

Eine Gruppe aus etwa zehn Kranichen steht in erstem Morgenlicht im Wasser. Sie sind nur als Silhouette zu erkennen
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