Das Merkel-Lexikon: Von Landesverbänden über Lebensweisheiten und Liebe bis Lob

Von Andreas Rinke

Das „Merkel-Lexikon" von Andreas Rinke

Landesverbände

Als CDU-Vorsitzende hatte Merkel immer eine gewisse Distanz zu den CDU-Landesverbänden gewahrt – bis auf ihren eigenen in Mecklenburg-Vorpommern. Die eiserne Regel: In den mächtigen Landesgliederungen der Partei ist eine Einmischung der CDU-Bundesvorsitzenden in eigene Angelegenheiten meist nicht erwünscht. Dies betrifft vor allem Personalentscheidungen. Merkel engagierte sich in Landtagswahlkämpfen viel stärker als etwa Helmut Kohl – trat dieses Engagement aber 2019 sofort an ihre Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer ab. Ihr gefallen nicht alle Personal- und Sachentscheidungen auf Landesebene, aber Merkel ließ die – sehr selbstbewussten - Landesverbände meist gewähren. Eine Ausnahme gibt es: Koalitionen mit der rechtspopulistischen AfD sind tabu (s. AfD). 

Lebenseinstellung/Lebensweisheiten

Anders als von Mao Tse-Tung und Gregor Gysi gibt es von Angela Merkel noch kein kleines rotes Büchlein mit den wichtigsten Lebensweisheiten und Sprüchen. Vielleicht liegt dies auch daran, dass man viele der Lebensweisheiten Merkels schon einmal gehört hat – wahlweise von der eigenen Mutter, dem Vater, Lehrern oder anderen. Zum Beispiel ist einer ihrer Lieblingssprüche „In der Ruhe liegt die Kraft“.[1] „Es lohnt nicht, den Kopf in den Sand zu stecken“, ist von ihr ebenfalls oft zu hören.[2] Sowohl in der Euro- als auch in der Flüchtlingskrise forderte Merkel immer wieder, die Probleme „an der Wurzel zu packen“.[3] „Es kann gar nicht oft genug gesagt werden, dass [das Problem] nicht mit dem einen Befreiungsschlag, dem einen Paukenschlag, dem einen vermeintlichen Wundermittel gelöst werden kann“, ist ein anderer dieser Sätze, der auf viele Krisen passt – aber eben doch viel über ihren Politikstil aussagt.[4]

Zudem warnt sie vor Überheblichkeit: „Jeder der heute vermeintlich stark ist, kann morgen schwach sein. Und jeder, der schwach ist, kann morgen anderen Kraft geben“, zitierte Merkel aus dem Matthäus-Evangelium etwa vor dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU.[5] Probleme seien immer relativ: Gibt es keine großen, dann würden auch kleine als groß empfunden. Große Probleme ließen dagegen die Bedeutung von kleineren schrumpfen. Deshalb sei es letztlich auch nicht entscheidend bzw. gleich anstrengend, ob man nun Kanzlerin Deutschlands oder Regierungschefin eines kleineren oder größeren Landes sei, meint sie.

  • [1] Merkel-Rede anlässlich der Vorstellung des Buches von Roland Koch mit dem Titel Konservativ, am 4. Oktober 2010 in Berlin.
  • [2] Beispielsweise in der CDU-Parteitagsrede in Leipzig, 14. November 2011.
  • [3] Nur ein Beispiel: Merkel-Interview, Süddeutsche Zeitung, 15. Mai 2010.
  • [4] Rede auf dem CDU-Bundesparteitag in Hannover, 4. Dezember 2012, hier bezog sich der Satz auf die Staatsschuldenkrise.
  • [5] Rede vor dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU am 19. Juni 2015.

Leipzig

Die Stadt spielt im Leben Merkels eine große Rolle. Dies liegt schon daran, dass sie dort zwischen 1973 und 1978 Physik studierte. Dort lernte sie den Physikstudenten Ulrich Merkel kennen, den sie 1977 heiratete. In Leipzig wird die CDU-Vorsitzende gerne grundsätzlich. Auf dem Leipziger Parteitag 2003 etwa verabschiedete die CDU auf ihren Druck ein Reformprogramm, das damals als Credo Merkels und Antwort auf Schröders Agenda 2010 verstanden wurde. Es war das Destillat dessen, was sie wirtschaftspolitisch dachte – von dem sie aber in den folgenden drei Amtszeiten an etlichen Stellen erheblich abwich. Aber auch später blieb das Grundsätzliche, etwa als in Leipzig 2011 wieder ein CDU-Bundesparteitag stattfand: Merkel strich die symbolhafte Rolle der Stadt immer wieder heraus: „Hier steht das Völkerschlachtdenkmal. Hier hat halb Europa vor 200 Jahren Krieg gegeneinander geführt; Zigtausende Menschen haben ihr Leben verloren. Hier steht das Schillerhaus. Hier begann Friedrich Schiller die Ode an die Freude zu schreiben, die von Ludwig van Beethoven vertont wurde und die heute unsere Europahymne ist. Hier in Leipzig war 1989 das Zentrum der friedlichen Revolution. Hier haben die Montagsdemonstrationen begonnen. Die Menschen der DDR haben nicht nur die Mauer zum Einsturz gebracht, sondern auch den Eisernen Vorhang in Europa gemeinsam mit vielen anderen heruntergerissen.“[1]

[1] Merkel-Rede, CDU-Bundesparteitag in Leipzig, 14. November 2011.

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