Dieser Stein ist ein Sensor

Tutorial: Einen undercover Lärmsensor bauen

Lärm ist eine der unterschätzten Gefahren unseres Lebens. So bauen Sie einen Sensor um der täglichen Belastung auf die Spur zu kommen.

„Es gibt vielerlei Lärme. Aber es gibt nur eine Stille“, schrieb Kurt Tucholsky im Jahr 1925 in der „Weltbühne“. Jeder Großstadtbewohner wird wissen, was er meint. Und auch, dass Lärm eine recht subjektive Sache ist. Unsere Umgebung ist laut. Lärm ist eine der unterschätzten Gefahren. Sie wollen wissen, wie laut die Disco wirklich ist? Welchen Lautstärkepegel das Open-Air-Konzert erreicht? Oder wie laut die Hupe der LKWs ist? Sie brauchen einen Schallpegelmesser! Dieser hier könnte der Stein des Anstoßes für eine Diskussion um den Lärm in der Stadt sein.

Viele Schallpegelsensoren messen den Lärm nur in einem Moment. Die Anregung zu diesem Sensor verdanke ich Bernhard Scholz vom Magazin „Der Kontext“. Bernhard war genervt vom Lärm, ich weiß gar nicht mehr genau, von welchem. Seit zwei Jahren lagen die Zutaten für den Sensor herum. Also entwickelte ich diesen mobilen, getarnten Sensor. Machen Sie sich lieber einen Gedanken mehr, bevor Sie einen getarnten Sensor einsetzen. Ich benutze einen Aquarienstein, der eingesetzt wird, um die Pumpe zu verstecken. Der Stein schützt Ihren Sensor vor Vandalismus. Und ist ein optimales wassergeschütztes Gehäuse.

Soundstein
Die Zutaten für den Soundstein

Zutaten

  • Particle-Argon-Mikrocontroller
  • Powerbank, 10.000 maH
  • Soundsensor „Analog Sound Level Meter“, df robotics
  • Ein kleines Stück Acrylglas, circa 12 x 25 cm, 3 mm Stärke
  • 8 Nylon-Abstandhalter M2.5 x 6 mm mit passenden Schrauben und Muttern 
  • 3 kurze Dupont-Käbelchen männlich-männlich
  • Aquarienstein mit Pumpenaushöhlung 
  • Bohrer 3 mm
  • Gewebe-Klebeband

SCHRITT 1: Die Mess-Software

Damit der Lärmsensor weiß, was er tun soll, müssen Sie ihn programmieren. Das geht fix, denn das Programm ist wirklich einfach. Ich gehe davon aus, dass Sie Ihren Argon schon installiert haben. Öffnen Sie dazu die Entwicklungsumgebung von Particle (build.particle.io). In dem Symbol, das einem Fadenkreuz ähnelt, müssen Sie Ihren Argon auswählen. In meinem Fall heißt er „Brenda“. Dann müssen Sie zum Symbol „“. Jetzt können Sie den Code hineinkopieren. Dann drücken Sie auf den Blitz, um das Programm auf den Mikrocontroller zu übertragen.

Programm soundmesser.ino

Die Software ist sehr einfach gehalten: Sie veröffentlicht alle fünf Sekunden einen Messwert im Netz. Das Programm können Sie natürlich verfeinern und zum Beispiel zwischen Mittelwert und Höchstwert unterscheiden.

Argon und Schrsaubenzieher
Den Mikrocontroller Argon auf der Trägerplatte festschrauben.

SCHRITT 2: Den Argon befestigen

Ich habe eine Acrylglasplatte so zugeschnitten, dass sie in den Aquarienstein gut hineinpasst. Die Schablone steht unten. Dann habe ich nach der Schablone Löcher hineingebohrt, um den Argon und den Soundsensor nebeneinander darauf zu befestigen. (Er hat leider Bohrungen für nicht so gängige M2.5-Schrauben.) Mit den Abstandshaltern kann man ihn jetzt darauf befestigen. Man kann ihn auch auf eine Steckplatine stecken.

Schablone Soundstein
Die Schablone
Jakob Vicari
Platine Soundsensor
Soundsensor und Argon sind nebeneinander montiert und verkabelt.

SCHRITT 3: Soundsensor anschließen

Der Gravity-Soundsensor misst den Schall an der schwarzen Mikrofonkapsel an der Seite gegenüber der Steckerbuchse. Sie ist sehr empfindlich. Berühren Sie sie besser nicht.

Bohrmaschine und künstlicher Stein
Löcher hin einbohren

SCHRITT 4: Mikrofonlöcher bohren

Bohren Sie jetzt in den Aquarienstein fünf bis sechs kleine Löcher, damit der Schall den Soundsensor erreicht. Am besten dort, wo innen die schwarze Mikrofonkapsel des Soundsensors sitzt. Am besten etwas regengeschützt. Sie können von innen ein Insektenschutzgitter oder ein Lautsprechergitter dagegenkleben.

SCHRITT 5: Strom anschließen

Schließen Sie die Powerbank an und verstauen alles im Stein. Von unten sollten Sie ein Stück Acrylglas oder Luftpolsterfolie mit Gewebeklebeband dagegenkleben, damit der Sensor nicht feucht wird.

TIPP: Schreiben Sie etwas wie „Mein Name ist Mess-Stein Bernd. Ich bin nicht vom Geheimdienst, sondern ein Sensor für ein Forschungsprojekt!“, Ihren Namen und Ihre Telefonnummer unter den Sensor, falls ihn jemand findet. Das hilft Missverständnisse zu vermeiden, wenn jemand Ihren Sensor findet.

SCHRITT 6: Aufstellen

Suchen Sie sich einen guten Platz für den Sensor. Er ist wirklich unauffällig. Er sollte trocken stehen und nicht zu weit vom messenden Objekt. Und natürlich braucht er Empfang. Eventuell platzieren Sie ihn unter einigen Pflanzen?

TIPP: Die Bergische Universität Wuppertal zeigt in einem Video, wie Sie den Schallpegelmesser mit einer Bonbondose, neun 10-Cent-Münzen, Reißzwecken, etwas Zucker und einem Zollstock kalibrieren können.

Geschafft!

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Jakob Vicaris Journalismus der Dinge