Alexa, sag dem Sensor, dass er den Messwert zu Twitter schicken soll

Wie Sie das Postamt im Internet der Dinge für Journalismus nutzen

Shutterstock / Reygers Eine Zeichnung einer maschinellen Hand, mit vielen Rädchen und Mechanismen, von Menschen stabilisiert.

Zeitungszusteller waren einmal ziemlich notwendig für Journalismus. Die Zeit ist längst vorbei. Im Journalismus der Dinge stellt sich eher die Frage, wie Informationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Internets zueinanderfinden: Wie kommen Sensordaten aus einem Bienenstock auf eine Website? Wie kommen sie in einen Facebook-Messenger Chatbot? Und wie kommen Nachrichten aus klassischen Kanälen auf neue Displays?

Für all diese Fragen gibt es Postdienste. Und die bekannteste ist der Service IFTTT. Das steht für „if this then that“, also „Wenn dies passiert, tue das“. IFTTT ist ein einfacher und kostenloser Service, um Apps, andere Services und Gegenstände miteinander sprechen zu lassen. Es ist so simpel, wie es klingt – aber auch genial. Stellen Sie sich IFTTT als fleißigen Hotelpagen vor, der Ihnen auf fast magische Weise immer dann zu Diensten ist, wenn Sie ihn brauchen. Neben IFTTT sind dafür auch die Dienste Microsoft Flow, Automate.io und Zapier geeignet.

Mit IFTTT programmieren wir sogenannte Applets. Das sind kleine Regeln, die festlegen, welche Reaktion auf ein Ereignis folgen soll („Wenn dies passiert, tue das“). Eine solche Regel – man könnte auch sagen, ein solches Rezept – könnte etwa lauten: „Wenn es dunkel wird, schalte die Lampe an“ oder „Wenn die Tagesthemen beginnen, dimme das Licht“. Für ein Applet braucht es keine Zeile Code.

Screenshot Login-Scxreen IFTTT mit folgender Schrift: Every thing works better together.
Alle Dinge arbeiten besser zusammen, wenn sie sich verstehen. Dafür will der Dienst IFTTT sorgen. | Screenshot ifft.com
Jakob Vicari

Kommen Ihnen inzwischen Zweifel, dass das etwas mit Journalismus zu tun haben könnte? Nun ja, die New York Times hat seit 2013 eine eigene IFTTT-Schnittstelle, die Leserinnen individuell nutzen können. Eine Leserin etwa lässt sich per IFTTT benachrichtigen, wenn ein Artikel zu Kryptowährungen erscheint, ein Leser speichert die wöchentliche Bestsellerliste automatisch in eine Tabelle ab, die dritte lässt sich einfach das Kreuzworträtsel per E-Mail senden.

IFTTT lädt zum Spielen mit der Welt der vernetzten Dinge ein. Denn es macht Spaß, die Dinge miteinander in Dialog zu bringen. Auch der Sport-TV-Sender ESPN, die amerikanische Instyle, Fox News und Buzzfeed haben längst eigene IFTTT-Channels. Aber denken wir noch einen Schritt weiter: Mithilfe von IFTTT könnte man auch das Licht flackern lassen, wenn ein neuer Artikel im Technologieressort der New York Times erscheint, oder bei der Meldung über einen nahen Brand die Fenster im Smart Home schließen lassen. Denn IFTTT setzt eine Kernidee im Journalismus der Dinge um: Journalismus kann durch vernetzte Dinge entstehen. Er kann aber auch Auslöser für Aktionen vernetzter Dinge sein.

Ein Screenshot von journalistischen Applets.
Einige meiner journalistischen Applets im Internet der Dinge | Screenshot von ifttt.com
Jakob Vicari

Diese Applets sind etwas Tolles. Gut gemacht erwischt eine Benachrichtigung von IFTTT Ihre Leserin im richtigen Augenblick auf dem richtigen Kanal mit exakt der Information, die sie braucht. Das ist Journalismus, der zum Kontext passt. Leider ist IFTTT nicht immer auf Zack und so kann es auch schon mal fünf Minuten dauern.

Trotzdem: Haben Sie schon darüber nachgedacht, was die Leser Ihres Mediums für IFTTT-Regeln erstellen würden? Welche Rezepte ihren Alltag erleichtern und bereichern würden? Welche Ereignisse oder Meldungen gute Trigger abgeben würden? Dann probieren Sie es doch einfach aus.

Zehn Ideen für Journalismus-IFTTT-Rezepte

  1. Informieren Sie Ihre Leserinnen mit einem Tweet, wenn die ISS über ihrem Kopf entlang fliegt. Vielleicht mit Verweis auf die Weltraumreporter? (Meine Anleitung dazu finden Sie hier.)
  2. Bekommen Sie eine E-Mail, sobald ein Co-Autor ein neues Google-Dokument anlegt.
  3. Verschicken Sie automatisch eine Warnung auf Facebook, sobald die WHO eine neue Seuchenwarnung herausgibt.
  4. Begrüßen Sie neue Follower auf Twitter mit einer individuellen Willkommensbotschaft.
  5. Lassen Sie sich automatisch einen Espresso brühen für jeden neuen Follower.
  6. Fügen Sie populäre Artikel aus der New York Times automatisch zu Ihrer iOS-Leseliste hinzu.
  7. Fügen Sie Riffreporter-Artikel (per RSS) automatisch zu Pocket hinzu.
  8. Bestellen Sie eine Pizza bei Dominos (wenn IFTTT den Fehler behoben hat), wenn ihre Lieblingskoralle einen Longread veröffentlicht
  9. Empfehlen Sie Ihren Lesern automatisch den Standard-Kommentar "Das Märchen vom Mini-Jetlag" von Peter Spork zur Zeitumstellung, wenn die Zeitumstellung ansteht.
  10. Empfehlen Sie Ihren Leserinnen automatisch den Standard-Servicetext zum Sonnenschutz, sobald die Temperatur über 28 Grad steigt.

Was hält Sie auf? Entdecken wir gemeinsam den automatisierten Journalismus der Dinge.

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Jakob Vicaris Journalismus der Dinge