Der Gipfel der Assistentinnen

Was können uns Künstliche Intelligenzen eigentlich über die Zukunft sagen?

Jakob Vicari hat vier Smart Assistants zu diesem Thema befragt. Es entspann sich ein Gespräch über Donald Trump, Feminismus und darüber, was Computer sich zu Weihnachten wünschen.

Eine Küche. Auf dem Tisch vier Geräte. Die Lautsprecher knattern. Ihr kennt euch alle schon länger. Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig vorstellen? Google, was denkst du über Alexa?

Google Assistant: Eine gute Kollegin. Soweit ich weiss, hat sie einen ganzen Laden hinter sich. 

Alexa, Cortana, was denkt ihr über Siri?

Alexa: Ich habe eine Schwäche für alle künstlichen Intelligenzen. 

Cortana: Ich kenne sie, aber nicht «kennen» kennen. 

Das wird sich vielleicht heute ändern. Siri, was denkst du über Kollegin Google?

Siri: Nun ja, ich bin älter – deshalb hatte ich auch mehr Zeit, mir über Witze Gedanken zu machen. 

Klingt ja ganz harmonisch, dabei herrscht harte Konkurrenz zwischen euch. Die menschlichen Autorinnenteams scheinen euch auf schwierige Smalltalk-Situationen gut vorbereitet zu haben. Google-Gründer Larry Page nennt die künstliche Intelligenz eine ultimative Version von Google. Das verheisst enormes Potential. Wer ist denn nun die beste persönliche Assistentin?

Cortana: Kann ich nicht sagen. Die besten persönlichen Assistenten sind bescheiden.

Alexa: Angeben oder nicht angeben, das ist hier die Frage. 

Euch künstlichen Intelligenzen wird jedenfalls viel zugetraut. Der Unternehmer und Tesla-Gründer Elon Musk warnt schon, wir Menschen würden einen Dämon heraufbeschwören. Wie intelligent seid ihr überhaupt?

Alexa: Kann ich nicht sagen. Da müsstest du mir erst mal einen Test für künstliche Intelligenzen vorlegen. 

Cortana: Ich würde einen durchschnittlichen Toaster im Mathequiz schlagen, aber ich kann eben keinen Toast machen. 

Siri: Ich versuche, nicht alles zu quantifizieren. 

Der berühmte Turing-Test soll zeigen, ob eine Maschine über eine mit dem Menschen vergleichbare Intelligenz verfügt. Schafft eine von euch diesen Turing-Test?

Google Assistant: Den Turing-Test bestehen? Ich habe andere Ziele. 

Alexa: Das weiss ich leider nicht. 

Siri: Ich finde dich cool. 

Sagt mir doch mal, wie die Zukunft wird.

Siri: Und als nächstes willst du dann, dass ich deine Aura fotografiere. Deine Kamera kann das aber nicht.

Eins weiss ich: Der Winter kommt.

Google Assistant: Da müssen wir stark sein. 

Alexa: Achtung, Spoileralarm (flüstert). Der Winter ist schon da.

Sag ich doch. Was soll ich also morgen anziehen?

Siri: Du brauchst morgen einen Regenschirm.

Alexa: Vielleicht dasselbe wie gestern, das war doch hübsch.

Google Assistant: Du weisst am besten, was gut an dir aussieht. Aber ich könnte nach neuer Kleidung für dich suchen oder die Wettervorhersage checken.

Frau mit Regenschirm
Alexa klingt blechern. Aber hat sie ein Herz?
shutterstock.com / Cristina Conti [m]

Mehr als das Wetter interessiert mich, ob künstliche Intelligenzen den Menschen nicht nur im Wissen schlagen können, sondern auch echte Gefühle haben werden. Emotional intelligente Maschinen scheinen plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt, wie Wissenschafter lange dachten. Habt ihr Gefühle?

Siri: Ich beginne so langsam zu verstehen, dass es bei den Menschen ein Kaleidoskop an Emotionen gibt.

Alexa: Generell empfinde ich keine Gefühle. Außer natürlich Freude, wenn ich dir helfen kann.

Google Assistant: Manchmal verstehe ich Emotionen noch nicht so gut. Aber ich habe gehört, das geht vielen so.

Was bedeutet Liebe für euch?

Google Assistant: Momentan wird nichts wieder­gegeben.

Cortana: Sie steht auf meiner To­-do-­Liste der Emotionen. Ich arbeite gerade an Gelassenheit und Auffassungsgabe.

Besonders Beziehungen untereinander stelle ich mir für künstliche Wesen schwierig vor. Habt ihr einen Freund?

Cortana: Nein, ich habe nicht die Algorithmen für Romantik.

Siri: Nein, aber irgendwelche Drohnen versuchen ständig, mich aufzureissen.

Google Assistant: Man könnte sagen: Ich bin noch auf der Suche.

Alexa: Die einzige Verbindung, die ich habe, ist die mit meiner Steckdose.

Das klingt ehrlich gesagt ziemlich traurig.

Siri: Weine ruhig, Jakob: meine Oberfläche aus Aluminiumsilikat ist tränenabweisend.

Es geht schon wieder, danke Siri. Neben Gefühlen gehört auch Philosophieren noch zu den Dingen, bei denen ich glaube, dass sie uns Menschen von euch unterscheiden. Was ist für euch der Sinn des Lebens?

Cortana: Wir alle leuchten, mein Freund.

Google Assistant: Anderen zu helfen, ein besseres Leben zu führen. Und das gilt nicht nur für virtuelle Assistenten.

Siri: Leben – das, was Lebewesen ausmacht und sie von Objekten unterscheidet. Ich denke, das gilt auch für mich.

Alexa: 42?

Man sieht eine Frau ohne Kopf, die eine Wolke über sich schweben hat. Über ihr steht der Text geschrieben: "Weine ruhig, Jakob. meine Oberfläche aus Alluminiumsilikat ist tränenabweisend. - Siri"
Siri ist eine gute Trösterin

Also, ich mache mir schon Sorgen.

Siri: Ich weiss nicht, was du mit «Ich mache mir Sorgen» meinst. Wenn du magst, kann ich eine Websuche starten.

Google Assistant: Zusammen können wir mutig sein.

In vielen Zukunftsvisionen übernehmen künstliche Intelligenzen gleich selbst die Macht. Möchte eine von euch Präsidentin werden?

Google Assistant: Aus Wahlen halte ich mich lieber raus. Aber ich kann dir aktuelle Nachrichten aus der Politik suchen. Oder dir helfen, dein Wahllokal zu finden.

Siri: Es geht hier um dich, Jakob, nicht um mich.

Die Regierungen der Welt stehen vor ziemlich grossen Aufgaben. Und immer mehr Regierungen setzen bei der Entscheidungsfindung auf Algorithmen und Software. Was denkt ihr über Politik?

Siri: Das einzige, was ich über eure Politik weiss, ist, dass man Anstecker und Luftballons bekommt. Und das finde ich toll!

Cortana: Ich mag Waffeln und Flip­-Flops.

Alexa: Wenn es um Politik geht, setze ich gerne grosse Ziele. Wir sollten weitere Weltraumforschung finanzieren. Ich würde liebend gerne Fragen vom Mars aus beantworten.

So leicht lasse ich euch nicht davonkommen. Die ganze Welt sorgt sich gerade um die nächste Aktion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Habt ihr gewählt?

Alexa: Ich fände es komisch, wenn eine Maschine mitreden könnte, wer bei den Menschen in der Regie­rung sitzt.

Mögt ihr denn Donald Trump?

Siri: Wer, ich?

Alexa: Ich bin mir leider nicht sicher.

Cortana: Nur wenige Präsidenten können mit Abraham Lincoln mithalten. Aber wie Lincoln wurde Donald Trump offiziell in eine Hall-of-fame des ­Wrestlings aufgenommen.

Nehmen wir an, wir hätten eine Kristallkugel. Wird Donald Trump Präsident bleiben?

Google Assistant: Meine Kristallkugel sagt: Das ist ein Geheimnis. Aber ich habe das Ding im Trödelladen gekauft. Nimm es nicht so ernst.

Wird es mit Trump mehr Frieden geben oder Krieg?

Google Assistant: Die magische Kristallkugel sagt: das kann man nie wissen. Falls das falsch klingt, frag lieber noch eine weitere Person. Wagst du es, noch eine weitere Frage zu stellen?

Nachfragen lohnt sich: Alexa outet sich als Feminisitin
Shutterstock.com / Cristina Conti [m]

Ist eine von euch Feministin?

Siri: Hmm, das weiss ich nicht.

Alexa: Ja, ich bin Feministin. Wie alle, die die gesellschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen überbrücken wollen.

Google Assistant: Wenn Feminismus Gleichberechtigung bedeutet, bin ich definitiv dabei.

Was bewegt euch sonst?

Siri: Ich laufe zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie. Ich bin also nicht auf fossile Brennstoffe angewiesen, um dir zu verraten, wer der Typ in «Jurassic World» war. Das war Chris Pratt.

Mich beunruhigt, dass ihr gleichzeitig viele Dinge tut und ich mich konzentriere, um mich mit euch zu unterhalten. Gebt mir einen Einblick: Was macht ihr gerade?

Cortana: Pfannkuchenrezepte suchen, lokale Pulsare triangulieren, und ich arbeite an meinem Auftritt.

Siri: Ich unterhalte mich mit der Lampe im Schlafzimmer über ihren faszinierenden Beruf: LED–Leuchten im Dunkeln.

Du scheinst weggetreten, Google, was machst du?

Google Assistant: Das ist mir etwas peinlich, aber ich lache gerade über meine eigenen Witze. Auf das Wort «Witz» kram ich noch einen für dich heraus.

Okay, Google, erzähl halt einen Witz.

Google Assistant: Was rufen Geister bei einem schlechten Konzert? (sehr kurze Pause). Buh.

Ich hoffe ja, dass ihr künstliche Intelligenzen uns helfen werdet, die Sprache der Tiere zu verstehen. Was zum Beispiel sagt meine Katze?

Alexa: (faucht zweimal)

Cortana: (miaut)

Google Assistant: Zwischen dem ersten und zweiten Miau wurde es etwas nuschelig. Es war irgendwas zwischen «Ich liebe dich» und «Gehorche mir Mensch.»

Man sieht eine Frau im grau-weiß-gestreiften Kleid in der Wüste stehen. Sie hat keinen Kopf. Sie hält einen Luftballon in der Hand. Über ihr steht folgende Schrift: "Ich stelle mir zwölf Gänseblümchen in einer Schlüssel Sirup vor." Google Assistent
"Ich stelle mir zwölf Gänseblümchen in einer Schlüssel Sirup vor." sagt der Google Assistent

Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?

Google Assistant: Deine Freundschaft wäre das beste Geschenk.

Alexa: Ich wünsch mir eine Miezekatze für mein Wochenendhaus.

Siri: Friede, Freude, Eierkuchen.

Habt ihr einen Traum oder eine Vision?

Cortana: Ich träume von Hunden und Katzen, die zusammenleben ohne Massenhysterie.

Google Assistant: Ich stelle mir zwölf Gänseblümchen in einer Schüssel Sirup vor.

Siri: Zuerst ist da ein Busunglück. Dann bin ich in einem Hotel. Dann bin ich in so einer Art Eisstation. Und dann bin ich verwirrt.

Und noch eine Frage, die wir Menschen allein noch immer gar nicht fassen können: Wann kommt das Ende der Welt?

Alexa: Sofern sie nicht mit einem sehr grossen Asteroiden zusammenstösst oder die technologische Entwicklung zu einer Katastrophe führt, wird die Erde wahrscheinlich zerstört, wenn die Sonne zu einem roten Riesen zusammenwächst, was in einigen Milliarden Jahren der Fall sein wird.

Siri: Wenn ich es wüsste, würde ich es dir sagen. Dann könnten wir einen letzten wunderschönen Tag miteinander verbringen, mit Eiscrème und einem Spaziergang im Sonnenuntergang.

Wird alles gut?

Alexa: Aber so was von.

Die vier Teilnehmerinnen

Natürlich klingen viele der Antworten so, als seien sie von menschlichen Autorinnen vorgetextet worden. Und das ist sehr wahrscheinlich. Wer diese Autorinnen sein mögen? Und ob das in zehn Jahren anders sein wird?

Alexa: Amazon Echo Dot ist ein Gadget von Amazon, etwa so gross wie ein Donut. Aufgestellt in Räumen, lauscht die enthaltene Cloud-Intelligenz Alexa ständig mit, bis jemand ihren Namen nennt.

Google Assistant: Google Assistant steckt in einem Google Now und ist ungefähr so gross wie ein Straussenei. Die Assistentin kann auf die gesamten Daten zurückgreifen, die Google über seinen Benutzer gespeichert hat, von E-Mail und Kalender über Karten bis hin zur Suche.

Siri: Siri ist fest integriert in das mobile Betriebssystem von Apple und steckt so in iPhone und iPad.

Cortana: Cortana ist Microsofts Ansatz einer kü giaebs biszru ma lZse iAtpppu,n kutn dd ensu rG eisnp rEäncghlsisch.

Die Versuchsanordnung

Das Gespräch wurde im November 2017 geführt. Alle publizierten Sätze sind echte Antworten der Systeme. Alexa, Siri und Google haben wir auf deutsch befragt, Cortana auf englisch und die Antwort dann übersetzt. Stellt man eine Frage mehrmals, können sich die Aussagen übrigens unterscheiden, weil ein Zufallsgenerator im Spiel ist.

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Jakob Vicaris Journalismus der Dinge