Cybee flieg!

Wie man Bienen mit Sendern ausstattet

Ein Jahr lang haben wir bei #bienenlive für den WDR Bienen beobachtet. Vor allem Fleißige. Doch Forscher fanden heraus: Die meisten Bienen sind gar nicht mal so aktiv. Das wollten wir uns genauer ansehen – und machten uns auf die Spur der Chill-Bienen.

Journalismus der Dinge– Strategien für den Journalismus 4.0

Ein Jahr lang haben wir für das WDR Projekt #bienenlive Honigbienen beobachtet. Vor allem Fleißige. Manches Mal, wenn wir das Treiben vor den Live-Kameras vom Sofa aus verfolgten, bekamen wir ein schlechtes Gewissen. So viel Fleiß! So viel Engagement! Aber wie fleißig sind die Bienen wirklich? Die Forschung von Wissenschaftlern wie Paul Tenczar ist spannend. Die Forscher sagen: Die meisten der Arbeiterinnen sind eher chillige Zeitgenossinnen.

Das wollten wir genauer wissen. Wir brauchen eine Einzelbienen-Erkennung!

Wir haben uns also Tenczars Laser-Scanner besorgt. Und Sensor-Chips. Die sind so klein wie ein Staubkorn. Und passen problemlos auf den Bienenrücken. Dann sahen wir uns die Forschung genauer an. Zum Glück beschreiben die Wissenschaftler recht genau, wie sie vorgehen. Wir, Bertram und ich, haben beide Biologie studiert. Das müssten wir hinbekommen.

Wir fangen unsere erste Biene direkt am Flugloch. Sie trägt dicke gelbe Pollenhöschen. Sieht also aus wie eine fleißige Arbeiterin. Oder ist sie nur eine gute Täuscherin?

Wir lassen die Biene in das Zeichenrohr für Königinnen krabbeln. Das ist eine Röhre, die vorne mit einem Gitter verschlossen ist. Mit einem Schaumstoffballen kann der Imker die Biene vorsichtig gegen das Gitter drücken. Und sie markieren. So unser Plan. Doch unsere Biene krabbelt durch das Gitter und will losfliegen. Klar, die Arbeiterin ist viel kleiner als ihre Königin.

Mikroskop, Pinzette, Bienenfänger
Unsere Werkzeuge für die Bienenmarkierung
Jakob Vicari

Doch wir haben einen Plan B: Die Biene kommt nun sacht in eine Frühstücksdose. Und dann für fünf Minuten bei Minus 15 Grad in den Tiefkühler – um sie zu betäuben. Leicht gekrümmt liegt die Biene da. Mit einer feinen Pinzette legt Jakob sie in Position. Bertram öffnet einen Flakon, wie er für Parfumproben benutzt wird. Darin: Klebstoff. Er tupft einen Zahnstocher in Zeichenleim, wie er zum Markieren von Königinnen benutzt wird. Er platziert einen feinen Tropfen Leim auf dem Rücken von unserer ersten Versuchsbiene.

Ruhige Hand gefragt

Dann kommt der schwierige Part: der Chip. Er ist nicht mehr als eine feine schwarze Ahnung auf der weißen Schreibtischplatte. Mit der feuchten Spitze eines Zahnstochers hebt ihn Bertram an. Und verfrachtet ihn auf den Bienenrücken. Unsere erste CyBee. Der Laser piept. Auf dem Display wird die ID der Biene angezeigt: Nr. 289846398.

Wir stellen Biene Nr. 289846398 in die Sonne. Langsam erholt sie sich. Nach zehn Minuten krabbelt sie über den Tisch. Der Chip leuchtet in der Sonne wie ein Schmuckstück. Dann hebt sie ab. Zwei Stunden später haben wir acht Bienen verchipt.

Bienenstock mit Einflugschranke
Die Chip-Bienen krabbeln durch das Röhrchen, der Laser piept
Jakob Vicari

Vor dem Bienenstock ist an diesem bedeckten Tag nicht viel los. Wir verschließen den Eingang, sodass nur noch ein transparentes Röhrchen zur Verfügung steht. Darüber leuchtet der Laser. Der Bienenrücken muss genau zehn Millimeter entfernt sein. Dann kann der Laser den Chip mit Energie versorgen und bekommt die Identifikation zurückgemeldet.

Die Helfer von Tenczar haben deshalb jeder Biene zwei Chips auf den Rücken gepackt. Jetzt müssen wir warten, bis eine unserer CyBees den Stock verlässt und unser Leser piept. Drei- bis viermal verlässt eine durchschnittliche Arbeiterin ihren Stock. Unsere acht CyBees erholen sich. Und verlassen den Stock an diesem Tag nicht mehr.

***

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