Ein Kölner mischt Barcelona auf

Der Wunsch nach Veränderung von innen – Der Unternehmer Karl Jacobi will Bürgermeister werden

Björn Göttlicher Der Kölner Unternehmer Karl Jacobi

Ein Kommentar von Björn Göttlicher.

Teil 2 - Der Wunsch nach Veränderung von innen – Karl Jacobi, Unternehmer

Unternehmer Karl Jacobi neigt schon durch sein Äußeres zur Provokation: Er verdeutlicht durch seine Kleidung sein „Nein“ zur Unabhängigkeit Kataloniens. Eine rotweiße Krawatte und ein Anstecker in Form und Farbe Spaniens dienen ihm als Symbol gegen den ausufernden Separatismus. Jacobi sticht inmitten dieser großen Anzahl deutscher Unternehmer, die im Club d’Equestre in Barcelona beim Cocktail versammelt stehen, hervor. Er schert sich nicht sonderlich um die geltenden Vorschriften im Club, da ist er Ur-Kölner. Als wir in den Innenräumen keine Porträts fotografieren dürfen, gehen wir nach draußen. Dabei antwortet er mir geduldig auf meine Fragen.

Vor 37 Jahren ist Jacobi nach Barcelona gekommen und hat sich in der Werbebranche einen Namen gemacht. Seine Kunden fand er in anderen deutschen Firmen, für die er sich ins Zeug legte, wie er gerne erzählt. Er hat die Wirtschaftskrise in Spanien leidvoll miterlebt, als wichtige Auftraggeber ihre Etats komplett einfrieren mussten. Er gibt zu bedenken, dass die Krise in diesem Teil Europas bis heute nicht überwunden ist. Für ihn ist der Niedergang der Stadt Barcelona aber ebenso verknüpft mit dem Streben der Katalanen nach Unabhängigkeit von Spanien und lokaler Misswirtschaft. 

Karl Jacobi würde als Bürgermeister Transparenz einführen. Seine Themen sind die digitale Entwicklung, der fehlende Wohnraum und der Umweltschutz.

Nachdem er im März 2018 den Parlamentspräsidenten Torrent vor laufender Kamera ins Gefängnis wünschte, sei er mit Mails überflutet worden: Zwischen 10.000 und 15.000 Nachrichten seien es gewesen. Sie seien aus aller Herren Länder gekommen und hätten ihn in seinem Wunsch bestärkt, sich selbst als Person im öffentlichen Leben der Stadt einzubringen. Karl Jacobi will den Katalanen klarmachen, dass sie sich um dringendere Probleme als die Unabhängigkeit kümmern sollten, wie beispielsweise Korruption, Wohnungsnot und Umweltschutz. 

Feingefühl und Diplomatie scheinen im Umgang mit den Katalanen nicht seine große Stärke zu sein. Das sieht man im Club d’Equestre, einem vornehmen Reiterclub, wo eine Wahlveranstaltung eines Kontrahenten stattfindet. „Mir haben sie bei der Veranstaltung Redeverbot erteilt “, flüstert Jacobi mir zu. „Sie haben nämlich Angst, ich könnte eine Debatte in Gang setzen, die sie nicht mehr kontrollieren können. Deswegen muss ich schweigen.“ Auf meine Rückfrage, ob es denn sein Ansinnen sei, eine Debatte in Gang zu setzen, die niemand kontrollieren könne, antwortet er lapidar: „Ist mir egal.“

Ein Schwerpunkt von Jacobis Wahlprogramm ist der Bau einer Insel vor Barcelona, denn Wohnraum ist in der Stadt knapp bemessen. Für dieses Projekt nach dem Vorbild von Dubai hat er reichlich Häme einstecken müssen, denn die Presse hielt die Idee für illusorisch. Karl Jacobi hingegen nicht. Er will dort Sozialbauten errichten, bekam keine zwei Tage später den Anruf einer Baufirma, die ihm die Machbarkeit einer Insel im Mittelmeer auf Heller und Pfennig durchgerechnet hatte. Sein Programm hatte er auf dem Plaça San Jaume, einem öffentlichen Platz, vor mehrheitlich separatistischem Publikum, wie er sagt, laut vorgelesen. 

Heftige Buhrufe seitens für die Unabhängigkeit eintretender Bürger sind in einem Video von der Veranstaltung auf seinem YouTube Kanal zu sehen. Als ich ihn auf diese Szene anspreche, gibt er zu bedenken, dass er zwar beschimpft, ihm aber ein Buch über die Unabhängigkeit Kataloniens als Geschenk überreicht wurde. Ob er es gelesen hat, habe ich ihn nicht gefragt.

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Eine Projekt-Idee des Unternehmers Karl Jacobi ist der Bau einer Insel nach dem Vorbild von Dubai vor der Küste von Barcelona, die den Namen der Stadt weithin lesbar machen soll. Hier eine Fotomontage.
Eine Projekt-Idee des Unternehmers Karl Jacobi ist der Bau einer Insel nach dem Vorbild von Dubai vor der Küste von Barcelona, die den Namen der Stadt weithin lesbar machen soll. Hier eine Fotomontage.
Björn Göttlicher
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