Wildes Wasser – heiß umkämpft

Wie die Rettung natürlicher Gewässer die Entstehung der Nationalparks in Österreich ermöglicht hat.

Sonja Bettel Gletscherbach

 An einem Dienstag Mitte Juni fahren wir – eine kleine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten samt fachlicher Begleitung – in zwei kleinen Bussen des Nationalparks Hohe Tauern über eine steile Almstraße ins Obersulzbachtal in Salzburg. Plötzlich bremst Ferdinand Lainer, stellt den Motor ab und steigt aus. Hier geht es nicht mehr weiter, eine dicke Schicht Steine und Schlamm hat die Straße verlegt. Ausgelöst durch ein heftiges Gewitter am Vorabend hat sich vom Hang eine Mure gelöst und sich ihren Weg in Richtung des tiefer gelegenen Obersulzbaches gebahnt. Am oberen Ende der Mure steht das Geländeauto des Betreibers der Postalm, der seine Gäste abholen wollte; am unteren Ende stehen wir gemeinsam mit ein paar Wanderern und Mountainbikern und staunen über die Naturgewalten.

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Interaktives Panorama der Krimmler Wasserfälle von Thomas Bredenfeld:

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Sonja Bettel

Ein Nationalpark der Superlative

Der Nationalpark Hohe Tauern ist mit einer Fläche von 1856 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet in den Alpen. Er reicht von 1000 Meter Seehöhe in den Tälern bis zum 3798 Meter hohen Gipfel des Großglockners. Er umfasst aber nicht nur eine Vielzahl an imposanten Berggipfeln, sondern auch 279 Bäche, von denen 57 von Gletschern gespeist werden, drei eindrucksvolle Wasserfälle (Krimmler, Umbal und Gößnitz) und 500 Bergseen.

Die speziellen klimatischen, geologischen, hydrologischen und topografischen Verhältnisse machen den Nationalpark Hohe Tauern zu einer abwechslungsreichen Landschaft und bedingen eine große Vielfalt an Ökosystemen und Lebensgemeinschaften mit zahlreichen Endemiten, die nur in den Ostalpen vorkommen. Mehr als ein Drittel aller in Österreich nachgewiesenen Pflanzenarten und etwa die Hälfte der Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien sind im Nationalpark Hohe Tauern zu finden.

Mittlerweile sind alle drei Teile des Nationalparks Hohe Tauern auch von der IUCN, der International Union for Conservation of Nature, als solche anerkannt (Kategorie II der IUCN). Teile der Sulzbachtäler erhalten 2019 sogar die Anerkennung als Kategorie Ib, also als Wildnisgebiet.

Genau dorthin wollten wir, die Gruppe von Journalistinnen und Journalisten mit Vertretern des Nationalparks und des Vereins Nationalparks Austria, Mitte Juni auch hin. Weil der Weg ins Obersulzbachtal durch Steine und Schlamm versperrt ist, kehren wir um und fahren direkt ins parallel verlaufende Untersulzbachtal. Unterwegs kommt uns ein Bagger entgegen, der die vermurte Almstraße wieder freischaufeln soll.

Gletscherbach rechts, Forststraße links, im Hintergrund ein dreieckiger Berg mit Schnee.
Straße ins Untersulzbachtal, im Hintergrund der Kleinvenediger.
Sonja Bettel
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