Innovative Lösung für ein Grenzproblem

Die Thaya erhält zwei Mäander zurück

Vor 30 Jahren wurde der Grenzfluss Thaya begradigt und verkürzt. Nun wurden in Österreich und Tschechien zwei Mäander wieder angebunden – mit einer gefinkelten Konstruktion, um eine Änderung des Grenzverlaufs zu vermeiden.

 An einem Samstag Ende Mai macht sich eine kleine Gruppe flussbegeisterter Menschen am frühen Vormittag von Bernhardsthal im östlichen Niederösterreich auf an die Thaya. Eingeladen zur Exkursion haben die Naturschutzorganisation WWF gemeinsam mit dem Storchenhaus Marchegg. Über einen sandigen Fahrweg und an Auwaldresten vorbei marschiert die Gruppe bis zu einer Stelle, an der es nicht weitergeht, zumindest nicht geradeaus am Fluss entlang. Denn der Fluss führt nun wieder – auch – nach rechts und bildet einen Mäander. Die Stelle schaut auf den ersten Blick unspektakulär aus, man kann aber erkennen, dass hier vor nicht allzu langer Zeit gebaggert worden sein muss, weil das Erdreich am Ufer nicht natürlich abgelagert aussieht und erst teilweise bewachsen ist. Tatsächlich wurde hier im vergangenen Herbst ein wichtiges Projekt durchgeführt, das auch eine juristische Spitzfindigkeit enthält, doch dazu später mehr.  

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Sonja Bettel
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Sonja Bettel
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Sonja Bettel
Bagger steht in trockenem Flussbett.
Bauarbeiten am Mäander 18 der Thaya.
Die Vertragsstaaten verstehen unter der Mittellinie der Thaya eine kontinuierlich und flüssig verlaufende Linie, die, soweit es ihr kontinuierlicher flüssiger Verlauf zuläßt, von den beiden Uferrändern des Mittelwasserbettes gleich weit entfernt ist. Als Uferränder des Mittelwasserbettes gelten die Benetzungslinien des Flusses – bei Inseln die Benetzungslinien des Hauptarmes – bei Mittelwasser. Mittelwasser besteht bei einem Abfluß von 45 m3/s, gemessen im Pegelprofil Bernhardsthal. Als Hauptarm gilt der Arm des Flusses, der bei Mittelwasser die größere Durchflußmenge aufweist.
(Vertrag zwischen der Republik Österreich und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik über die gemeinsame Staatsgrenze, BGBl. Nr. 344/1975, Artikel 3 (3) )
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Sonja Bettel
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Sonja Bettel
Muschel in Händen am Fluss.
Eine Flussmuschel aus der Thaya.
Sonja Bettel
Pflanze Osterluzei.
Osterluzei am Thaya Mäander.
Sonja Bettel
verschiedene Pflanzen
Rotgelbes Fuchsschwanzgras am Thaya Mäander.
Sonja Bettel
Fluss, rechts Ufer gesichert mit ein den Boden gerammten Baumstämmen.
Ufersicherung am Mäander 18 der Thaya mit Robinienstämmen.
Sonja Bettel
Schwimmende Insel auf der Thaya.
Die Schwimminsel.
Sonja Bettel
Fluss mit bewachsenem Ufer, auf dem Wasser eine schwimmende Insel aus Gras.
Schwimminsel in der Thaya.
Sonja Bettel
Schwimmende Insel aus Gras auf dem Fluss.
Die Schwimminsel treibt flussabwärts.
Sonja Bettel
Schwimmende kleine Insel aus Gras auf Flussoberfläche.
Die Schwimminsel treibt weiter.
Sonja Bettel

Die Renaturierung der Thaya-Mäander wurde im Rahmen des Interreg-Projekts "Thaya2020" von der tschechischen Flussverwaltung Povodí Moravy s.p. umgesetzt. Auf österreichischer Seite sind via donau, die Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH, das Umweltbundesamt Wien und der Nationalpark Thayatal Partner. Auf tschechischer Seite ist die Wasserwirtschaftliche Forschungsanstalt Výzkumný ústav vodohospodářský T. G. Masaryka Projektpartner. Als strategische Partner sind auch das Land Niederösterreich sowie der tschechische Nationalpark Národní park Podyjí eingebunden. Das Projekt "Thaya2020" umfasst außerdem eine Verbesserung der Gewässerökologie im Bereich der beiden Thaya Nationalparks in Österreich und Tschechien und soll bis zum Jahr 2020 fertiggestellt werden. Die Kosten betragen insgesamt rund 1,8 Millionen Euro, davon trägt 85 Prozent die Europäische Union über das Interreg Programm. Die Förderzusage erfolgte Ende 2017, Baubeginn war im Oktober 2018.

Beim Mäander 18 im Gemeindegebiet von Bernhardsthal wurden 8.500 Kubikmeter Material entfernt. Seit Februar 2019 fließt die Thaya damit wieder durch ihren Mäander. Die bauliche Umsetzung des Mäanders 9 auf tschechischer Seite im Bereich des Gemeindegebiets von Rabensburg ist im Gange und soll bis Herbst 2019 abgeschlossen sein.

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