Schwimmen im Fluss

Naturnahe Flüsse laden zum Baden. Das Schwimmen in einem fließenden Gewässer ist ein großes Vergnügen, aber auch nicht ungefährlich. Erfahrungen und Tipps.

Sonja Bettel Fluss in der Stadt mit Badenden.

Ein Beitrag von Flussreporter – dem Online-Magazin zu Flüssen und Flusslandschaften

Man könnte meinen, dass heutzutage jeder einen kleinen Swimmingpool in seinem Garten hat. Jedenfalls erweckt ein Blick auf das Satellitenbild eines x-beliebigen Ortes in Mitteleuropa diesen Eindruck. Tatsächlich sind Seen, Teiche und Flüsse aber immer noch sehr beliebt, wenn es heiß ist und man sich und seinen Hund abkühlen möchte. Wir Flussreporter waren bei unserem ersten Team-Treffen in München begeistert davon, wie sehr die Isar und der Eisbach zum Baden, Schwimmen und sogar Surfen genutzt werden. Wir haben deshalb Sie, werte Leserinnen und Leser, gefragt, ob Sie gerne in einem Fluss baden oder schwimmen. Ihre Erlebnisse, Tipps und Fotos sammeln wir hier – als Anregung für den nächsten heißen Sommer.

Danke dafür! Und bitte mehr, wir ergänzen gerne.

Gummiboot und Panikattacke: Schwimmen in der Aare

von Paul Ott, pensionierter Lehrer und Krimiautor aus Bern, Schweiz

Bern ist seit seinen Ursprüngen vom Fluss geprägt, der heute „die Aare“ heisst. Die Bedeutung des Namens ist nicht geklärt, wahrscheinlich ist er indoeuropäischen Ursprungs und bedeutet einfach nur „fliessen“. Ob die Kelten denselben Begriff benutzt haben, bleibt ebenfalls im Dunkeln. Gesichert ist allerdings der gallo-römische Vicus „Brenodurum“ auf der Engehalbinsel im Norden der heutigen Stadt. Davon waren nur noch ein paar Mauern übrig, als Herzog Berchtold V. von Zähringen 1191 das neue Bern gründete, und zwar in der ostwärts gerichteten Aareschlaufe, die nun die Altstadt umfasst.

Während die Aare früher dem Warentransport und der Abfallentsorgung diente, ist sie heute zu einem Freizeitgewässer geworden. Eichholz, Marzili und Lorraine, das sind die Namen der drei Flussbäder auf Stadtgebiet. Obwohl das Schwimmen in der Aare schon immer sehr beliebt war, hat die Betriebsamkeit in den letzten Jahren zugenommen. Einen Boom erlebt das Befahren des Gewässers mit Gummibooten und anderen mehr oder weniger geeigneten Gefährten - man könnte meinen, der Ausflugssport schlechthin für die Familie.

Dabei bleibt jede Tätigkeit im Fluss durchaus gefährlich. Die Aare ist zwar weitgehend gezähmt, führt aber je nach Jahreszeit viel Wasser, gerade im Frühsommer kühles Schmelzwasser aus den nahen Berner Alpen. So erreicht der Fluss nur an wenigen Tagen Temperaturen von oder gar über 20 Grad. Die echten Aareschwimmer/innen kümmert das allerdings wenig. Es gibt Menschen, für die ist das Wasserstrampeln eine Ganzjahresbeschäftigung. Wenn der Fluss viel Wasser führt, kann man sich im Aussenbereich der Kurven in hohem Tempo treiben lassen, während man im Strömungsschatten nur mehr mühsam vorankommt.

Eine Warnung ist angesagt: Ausschliesslich geübte Schwimmer/innen haben in der Aare etwas zu suchen, denn es gibt keine Badeaufsicht. Neben der unterschiedlichen Tiefe und den oft nicht sichtbaren Gefahren unter der Oberfläche gibt es im strömenden Wasser immer wieder Verwirbelungen. Die meist kleineren lösen vielleicht ein wohliges Erschrecken aus, wenn es einem die Beine kurzzeitig nach unten zieht, bei den heftigeren vor allem hinter Brückenpfeilern besteht durchaus Lebensgefahr. Die Berner wissen Bescheid, und die gefährlichsten Stellen sind signalisiert, aber Ortsunkundige lassen sich manchmal auf Abenteuer ein, besonders mit dem Gummiboot.

Fluss mit Schwimmenden
Schwimmer in der Aare in Bern.
Paul Ott
Fluss, im Hintergrund eine Liegewiese
Liegewiese an der Aare in Bern.
Paul Ott
alte Häuser und dahinter Fluss und Brücke
Blick von der Stadt Bern auf die imposante Aare.
Paul Ott

Ich spreche aus jahrzehntelanger Erfahrung. Einmal haben wir uns mit Müh und Not mit den Rudern aus einem Brückenpfeilerwirbel herausgekämpft. Ein anderes Mal schwamm ich viel zu lange im kühlen Wasser und kam bereits müde zu der Stelle, an der ich unter dem Lorraine-Eisenbahnviadukt den Fluss queren musste, um meine Ausstiegsstelle zu erreichen. Mittendrin, je etwa 30 Meter vom Ufer entfernt, wurde mir schwarz vor Augen. Die nächsten Schwimmenden zu weit weg für einen Hilferuf. Der Körper schaltete blitzschnell auf Panikmodus, laut klopfender Herzschlag, massiv erhöhter Blutdruck, hyperaktive Muskeln. Der Verzweiflung nahe erreichte ich mit einigen wilden Schwimmstössen eine Stelle neben dem Ufer, an der ich Bodenkontakt hatte. Ich schwamm fünf Minuten weiter, bis sich die Panik gelegt und ich die Ruhe wiedergefunden hatte.

Mit umso grösserem Respekt begegne ich seither dem Element, das ich stets als freundlich empfunden hatte. Und desto mehr geniesse ich das Treibenlassen im Fluss, wenn ich zum Beispiel beim Marzili unter den Ästen der Trauerweiden auf das Parlamentsgebäude blicke, das über dem früheren Flösserquartier thront, oder wenn ich zu einer ruhigen Tageszeit nahe der Lorraine dem Geräusch der aneinander reibenden Kiesel lausche, den Kopf nur wenig über dem strömenden Wasser. Weit oben fährt ein Zug über eine der vielen Berner Brücken, während man in der Aare dem Alltag entrückt durch eine entschleunigte Welt schwebt.

Zwei Bären baden im Fluss.
Auch die berühmten Bären von Bern baden gerne, allerdings getrennt von den anderen Badenden.
Paul Ott

Baden im Fluss - klar, jedes Jahr!

Ich habe das große Glück genau AUF einem Rheinstromkilometer zu wohnen und habe einen Badestrand (wir nennen es „Hausriff“) vor meiner Haustür. Dort kommt man nur mit dem Boot hin und man fühlt sich wie am Meer...

schreibt uns "Buhnenfischer" Jens Breer, daheim in der Nähe von Koblenz (Deutschland).

Sandstrand mit Brücke
Ein Strand am Rhein.
Jens Breer
Boot am Ufer des Rhein
Jens Breer
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Flussreporter