Die Wiesenweihe braucht menschliche Hilfe

Carl-Albrecht von Treuenfels: Meine Vogelbeobachtungen, Teil 4

Carl-Albrecht von Treuenfels

Mein erstes Portrait der Wiesenweihe aus dem Jahr 1978 liest sich aus heutiger Sicht fast wie ein Abgesang. 50 Exemplare gab es damals noch im ganzen Westen Deutschlands. Seither hat sich die Lage zum Glück etwas gebessert – aufgrund aktiver Schutzmaßnahmen. Als ich 2006 den zweiten Wiesenweihen-Artikel schrieb, war ich gerade als Beobachter von einer aufregenden Naturschutzaktion im bayerischen Teil Mainfrankens nach Frankfurt am Main zurückgekehrt. Manche der im Text genannten Namen und Daten sind nicht mehr aktuell, doch das Programm zum Schutz der selten gewordenen Greifvogelart gibt es seitdem bis heute in verstärktem Maß.

In Bayern ist der Schutz der Wiesenweihe zu einem wichtigen Projekt des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Landesnaturschutzbehörden geworden. Auch in anderen Bundesländern, wie etwa in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, haben sich Arbeitsgemeinschaften zum Schutz der Wiesenweihen gebildet. Diese sind im Prinzip nach derselben Methode des Horst- und Biotopschutzes vor allem zur Brutzeit tätig. Nicht ohne Erfolg: Auf 470 bis 550 Paare beziffert der 2014 erschienene Atlas Deutscher Brutvogelarten den Bestand, der allerdings von Jahr zu Jahr schwankt. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch 2017 wieder gut 500 Brutpaare in ganz Deutschland einen Versuch gestartet haben, erfolgreich vier bis fünf Eier in ihrem Bodennest auszubrüten und die daraus geschlüpften Jungen bis zum Ausfliegen aufzuziehen.

Das regional unterschiedlich starke Nahrungsangebot, vor allem die von Jahr zu Jahr schwankenden Bestandszahlen von Mäusen, spielt neben der Sicherheit der Brutplätze eine entscheidende Rolle. Dass der zweite Faktor sich weiter positiv entwickelt, dafür sorgen immer mehr engagierte Menschen. Auch die Menge der verfügbaren Nahrung – wie Mäuse und kleine Feldvögel – wird zu einem bedeutenden Anteil vom Menschen beeinflusst. Meistens aber in negativer Weise.

Ein Terzel bei der Jagd: V-förmig gestellte Flügel und ein gaukelnder Flug sind für die Weihen typisch.
Ein Terzel bei der Jagd: V-förmig gestellte Flügel und ein gaukelnder Flug sind für die Weihen typisch.
Carl-Albrecht von Treuenfels

Gleitstoßgreifer unter dem Kreiselmäher (1978)

Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Den Stoß zum Bremsen wie einen breiten Fächer auseinander gestellt und die Schwingen zur V-Form nach oben gezogen, schickt sich das Wiesenweihen-Männchen zur Landung im Schilf-und Grasmeer an. Nicht nur in solchen Augenblicken wird das großartige Können dieser Greifvögel deutlich: Wo immer die schlanken Gefiederten sich auf Jagd befinden, setzen sie Maßstäbe für den Vogelflug. Ob sie im gaukelnden Hin und Her über versumpften Schilfflächen oder über feuchten Wiesen pirschen oder in blitzschnellem Herabstürzen ihre Beute zu fassen versuchen, ob sie während der Balz Kapriolen schlagen oder sich in der Luft bei der Nahrungsübergabe von einem Partner zum anderen für den Bruchteil einer Sekunde mit den Fängen berühren – den Wiesenweihen zuzuschauen, das ist ein besonderes Vergnügen.

 Zusammen mit ihren Verwandten, den Rohr- und den Kornweihen, sind die Wiesenweihen – wie viele andere Greifvögel auch – zu Sorgenkindern der Naturschützer geworden. Während sich der Bestand der Rohrweihen im Laufe der vergangenen zehn Jahre vor allem in Norddeutschland dank strenger Schonung und eines besonderen Rettungs- und Umhorstungsprogrammes für gefährdete Junge etwas stabilisiert hat, gibt es von der Kornweihe in der Bundesrepublik Deutschland nicht einmal mehr ein Dutzend Brutpaare. Der Bestand der Wiesenweihe wird auf fünfzig Paare geschätzt. Und er wird kleiner. Wären nicht in der Vergangenheit einige Gebiete in Schleswig-Holstein und Niedersachsen von der Flurbereinigung verschont geblieben und als Reservate ausgewiesen worden, es sähe noch schlimmer aus.

In Nordrhein-Westfalen werden aus Mitteln des Landesjagdamtes Schonprämien an Landwirte gezahlt, auf deren Besitz Wiesenweihen brüten. Nicht selten nämlich zerstören die Bauern die im hohen Gras feuchter Wiesen gebauten Nester der Bodenbrüter; meistens versehentlich, weil die Brutstätten gut getarnt sind und weil die Vögel erst im letzten Augenblick vom Gelege auffliegen, wenn der Kreiselmäher das Nest schon fast erreicht hat. Dann nützt es häufig auch nichts mehr, um den Brutplatz herum eine Grasinsel stehen zu lassen, denn sie muß einen Durchmesser von mindestens zwanzig Metern haben, wenn die Vögel zurückkommen und weiterbrüten oder aber ihre Jungen füttern sollen.

Der Schutz zusammenhängender Feuchtgebiete ist zentral

Für manchen Landwirt sind die Greifvögel allerdings immer noch "Schädlinge", auf die Rücksicht nicht genommen wird. Dabei gehören gerade die Wiesenweihen zu den besonders "nützlichen" Vögeln, da sie in überwiegendem Maße von Mäusen, Lurchen, Reptilien und Insekten leben. Wenn sie Junge haben, nehmen sie gelegentlich auch die Nachkommen anderer bodenbrütender Vögel wie Lerchen, Pieper, Fasanen und Rebhühner, diese allerdings nur, solange sie wenige Tage alt sind. Was die Fänge der "Gleitstoßgreifer" einmal gepackt haben, das lassen sie nicht wieder los. Die Beutetiere werden durch das Zusammendrücken der Klauen getötet, wenn sie nicht am Herzschlag sterben. Bei der Jagd ist neben den scharfen Augen auch das Gehör ein Ortungsinstrument der Weihen: Wie bei vielen Eulen dient ein wie ein Schleier um die Augen angeordneter Federnhalbkreis als zusätzlicher Schallfänger, der jedes leise Rascheln vom Boden her auffängt.

Trotz blitzschneller Reaktion und bestechender Flugfähigkeit aber kommen in der Regel auf jeden erfolgreichen Beutestoß mindestens zehn vergebliche Anflüge. Daher auch sieht man die Vögel, die in ihrer Verwandtschaft mit einer Körperlänge von 40 bis 45 Zentimetern die kleinsten sind, häufig in der Luft, solange sie ihre drei bis sechs Jungen zu versorgen haben. Anfangs wird den Nestlingen die Beute mundgerecht verkleinert, was Aufgabe des Weibchens ist; später werfen die Eltern die Beute nur noch über dem Horst ab.

Weibchen und Männchen unterscheiden sich nicht nur dadurch, daß "er" wie bei fast allen Greifvögeln um ein Drittel kleiner ist als "sie" (daher die Bezeichnung "Terzel" für die Männchen), sondern auch an der Färbung. Die Terzel fallen mit ihrem leuchtendhellgrauen, am Bauch, an den Unterseiten der Armschwingen und am Stoß mit braunen Streifen versehenen Gefieder sowie mit dunklen Flügelspitzen auf. Die überwiegend braun gefärbten Weibchen lassen beim Fliegen ihren hellen "Bürzelfleck" am Ansatz des Stoßes erkennen, ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zur Rohrweihe. Die Kornweihe hat diesen Spiegel noch ausgeprägter. Das Kornweihenmännchen ist heller als der Wiesenweihenterzel.

Ob die Wiesenweihen auch in der Zukunft noch bei uns zu beobachten sein werden? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wieweit es gelingt, größere zusammenhängende Feuchtgebiete zu erhalten oder gar wieder anzulegen. Sagt den schönen Vögeln ein Gebiet zu und bleiben sie dort ungestört, so siedeln sich meistens gleich einige Paare auf verhältnismäßig engem Raum an. Ein Beispiel dafür gibt es an der schleswig-holsteinischen Westküste, wo mit der Hilfe des Deutschen Bundes für Vogelschutz und des Landesamtes für Naturschutz und Landschaftspflege ein Schutzgebiet für Wiesenweihen geschaffen wurde, das vielen anderen Tierarten gleichfalls zugute kommt.

Graziler Greifvogel: Wiesenweihen ernähren sich von Nagetieren und Kleinvögeln.
Graziler Greifvogel: Wiesenweihen ernähren sich von Nagetieren und Kleinvögeln.
Carl-Albrecht von Treuenfels

Schutzinseln im Getreidemeer (2006)

Von Carl-Albrecht von Treuenfels

"Nr. 435. Rittershausen-West, 27.5.: Weizen, 5.-6. Gasse von Süden (6. Gasse reingehen, 229 Schritte von Osten, geschnitten, 5 Eier; 25.6.: 5 Juv. (2-8 Tage)"

Was sich auf Claudia Pürkhauers Liste wie ein Geheimcode liest, ist ein Wegweiser für die Biologin, den pensionierten Drucker Edgar Hoh und den Rechtsanwalt Ralf Krüger. Die drei sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Wiesenweihenschutz Mainfranken und haben sich von Würzburg in die mainfränkische Agrarlandschaft aufgemacht, um ein Greifvogelschutzprogramm fortzusetzen, das 1994 im Ochsenfurter Gau seinen bescheidenen Anfang nahm – und sich inzwischen zu einem kleinen Wunder des Vogelschutzes entwickelt hat.

Edgar Hoh und Ralf Krüger gehören zu den Initiatoren des Projekts, Claudia Pürkhauer betreut es im Rahmen eines Werkvertrages vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in der vierten Brutsaison. Sie suchen Nester von Wiesenweihen auf, um zu kontrollieren, ob es die Jungen bis kurz vor das Ausfliegen geschafft haben. Falls das so ist, wollen sie sie beringen und einige mit farbigen Flügelmarken versehen. Die Liste enthält die Neststandorte mit den Daten der Entdeckung und Kontrolle, die Zahl der Eier und Jungen von 85 Brutpaaren der zierlichen Weihenart, die auf der Roten Liste der bedrohten Vögel in Europa ganz oben steht. In Deutschland brüten nur noch weniger als 400 Paare von Circus pygargus.

Als im vergangenen Rekordjahr nordöstlich von Würzburg und südlich von Kitzingen 129 Paare der kleinsten in Mitteleuropa beheimateten Weihenart zumindest einen Brutversuch unternahmen, hielt sich auf dieser Fläche gut ein Drittel des gesamten deutschen Brutbestandes auf. Und die 402 Jungen, die 101 erfolgreiche Brutpaare zum Ausfliegen gebracht haben, machten 2005 mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Nachwuchses aus. Die vielen Mäuse und die Schutzarbeit hatten die Vögel beflügelt.

Bambusstäbe mit rot-weißen Bändern markierten das Brutrevier

Zum dritten Mal in diesem Jahr zählen Claudia Pürkhauer und Edgar Hoh die 229 Schritte in der sechsten Fahrgasse des Weizenfeldes ab. Beim ersten Mal fanden sie mit Hilfe von Ferngläsern, Funksprechgeräten und GPS im halbhohen Getreide heraus, wo genau die Vögel immer wieder mal landen. Sie zählten das Gelege, numerierten die Fahrspur, ermittelten und benachrichtigten den Eigentümer des Feldes. Knapp einen Monat später schnitten sie rund um das Nest die Weizenhalme eine Handbreit unter den frischen Ähren ab, damit sich die Halme nicht bei Regen, Hagel oder Sturm über das Bodennest legen mit der Folge, daß die Weihen ihre Brut aufgeben. Die beiden Altvögel, das braungezeichnete größere Weibchen mit dem weißen Schwanzansatz (Bürzelfleck) und das graugefiederte Männchen mit den schwarzen Flügelspitzen, ließen sich durch den Besuch nicht sonderlich stören: Das Weibchen huderte – also wärmte – schnell wieder die Küken, der Terzel versorgte die Familie mit Beute: mit Mäusen, Großinsekten, Kleinvögeln wie Feldlerche, Pieper und Schafstelze.

Dieses Mal halten sich die beiden Weihenschützer nicht lange am Nest auf. Sie stecken die Jungvögel einzeln in Leinenbeutel und kehren schnell zum Feldrand zurück. Dort hat Ralf Krüger die Kästen mit den Aluminiumringen der Vogelwarte Radolfzell und mit grünen Flügelmarken aus Kunststoff bereitgelegt. Die Vögel werden einzeln im Beutel gewogen, dann wird ihr Geschlecht auf der Identitätskarte festgehalten. Es dauert nicht länger als drei Minuten, bis die Vogelkundler den mit Buchstaben und Zahlen versehenen Ring an einem Bein des Vogels angebracht haben. Die Marke aus Lastwagenplanenstoff mit witterungsbeständiger Jahrgangsfarbe, einer gut sichtbaren weißen Zahl und einer aus dem Ausland anzuwählenden Telefonnummer wird am rechten Flügel befestigt und eine Blutprobe für ein DNA-Programm an der Universität Heidelberg entnommen.

Als die fünf Jungweihen zwanzig Minuten später wieder in ihrer Nistmulde auf dem nackten Erdboden sitzen, kreist das Weibchen mit keckernden Rufen über den Menschen, die in ihr Nestrevier eingedrungen sind. Die Eltern stören sich auch nicht an den vier Bambusstäben mit rot-weißen Bändern, die aus dem Weizen ragen. Claudia Pürkhauer hat sie an die Ecken eines Quadrats mit Seiten von jeweils 50 Metern um das Nest in den Boden gesteckt. Dieses Quadrat soll der Bauer bis zum Ausfliegen der Jungen beim Mähen aussparen. Dafür erhält er eine Entschädigung vom Freistaat.

Der Wein reichte nicht mehr, um die Bauern zum Mitmachen zu bewegen

Als hier vor zwölf Jahren zwei Wiesenweihenpaare erstmals auftauchten, galt das unter den Vogelkundlern als einmaliges Ereignis. Gab es doch in ganz Bayern nicht mehr als drei bekannte Brutpaare dieser Zugvögel, die sich von Ende April bis zum September in Europa aufhalten und für den Winter bis nach West- und Zentralafrika fliegen. Schon 1994 gehörten Edgar Hoh und Ralf Krüger zu einer Handvoll Vogelfreunden, die den Versuch der seltenen Greifvögel, in zwei Wintergerstefeldern zu brüten, dazu nutzten, der Art eine Brutheimat zu verschaffen. Sie wußten, daß in Frankreich und Belgien die Wiesenweihen nach der Zerstörung und Umwandlung von Mooren und Feuchtwiesen zum Nisten in Getreidefelder ausgewichen waren. Dort hatten die Vögel jedoch ohne besonderen Schutz nur geringe Chancen, ihre Brut aufzuziehen. Denn auf den meisten Feldern setzt die Ernte ein, bevor die Jungen flügge sind. Selbst wenn die Bauern die Maschine kurz vor dem Bodennest anhalten können, ist es meistens zu spät. Dann ist der Brutplatz freigelegt und für Feinde wie Fuchs, Dachs, Marderhund und Greifvögel leicht zu entdecken. Oder die Altvögel trauen sich zum Füttern der Jungen nicht mehr zum Nest.

Die Naturschützer Claudia Pürkhauer und Edgar Hoh kümmern sich um ein Gelege von Wiesenweihen und versuchen, einen Jungvogel zu beringen.
Die Naturschützer Claudia Pürkhauer und Edgar Hoh im Jahr 2006 – Vereinbarungen mit Landwirten sind für den Wiesenweihenschutz essentiell.
Carl-Albrecht von Treuenfels

Die Vogelfreunde konnten die Bauern der beiden Gerstenfelder dafür gewinnen, bei der Ernte eine größere Fläche um die Nester herum nicht zu mähen. Die Mühen der Vogelschützer und der mit einigen Flaschen Wein belohnte Verzicht der Bauern waren von Erfolg gekrönt: Acht junge Wiesenweihen flogen aus den beiden Nestern aus. Die Ornithologen setzten auf die Ortstreue der Vögel. Eine artspezifische Neigung von Circus pygargus, dicht beieinander zu brüten, ließ die Zahl der Brutpaare unerwartet schnell wachsen. Die trockene Gegend und die von einer Löß-Lehm-Schicht bedeckten Muschelkalkböden bieten gute Voraussetzungen für die Jungenaufzucht. Hier leben viele Feldmäuse, es gibt genügend breite Feldraine und Einsprengsel mit Gras, Klee und Luzerne für Viehfutter als Flächen für die Suchjagd nach den Nagetieren – auch dann noch, wenn das Getreide, der Raps, die Sonnenblumen oder die Rüben zu hoch stehen.

Ohne den unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen Vogelschützer hätte sich die Zahl der mainfränkischen Brutpaare bis zum Jahr 2000 nicht auf 53 mit 117 ausgeflogenen Jungen erhöht. Und es hätten sich nicht weitere Paare im Nördlinger Ries und im Raum Niederbayern/Oberpfalz angesiedelt. Die Aufgaben waren nicht mehr von dem Dutzend ehrenamtlich tätiger Vogelschützer allein zu bewältigen, und die steigende Zahl der von einem Wiesenweihenpaar beglückten Bauern war nicht mehr mit Wein zum Mitmachen zu bewegen. Wiesenweihenbruten sind dann am erfolgreichsten, wenn um das Nest herum das Getreide auf einer Fläche von mindestens einem viertel Hektar bis zum Ausfliegen der Jungen stehenbleibt. 70 Prozent der Brutpaare richten sich auf Feldern mit Wintergerste zur Brut ein, da diese im Mai schon recht hoch steht und Schutz bietet. Die Wintergerste wird aber auch als erstes Getreide geerntet, und dann sind die Jungen meist noch nicht flügge. Im Weizen, Roggen und Tricitale (Weizen-Roggen-Kreuzung), die später reif werden, schaffen es manche Jungvögel auszufliegen, bevor der Mähdrescher anrückt.

Plötzlich verstummte der Sender

 Schon Ende der Neunziger hatten das Bayerische Landesamt für Umwelt und einige Landratsämter Landwirten eine Entschädigung gezahlt und den Vogelschützern einen Teil ihrer Fahrtkosten erstattet. Seit 2000 gibt es das "Artenhilfsprogramm Wiesenweihe" des Landesamts für Umwelt in Bayern. Das Programm deckt auch die Entschädigung für die Landwirte ab. Zwischen 25 und 30 nicht vergütete Arbeitsstunden der Artenschützer erfordert jedes Brutpaar.

 Obwohl die Brutsaison erst um den 20. August abgeschlossen ist, steht für Mainfranken das diesjährige Ergebnis so gut wie fest. Die Vogelschützer hoffen, daß die Mäuseknappheit die Hauptursache für den Rückgang der Brutpaare im Vergleich zum Vorjahr war. Von 85 Paaren waren 45 erfolgreich: Sie brachten rund 120 Junge zum Ausfliegen. Die schlechte Ernährungslage führte dazu, daß mehrfach Rohrweihen die Nester ihrer kleineren Verwandten ausraubten. Doch die größeren Verluste verursacht der Mensch - durch die Vernichtung von Biotopen und Brutplätzen sowie durch direkte Verfolgung in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten. So überlebten zwei im Juli 2005 in den Niederlanden mit Sendern versehene Wiesenweihenweibchen den Winter nicht.

Das eine Weibchen zog über Deutschland, Frankreich und Spanien bis in den Norden Marokkos, wo der Sender plötzlich verstummte. Das zweite Weibchen schaffte es auf einer anderen Zugroute über Italien und Algerien bis nach Niger. Dort verstummten Ende November die Signale. Das Journal "Der Falke" berichtet, ein Bauer habe das Tier getötet, da er um seine Hühner fürchtete. Immerhin brachte er den Vogel zu einem Labor, wo er Teilnehmern einer Expedition aus Europa gezeigt wurde. Diese informierten daraufhin über Radio und Fernsehen die Bevölkerung über die Wiesenweihen: In Afrika sind sie als Heuschreckenjäger nützlich. Und Hühner sind für sie als Beute viel zu groß.

Bisher erschienen: Bachstelze, Bruchwasserläufer, Bienenfresser