Wie Vögel einem Dichter kreativen Schub verleihen

Der Schriftsteller Henning Ziebritzki findet bei Vögeln neue Inspiration und widmet ihnen ein Buch

Von Markus Hofmann

Couleur / Pixabay

Eine Amsel hat ihn aus der Schaffenskrise geführt. Henning Ziebritzki sitzt in einem Café der Universitätsstadt Tübingen, wo er lebt und arbeitet. Ringsum lesen, lernen und schwatzen Studentinnen und Studenten. In der Ecke liegen Kinderbücher und Spielzeug für Kinder bereit, die es am Tisch ihrer Eltern nicht mehr aushalten. „Es war 2013“, sagt Ziebritzki, „als ich beim Schreiben eines Gedichts einfach nicht mehr weiterwusste.“

Zur selben Zeit las er gerade einen seiner liebsten Poeten, den Schotten Robin Robertson. „Es gibt ein furchtbares Gedicht von ihm“, erzählt Henning Ziebritzki. „Das Gesetz der Insel“ heisst es. Es handelt davon, wie ein Mann von seinen Verfolgern ins Meer geworfen wird und zwar so, dass nur noch sein Gesicht aus dem Wasser schaut.

Über Augen und Mund werden dem Mann lebende Makrelen gelegt, um fischfressende Basstölpel anzulocken. Dann müssen die Mörder nur noch darauf warten, bis sich einer dieser grossen und kräftigen Meeresvögel mit seinem spitzen Schnabel auf die Fische und den Mann stürzt: „They stood then, / smoking cigarettes / and watching the sky, / waiting for a gannet / to read that flex of silver / from a hundred feed up, / close it wings / and plummet-dive.“

Dieses Gedicht gab Henning Ziebritzki den Anstoss, einfach einmal zu versuchen, einen Vogel zu beschreiben. Nicht einen Basstölpel, aber einen, der in Tübingen häufig vorkommt, eine Amsel. „Das Beschreiben der Amsel hat mich handwerklich entlastet und kreativ befreit“, sagt Ziebritzki. Sich auf diesen einen Vogel zu konzentrieren und ihn auf wenigen Zeilen zu erfassen, löste bei Ziebritzki die Schreibblockade.

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Henning Ziebritzki: Vogelwerk. Wallstein Verlag, Göttingen 2019, 64 Seiten. 18 Euro, 28.90 Franken.

Die nächsten Lesungen mit Henning Ziebritzki finden am 21. Januar 2020 in München und am 13. Februar 2020 in Stuttgart statt.

Das Gedicht „Law of the Island“ von Robin Robertson findet sich in dessen Buch „The Wrecking Light“, Picador Poetry. London 2010.

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