Ich liebe einen Stänkerer und Soziopathen

Sein Name: Wiedehopf

Von Christiane Habermalz

Bildagentur Zoonar GmbH / Shutterstock Ein Wiedehopf im Flug.

07. Dezember 2016

Auffällige Frisur, unberechenbar, er stochert im Dreck und bespritzt seine Feinde mit Unrat. Donald Trump? Nein, Upupa epops, der Wiedehopf. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig . Oder doch nicht?

Schmetterlingshaft eitel sein Flug, ein Einzelgänger, außer zur Paarungszeit. Der Wiedehopf steht für ein klar konservatives Familienbild: Das Weibchen brütet allein in der Bruthöhle und hudert die Jungen, während das Männchen Nahrung für die Familie heranschafft. Er ist sich für keinen Dreck zu schade: Mit seinem langen, feinen und gebogenen Schnabel bohrt er in Kuhfladen nach Würmern und Insekten, die er dann in die Luft werfen muss, um sie längs aufzufangen und zu verschlingen. Bei Gefahr, oder wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, verspritzen Jung- und Altvögel ein stinkendes Sekret, um Feinde abzuwehren.

Vogel-Mensch-Vergleiche hinken natürlich immer. Man hat noch nie von einem Wiedehopf gehört, der Millionen Steuern hinterzogen hat und trotzdem Wahlen gewinnt. Upupa epops ist ein menschenscheuer Geselle, der die öffentliche Bühne scheut – was man von Trump sicher nicht sagen kann. Aber der Wiedehopf hat für mich viel von einem konservativen Außenseiter in einer sich radikal wandelnden Umwelt.

Anders als Trump ist er allerdings leider der Verlierer der Moderne. Sein Lebensraum, die schönen Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen, sind nahezu verschwunden. Letzte Rückzugsgebiete findet er beim Militär. Kein Wunder, denn sein größter Feind ist der Mensch. Auf Truppenübungsplätzen brütet er in den Rohren von Panzerwracks oder in Bunkerruinen, abgesperrt und eingezäunt, je stärker um ihn herum geschossen wird, desto wohler fühlt er sich.

Hier hat er seine Ruhe vor der modernen Welt, hier in der zerbombten Heidelandschaft findet er noch seine Nahrung: Große Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Käfer, Raupen, Engerlinge. Dumm allerdings, dass viele dieser Insekten auf seinem Speisezettel ihrerseits auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Der kleine Unsympath vertilgt mit Vorliebe Hirschkäfer, Gottesanbeterinnen und Maulwurfsgrillen.

Als ich einen Vogelschützer, der auf einem Truppenübungsplatz Nistkästen für Wiedehopfe aufstellte, auf diesen Widerspruch hinwies, sah er mich misstrauisch an. Er befürchtete zu Recht, ich würde seinen Vögeln schlechte Presse bescheren. Aber das Aussterben der Grillen hat schließlich nicht der Wiedehopf zu verantworten, sondern der massenhafte Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft. Wenn Donald Trump Präsident ist, will er im übrigen Naturschutzauflagen zurückschrauben und den Einsatz von Pestiziden uneingeschränkt zulassen. Das wird Upupa epops nur noch mehr in die Arme des Militärs treiben.

Wie Trump ist der Wiedehopf übrigens sehr egofixiert. Er ruft bei jeder Gelegenheit seinen Namen – humanistisch gebildet in Latein – während Trump den seinen auf Luxusimmobilien in der ganzen Welt prangen lässt. Was Trump nicht weiß: Bei den Moslems, die er künftig aus Amerika verbannen möchte, ist der Wiedehopf ein heiliges Tier. Im Koran wird er erwähnt als der Bote zwischen Salomon und der Königin von Saba, dem heutigen Jemen. Ein Stänkerer und Soziopath im Dienste der interreligiösen Völkerverständigung. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist.

Christiane Habermalz hat beim Deutschlandradio Kultur über viele Jahre hinweg die „Große Vogelschau“ verantwortet und beobachtet auch gerne die Vogelbeobachter. @habermalz

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