Feiert die Vielflieger!

Die Zugvogeltage lockten Zehntausende Naturfreunde an und warben für den Schutz auf der gesamten Reiseroute. Von Johanna Romberg

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Neulich habe ich endlich mal wieder einen richtigen Schwarm gesehen. Einen von der Sorte, die sich wie ein breites Wolkenband über den Himmel ziehen und dann auf die Landschaft niedergehen wie ein Regenschauer.

Es waren Alpenstrandläufer, an die tausend, die von der auflaufenden Flut an der Küste aufgescheucht worden waren und sich danach auf einer noch trockenen Wattfläche niederließen. Da saßen bereits einige hundert Brandgänse, über mehrere Quadratkilometer verteilt, die in aller Ruhe den Schlick nach Wattschnecken durchsiebten, Seite an Seite mit Säbelschnäblern und Rotschenkeln. Zwischendurch flogen auch noch zwei Wanderfalken und eine Kornweihe durchs Bild.

Ich war an die Nordsee gefahren, anlässlich der Zugvogeltage, zu denen der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer jedes Jahr im Oktober einlädt – in diesem Jahr zum zehnten Mal. Die Zugvogeltage sind eine dieser Veranstaltungen, für die man sich als Besucherin eigentlich selbst in einen Vogel verwandeln müsste, oder besser noch gleich in einen Schwarm. Denn das Programm wies in diesem Jahr über 250 Events auf, die sich, im Laufe einer Woche, über die gesamte ostfriesische Küste einschließlich der Inseln verteilten. Neben Exkursionen und Vorträgen gab es unter anderem Vogelmalkurse, Vogelbastelworkshops und „Zugfolkkonzerte“ mit Musik aus den Ländern, die entlang der Vogelzugrouten liegen.

Die knapp starengroßen Alpenstrandläufer sind die häufigsten Zugvögel im Wattenmeer. Oft formieren sie sich zu großen Schwärmen, die mal hell, mal dunkel wirken – je nach dem, ob die Vögel ihre Ober- oder ihre Unterseite zeigen.
Die knapp starengroßen Alpenstrandläufer sind die häufigsten Zugvögel im Wattenmeer. Oft formieren sie sich zu großen Schwärmen, die mal hell, mal dunkel wirken – je nach dem, ob die Vögel ihre Ober- oder ihre Unterseite zeigen.
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Auf einem winterlich kahlen Busch haben sich Finken fünf verschiedener Arten versammelt. Singvögel ziehen vor allem nachts über die Nordsee und rasten tagsüber auf den Inseln und an den Küsten
Auf einem winterlich kahlen Busch haben sich Finken drei verschiedener Arten versammelt. Singvögel ziehen vor allem nachts über die Nordsee und rasten tagsüber auf den Inseln und an den Küsten
Man muss nicht unbedingt ins nordskandinavische Fjäll fahren, um Schneeammern zu beobachten: Im Winter sind sie auch auf den Salzwiesen am Watt anzutreffen
Man muss nicht unbedingt ins nordskandinavische Fjäll fahren, um Schneeammern zu beobachten: Im Winter sind sie auch auf den Salzwiesen am Watt anzutreffen

Wenn große, wolkenartige Schwärme über dem Watt aufsteigen, handelt es sich jedoch fast immer um die nach Individuen- und Artenzahlen größte Gruppe unter den Nationalpark-Gästen: Watvögel, vertreten mit knapp 30 Spezies von Austernfischer bis Zwergstrandläufer. Unter ihnen ist auch der „Leitvogel“ der diesjährigen Zugvogeltage: die Pfuhlschnepfe. Kaum eine Art demonstriert so eindrücklich, welche Bedeutung das Wattenmeer als meistbesuchter Vogelrastplatz zwischen Nordostkanada, Nordsibirien und westafrikanischer Küste hat.

Der Ironman unter den Zugvögeln

Ich habe bei meinem Besuch leider nur eine einzige Pfuhlschnepfe gesehen, und auch die war womöglich „nur“ ein Brachvogel, denn sie saß zu weit weg – es war gerade Ebbe, als ich über den Deich schaute, und die meisten Vögel hatten sich an den Kilometer entfernten Wassersaum des Watts verzogen. Viel mehr als die eine Schnepfe hätte ich aber ohnehin kaum zu sehen bekommen, denn die meisten sind Ende Oktober bereits abgezogen. Nur ein Teil der Population - der skandinavische - überwintert und mausert sich im westlichen, niederländischen Teil des Wattenmeers, wo es etwa drei Grad wärmer ist als an der deutschen Nordseeküste. Der andere Teil aber, der in der sibirischen Taiga brütet, fliegt Richtung Westafrika.

Wohin genau, nach welchem Zeitplan und auf welcher Strecke – das war lange Zeit nur ungefähr bekannt, erzählte mir Peter Südbeck, der Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Vor einigen Jahren aber wurden erstmals einige Vögel mit Satellitensendern bestückt, um ihr Zugverhalten genauer zu verfolgen. Die Erkenntnisse waren verblüffend, aber auch beunruhigend.

Die Pfuhlschnepfe - hier trägt sie ihr Schlichtkleid - erkennt man am leicht aufwärts gebogenen Schnabel. Im Herbst rasten bis zu 60 000 Vögel im Wattenmeer, im Frühjahr, wenn zwei Populationen zeitgleich durchziehen, sind es fast doppelt so viele.
Die Pfuhlschnepfe - hier trägt sie ihr Schlichtkleid - erkennt man am leicht aufwärts gebogenen Schnabel. Im Herbst rasten bis zu 60 000 Vögel im Wattenmeer, im Frühjahr, wenn zwei Populationen zeitgleich durchziehen, sind es fast doppelt so viele.
Der ostatlantische Zugweg verläuft vom Nordpolarmeer über Westeuropa entlang der gesamten Westküste Afrikas bis nach Namibia
Der ostatlantische Zugweg verläuft vom Nordpolarmeer über Westeuropa entlang der gesamten Westküste Afrikas bis nach Namibia
Wenn sie nicht gerade fliegen oder schlafen, fressen sie, um die Fettreserven für den nächsten Flug aufzufüllen. Das gilt für die Watvögel des Wattenmeers ebenso wie für diese Bergstrandläufer, die in einem Naturschutz an der Küste Kaliforniens rasten
Wenn sie nicht gerade fliegen oder schlafen, fressen sie, um die Fettreserven für den nächsten Flug aufzufüllen. Das gilt für die Watvögel des Wattenmeers ebenso wie für diese Bergstrandläufer, die in einem Naturschutzgebiet an der Küste Kaliforniens rasten
Auf dem Luftbild des Bijagos Archipels, einer Gruppe von 88 großteils unbewohnten Inseln vor der Küste Guinea-Bissaus, sind die ausgedehnten Wattflächen zu erkennen, auf denen die vom Wattenmeer kommenden Zugvögel Station machen.
Der Bijagos-Archipel, eine Gruppe von 88 großteils unbewohnten Inseln vor der Küste Guinea-Bissaus, ist einer der wichtigsten Rastplätze für alle Vögel, die auf dem Ostatlantischen Zugweg unterwegs sind.
Der Große Brachvogel ist durch seinen langen, gebogenen Schnabel auch aus großer Entfernung unverkennbar. Sein flötender Ruf gehört zum charakteristischen Soundtrack des Wattenmeers.
Der Große Brachvogel ist durch seinen langen, gebogenen Schnabel auch aus großer Entfernung unverkennbar. Sein flötender Ruf gehört zum charakteristischen Soundtrack des Wattenmeers.
Der Vogelturm am Hafen von Varel am Jadebusen ermöglicht Beobachtern während der Zugvogeltage einen spektakulären Blick über Watt und Salzwiesen.
Der Vogelturm am Hafen von Varel am Jadebusen ermöglicht Beobachtern während der Zugvogeltage einen spektakulären Blick über Watt und Salzwiesen.
Blick vom Vogelturm in Varel aufs Watt. Um die Rotschenkel erkennen zu können, die rechts vom Segelboot sitzen, braucht man allerdings ein Spektiv.
Blick vom Vogelturm in Varel aufs Watt. Um die Rotschenkel erkennen zu können, die rechts vom Segelboot sitzen, braucht man allerdings ein Spektiv.
Johanna Romberg
Säbelschnäbler gehören zu den Vögeln, deren Name sich allein durch ihr Aussehen erklärt. Ihr markantes weißschwarzes Federkleid macht sie auch für Beobachtungsanfänger leicht bestimmbar - besonders wenn sie im Schwarm auffliegen
Säbelschnäbler gehören zu den Vögeln, deren Name sich allein durch ihr Aussehen erklärt. Ihr markantes weißschwarzes Federkleid macht sie auch für Beobachtungsanfänger leicht bestimmbar - besonders wenn sie im Schwarm auffliegen
NLPV
Wer auf Spiekeroog Urlaub macht, kommt ums Vogelgucken gar nicht herum. Der Ranger zeigt schon den Kleinsten, wie man mit Fernglas und Fernglas umgeht - und natürlich auch, was man dadurch alles sehen kann.
Wer auf Spiekeroog Urlaub macht, kommt ums Vogelgucken nicht herum. Ranger zeigen schon den Kleinsten, wie man mit Fernglas und Fernglas umgeht - und natürlich auch, was man dadurch alles sehen kann.
Die gewachsene Sympathie der Wattenmeer-Anwohner für die Vogelwelt drückt sich auch in Details aus - wie diesem anmutigen Frottee-Schwan auf einem Hotelbett bei Horumersiel
Die gewachsene Sympathie der Wattenmeer-Anwohner für die Vogelwelt drückt sich auch in Details aus - wie diesem anmutigen Frottee-Schwan auf einem Hotelbett bei Horumersiel
Johanna Romberg
Ein Schwarm Nonnengänse zieht am Pilsumer Leuchtturm vorbei. Auf einigen Ostfriesischen Inseln ist die Jagd auf Gänse, Enten und auch Waldschnepfen nach wie vor zu bestimmten Zeiten erlaubt.
Ein Schwarm Nonnengänse zieht am Pilsumer Leuchtturm vorbei. Auf einigen Ostfriesischen Inseln ist die Jagd auf Gänse, Enten und auch Waldschnepfen nach wie vor zu bestimmten Zeiten erlaubt.

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