Warum meiden spanische Geier Portugal?

Forscher zeigen: Es gibt eine unsichtbare, menschengemachte Grenze für die Aasfresser

Von Joachim Budde

Manuel de la Riva Gänsegeier wie diesen haben Eneko Arrondo und seine Kollegen gefangen und mit GPS-Sendern ausgestattet.

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

Als Eneko Arrondo zum ersten Mal diese Karte der iberischen Halbinsel betrachtete, wunderte er sich. Der spanische Vogelschützer hatte die Flugrouten von Gänsegeiern darin eingetragen. Er und seine Kollegen hatten den Tieren zuvor GPS-Sender umgeschnallt. Rote und blaue Flächen malten die Vögel mit ihren Flügen auf die Landkarte. Das Erstaunliche: Bis auf ein paar vereinzelte Punkte blieben sie zuverlässig in spanischem Luftraum. 

Besonders deutlich ist das Phänomen im Westen der Extremadura zu erkennen, da wo die Grenze bei der Stadt Alcántara einen scharfen Knick nach Westen macht, gut 50 Kilometer dem Fluss Tajo – oder Tejo auf Portugiesisch – folgt, und dann wieder Richtung Süden über die Sierra de San Pedro abknickt. Diesen Winkel haben die Tiere fast komplett abgesucht, aber die Grenze so gut wie gar nicht passiert. Im Schnitt flogen die Tiere gerade einmal rund zehn Kilometer nach Portugal hinein, schreibt Eneko Arrondo in seiner Studie im Fachmagazin Biological Conservation.

Weder Futterangebot noch Landschaft konnten das Verhalten erklären

Verständlicherweise haben sich Eneko Arrondo und seine Kolleginnen und Kollegen Gedanken darüber gemacht, wie sie dieses Phänomen erklären könnten. Denn politische Grenzen sind den Vögeln ja nicht bekannt. „Als erstes dachten wir, in Portugal gibt es vielleicht weniger Viehherden“, erinnert sich der Forscher von der Biologischen Station Doñana in Sevilla. Das hätte bedeutet, dass es auch weniger Kadaver gibt, von denen sich die Tiere ernähren.

Aber es stellte sich heraus, dass die Zahlen ziemlich ähnlich sind. Dann verglichen die Forscher die Landschaft beiderseits der Grenze, die fast durchgängig durch Flusstäler verläuft. An manchen Stellen haben die Flüsse Steilwände gegraben, in denen Geier beste Brutbedingungen finden. Vor allem aber gibt es Weiden, Äcker, vereinzelte Stein- und Korkeichenhaine. Die Spanier nennen diese savannenartige Landschaft dehesa, die Portugiesen montado, doch diese Worte unterscheiden sich stärker als das, was sie beschreiben. „Die Landschaft ist fast identisch“, sagt Eneko Arrondo. Traditionell bewirtschafteten die Menschen die Hügel und Täler mit Schafs- oder Schweineherden und mit Getreidefeldern. 

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Die beiden Karten zeigen, wo die Gänsegeier (links) und die Mönchsgeier sich im Beobachtungszeitraum aufgehalten haben. Rot sind die Flugwege der Gänsegeier, die die Forscher im Guadalquivir-Tal im Süden Spaniens mit Sendern versehen haben, blau die Routen der Tiere aus dem Ebro-Tal im Norden.
Die beiden Karten zeigen, wo die Gänsegeier (links) und die Mönchsgeier sich im Beobachtungszeitraum aufgehalten haben. Rot sind die Flugwege der Gänsegeier, die die Forscher im Guadalquivir-Tal im Süden Spaniens mit Sendern versehen haben, blau die Routen der Tiere aus dem Ebro-Tal im Norden.
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David Serrano
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Thomas Krumenacker
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