Bedrohte Artenvielfalt: „Wir müssen zu Hause glaubwürdige Beschlüsse fassen“

Interview mit Josef Tumbrink vom Bundesumweltministerium über die UN-Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten und das „Superjahr der Biodiversität"

Christian Schwägerl Josef Tumbrinck auf einem Waldweg.

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

Im indischen Gandhinagar stand Mitte Februar bei einer UN-Konferenz der Schutz wandernder Tierarten im Mittelpunkt. Für Deutschland hat an der Spitze eines Teams des Bundesumweltministeriums Josef Tumbrinck, Unterabteilungsleiter für Naturschutz, an der Vertragsstaatenkonferenz der sogenannten „Bonner Konvention" teilgenommen. Ihn haben wir zu Ergebnissen und Perspektiven befragt.

Herr Tumbrinck, Sie haben Deutschland soeben auf der Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten vertreten. War die Konferenz ein Erfolg?

Tumbrinck: Ja, die Konferenz war aus meiner Sicht erfolgreich, weil es gelungen ist, eine Reihe von Tierarten unter Schutz zu stellen und Schutzmaßnahmen zu beschließen. Auch eine Reihe von NGOs haben sich schon hoch erfreut über den Ausgang geäußert.

Was sind die wichtigsten Beschlüsse?

Zehn Arten wurden neu unter den Schutz der UN-Konvention gestellt. Darunter bekannte Arten wie der Jaguar und der Indische Elefant. Auch der in deutschen Gewässern vorkommende, aber immer seltenere Hundshai ist jetzt geschützt. Es wurden viele weitere Beschlüsse, Resolutionen und Aktionspläne verabschiedet. Deutschland engagiert sich hier zum Beispiel in Initiativen zum Schutz afrikanischer Raubkatzen, asiatischer Steppentiere wie der Saigaantilope oder der letzten afrikanischen Wildesel.


„Der Geierschutzplan wirkt"


Die Bonner Konvention soll auch Zugvögel schützen. Gab es neue Erkenntnisse, wie gut das funktioniert oder neue Beschlüsse zum Schutz von Vogelarten?

Zum Schutz von Geierarten wurde berichtet, wie sich die Bestandssituation angesichts schwerster Belastungen von Giftstoffen wie Diclofenac oder von Wilderern in Afrika verwendeter Giftstoffe darstellt und wie sich der unter dem Dach der Bonner Konvention geschaffene Geierschutzplan auswirkt: Im Ergebnis ist die Lage immer noch sehr ernst, aber in einigen Ländern konnten durch den Schutzplan bereits Erfolge erzielt werden. Besonders in Spanien helfen hohe Geldstrafen, die zwischen 100.000 Euro bis weit über 1 Million Euro liegen, und besser ausgestattete Überwachungsbehörden, um dort vorkommende Geierarten zu erhalten. 

Gibt es auch Beschlüsse zum Schutz von Zugvogelarten?

Ja, Deutschland hat via EU einen Vorschlag zum Schutz vor Lichtverschmutzung erfolgreich eingebracht, denn Zugvögel und andere Tiere wie Fledermäuse oder Schildkröten leiden darunter. Es werden jetzt internationale Empfehlungen dazu ausgearbeitet, wie Beleuchtungsanlagen weniger negative Effekte auf Tierarten haben können. Eine herausragend wichtige Nahrungsquelle zahlreicher Zugvögel sind Insekten. Erstmals wurden die Erkenntnisse deutscher Forscher vom Krefelder Entomologischen Verein zu erschreckenden Biomasserückgängen von Insekten weltweit auf einer UN-Konferenz thematisiert. Der Beschluss soll unter anderem zur Reduktion von Pestiziden beigetragen. Zudem haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich dem Schutz von Vögeln vor illegalen Tötungen, Fang und Handel im Mittelmeerraum widmet. Und über eine neu gegründete Task Force soll versucht werden, Verbote und Einschränkungen der Verwendung von Bleimunition zu erreichen.

Können Sie uns ein Beispiel aus dem Bereich Vogelschutz geben, wie die Konvention in Deutschland umgesetzt wird?

Durch Arbeiten im Rahmen des Greifvogelabkommens der Konvention wurde bekannt, das Deutschland Probleme bei der Greifvogelwilderei hat. Diese wurden in den vergangenen Jahren mit finanzieller Unterstützung des BMU untersucht und die Ergebnisse den Bundesländern zur Vollzugsoptimierung vorgelegt.

Sie haben auf Twitter geschrieben, diese Vertragsstaatenkonferenz sei der Auftakt zum „Superjahr der Biodiversität“...

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