Die Flugbegleiter

Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Christian Schwägerl

Unsere Mission:

Viele einst häufige Vogelarten verschwinden, die Insektenwelt schrumpft, die Roten Listen werden länger. Unsere Landschaft muss dringend wieder vielfältiger werden – das ist eine Herausforderung für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und die ganze Gesellschaft, die in der öffentlichen Diskussion eine viel größere Rolle spielen sollte. Deshalb gibt es jetzt "Die Flugbegleiter". Wir sind professionelle Journalistinnen und Journalisten. Jeden Mittwoch bekommen Sie von uns neue Beiträge zu Vogelwelt, Naturschutz, Ökologie und ornithologischer Forschung, sachkundig und lebendig erzählt. Recherchen und journalistische Wertarbeit sind aufwändig und teuer. Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich durch unsere Leser und bieten dazu unsere Beiträge im Einzelkauf und im Abonnement für 3,99€ im Monat an – jederzeit kündbar. Mit einem Förder-Abo können Sie unseren unabhängigen Journalismus zusätzlich stark machen.

Infos:

Das Team:

Petra Ahne ist Autorin des Buchs “Wölfe” bei Matthes&Seitz und Redakteurin der Berliner Zeitung. Sie interessiert sich als Literaturwissenschaftlerin besonders für Vögel, die in Büchern vorkommen. @petra_ahne

Joachim Budde arbeitet hauptsächlich im Radio, vor allem für die Sendungen "Forschung aktuell" und "Wissenschaft im Brennpunkt" im Deutschlandfunk, aber auch für WDR, BR und andere öffentlich-rechtliche Sender. @buddepiept

Die Politikkorrespondentin Christiane Habermalz hat beim Deutschlandradio Kultur über viele Jahre hinweg die “Große Vogelschau” verantwortet und beobachtet auch gerne die Vogelbeobachter. @habermalz

Markus Hofmann, Vogelbeobachter mit Schweizer Feldornithologie-Diplom, hat als Redakteur der Neuen Züricher Zeitung über Umwelt- und Klimapolitik berichtet und arbeitet seit 2016 beim Schweizer Radio SRF. @m_hof

Thomas Krumenacker, ist Politik-Redakteur bei einer Nachrichtenagentur in Berlin und Mitglied der Fachredaktion des Journals für Vogelbeobachter, Der Falke. 

Der Biologe Cord Riechelmann, zu dessen vielen Publikationen die Bücher “Krähen”, “Wilde Tiere in der Großstadt” und “Bestiarium” zählen, lebt als Publizist und Autor in Berlin.

Johanna Romberg ist seit 1987 Redakteurin und Autorin der Zeitschrift GEO und schon von Kindesbeinen an leidenschaftliche Vogelbeobachterin. Sie ist Autorin des Buchs "Federnlesen – vom Glück, Vögel zu beobachten" (Lübbe, 2018) @JohRomberg

Die Radio- und Fernsehjournalistin Claudia Ruby, Mitglied im Vorstand der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK), hat ihre Biologie-Diplomarbeit über die „Diversität der Avifauna verschiedener Waldhabitate in Kolumbien“ geschrieben. @CldRuby

Christian Schwägerl, Vogelbeobachter seit frühester Kindheit und Biologe mit MSc-Abschluss, arbeitet für Medien wie FAZ, GEO und Yale E360. Er ist Mitgründer von RiffReporter und hat Bücher über das Anthropozän, globale Konfliktrisiken und die Zukunft digitaler Technologien publiziert. @chrschwaegerl

Carl-Albrecht von Treuenfels kann man als Doyen des deutschen Vogeljournalismus bezeichnen. Der frühere Präsident des WWF Deutschland hat für die FAZ über 500 Beiträge verfasst – darunter Dutzende Porträts des jeweiligen „Vogel des Jahres“.

Felix Wolf ist Lektor, stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) und Herausgeber des Buchs “Natur in Hamburg: 30 thematische Touren”. @fwfwolf

Was interessiert Sie, welche Themen sollten wir bearbeiten, was hat Ihnen gefallen und was nicht? Schreiben Sie uns gerne per Email an info@flugbegleiter.org.

Die Flugbegleiter von links nach rechts: Markus Hofmann, Petra Ahne, Cord Riechelmann, Anna Jakupovic, Christiane Habermalz, Claudia Ruby, Christian Schwägerl, Johanna Romberg. Nicht im Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels, Felix Wolf, Thomas Krumenacker.
Die Flugbegleiter von links nach rechts: Markus Hofmann, Petra Ahne, Cord Riechelmann, Anna Jakupovic, Christiane Habermalz, Claudia Ruby, Christian Schwägerl, Johanna Romberg. Nicht im Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels, Felix Wolf, Thomas Krumenacker.
Sebastian Hennigs

Die Vorgeschichte

Haubenlerchen auf dem Schulhof, ein Neuntöter, der eine Maus aufspießt, Streifzüge durch die Landschaft auf der Suche nach Wiesenpieper und Bachstelze – für die meisten von uns hat die Faszination für die Vogelwelt schon früh im Leben begonnen. Ein Fernglas und ein Bestimmungsbuch können einem als Kind eine ganz eigene Welt erschließen. Vogelbeobachtung hat etwas von Alice im Wunderland: Wer zum ersten Mal einen Pirol hört, einen Fasan aufscheucht oder einer Eule in die Augen blickt, dem eröffnet sich eine eigene Welt – zauberhaft und doch ganz real.

In diese Welt wollen wir Sie mitnehmen. Wir, das sind erfahrene Journalistinnen und Journalisten, ein Lektor und eine Gestalterin, die künftig als “Die Flugbegleiter” zusammenarbeiten: Petra Ahne, Christiane Habermalz, Markus Hofmann, Anna Jakupovic, Thomas Krumenacker, Cord Riechelmann, Johanna Romberg, Claudia Ruby, Christian Schwägerl, Carl-Albrecht von Treuenfels, Felix Wolf.

Wir wollen über Erlebnisse in der Vogelwelt berichten, über aktuelle Wissenschaft, über Vögel in unserer Kultur und in unserem Alltag, und über Menschen, die sich wie wir für Vögel begeistern – als Wissenschaftler, Beobachterinnen, Naturschutz-Aktivisten, Künstler und Autorinnen. Zugleich geht es um die Sorge, die uns seit Kindesbeinen nicht mehr loslässt: dass die Zauberwelt der Vögel bedroht ist, weil die Habitate schrumpfen, dass Rachel Carsons “Stummer Frühling” sich von einer Horrorvision in Wirklichkeit verwandelt.

Es gibt im Naturschutz erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Kraniche, Seeadler, Wanderfalken – die Bestände mancher Vogelarten haben sich durch Naturschutzanstrengungen in den vergangenen Jahren erholt. Auch dahinter verbergen sich spannende Geschichten, die zu selten erzählt werden. Doch für eine weit größere Zahl von Arten geht es bergab: Birkhuhn, Kornweihe, Haubenlerche und Bekassine gelten laut den Roten Listen der Brutvögel Deutschlands von 2015 als akut vom Aussterben bedroht, für 25 weitere Arten gilt der gleiche Status. Rebhuhn, Braunkehlchen und 17 andere sind “stark gefährdet”. Auf der sogenannten Vorwarnliste befinden sich mittlerweile sogar häufige Arten wie der Haussperling. Ähnlich beunruhigende Entwicklungen gibt es in ganz Europa und in vielen anderen Teilen der Welt. Zwischen 1970 und 2015 sind die Populationen von 46 ausgewählten Vogelarten in den USA von 2,1 Milliarden Individuen auf 600 Millionen geschrumpft. In der EU sind die Bestände von 144 untersuchten Vogelarten seit 1980 um 600 Millionen Individuen zurückgegangen. Das heißt: Innerhalb von drei Jahrzehnten haben viele Länder Europas mehr als ein Drittel des Bestands dieser Arten verloren.

Die Ursachen für diesen Rückgang kommen in abstrakten Begriffen daher: “Lebensraumzerstörung”, “Nutzungsänderungen”, “industrielle Landwirtschaft”, “Zersiedelung”, neuerdings auch “Energiewende” und “Klimaschutz”. Denn selbst gut gemeinte Umweltmaßnahmen, wie der Ausbau der Windkraft und die Ausweitung des Maisanbaus für “Biomethan”, erweisen sich als problematisch. Hinter all diesen Begriffen verbergen sich aber Menschen: Landwirte, die über die Runden kommen wollen, Lokalpolitiker, die nach einer wirtschaftlichen Zukunft ihres Ortes suchen, Energiepolitiker, die dem Klimawandel entgegenwirken wollen. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, mit den Menschen hinter den Konflikten zu reden und zu verstehen, um was genau es geht. Denn die wenigsten sind erklärte und brutale Vogelfeinde wie jene Machos auf Malta, die einfach mit der Schrotflinte losziehen, um zum Spaß Wiedehopfe abzuknallen.

Unsere Zeit ist von einem Wiedererstarken von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit geprägt. Wir sind auch deshalb von Vögeln fasziniert, weil sie mit ihren Wanderungen zeigen, wie sehr die ganze Welt verbunden ist. Sie leben das, was Alexander von Humboldt den “Weltorganismus” nannte. Die Wanderungsbewegungen der Vögel werden uns durch Hightech-Verfahren immer genauer vor Augen geführt. Im Herbst 2017 startet dazu ein ambitioniertes Forschungsprojekt: Zugvögel werden mit winzigen Sendern ausgerüstet, deren Signale von der Internationalen Raumstation ISS empfangen und anschließend am Max-Planck-Institut für Ornithologie ausgewertet werden – das ist hochspannende Forschung, die wir begleiten und vermitteln wollen. Wir finden es auch interessant, dass Vögel verstärkt in die Literatur Eingang finden. Vögel sind eben weit mehr als akustische Hintergrundkulisse im Frühling oder Datenpunkte, die Vogelbeobachter erfassen. Die Vogelwelt ist groß und vielfältig.

Quellen zum Text:

Christoph Grüneberg et al., Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 5. Fassung, 30. November 2015, Berichte zum Vogelschutz, Band 52, 2015

Johannes Wahl et al., Vögel in Deutschland - 2014, DDA, 2015

Rich Inger et al., Common European birds are declining rapidly while less abundant species’ numbers are rising , Ecology Letters, 2014, (Volltext)

Kenneth V. Rosenberg et al., Partners in Flight Landbird Conservation Plan: 2016 Revision for Canada and Continental United States.

Partners in Flight Science Committee, 2016 (Volltext)

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