Das Weißkehlchen braucht karge, unordentliche Landschaften

Weniger als 5000 Steinschmätzerpaare brüten in Deutschland. Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Mike Lane / Deposit Ein Steinschmätzer hat ein dickes Insekt im Schnabel.

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt

Zum Autor: Vogelinteressierten Lesern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ist Carl-Albrecht von Treuenfels seit Jahrzehnten ein Begriff. Der mehrfache Buchautor, frühere WWF-Präsident und Gründer der „Stiftung Feuchtgebiete“ ist einer der Pioniere des deutschsprachigen Naturjournalismus. Bei den Flugbegleitern greift von Treuenfels immer wieder in seine Schatzkiste an Texten über Arten und ihre Lebensräume.

***

Vogelbeobachter kennen dieses Wechselbad der Gefühle aus den Monaten der Brutzeit: Man sieht eine eher seltene Vogelart an einem Ort und freut sich – vor allem dann, wenn sich Männchen und Weibchen gemeinsam zeigen. Das nährt die Hoffnung, dass das Vogelpaar sich vielleicht nahe des Ortes der Beobachtung zum Nestbau und zum Brüten entschließt, sofern die Voraussetzungen des Lebensraumes stimmen.

Doch selbst nach mehreren Tagen der wiederholten Sichtung in derselben Umgebung schlägt oftmals die Hoffnung in Enttäuschung um. Von heute auf morgen ist das Vogelpaar verschwunden und taucht auch nicht mehr auf. Es hat nur Station auf seinem Flug in den Norden gemacht und ist weitergezogen.

Zu den Vögeln, die auf diese Weise wenigstens für ein kurzfristiges ornithologisches Aha-Erlebnis sorgen, gehören die Steinschmätzer aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Noch in den 1950er Jahren galt der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) in Deutschland und seinen mitteleuropäischen Nachbarländern als häufiger Brutvogel, besonders in Trockenlandschaften, Mooren und Kiesgruben.

Ruinenstädte als idealer Lebensraum

Steiniger Untergrund ist ihm ein beliebter Biotop, in den Spalten von Mauern der Weinberge baut er gern sein Nest. In nördlichen Ländern und auf Inseln im Nordatlantik, wo die Steinschmätzer häufiger vorkommen, bieten ihnen die vielen Feldsteinmauern ebenfalls ideale Aufenthaltsorte. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sie sich besonders gern in von Bomben zerstörten deutschen Städten an und sorgten damit bis Anfang der 1960er Jahre für eine merkbare Bestandsvermehrung.

RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

  1. Natur
  2. SchrägeVögel
  3. Vogelbeobachtung

Schräge Vögel: Feenseeschwalben reicht eine Astgabel zum Brüten

Diese Vögel sind in tropischen Inselparadiesen zuhause. Brüten ohne Nest ist nur eine Weise, wie sich die Art an das Leben dort angepasst hat.

Ein Vogel mit weißem Gefieder und blauschwarzem Schnabel sitzt auf einer Astgabel und bebrütet ein weiß-braun geflecktes Ei.
  1. Ornithologie
  2. Vogelbeobachtung

Das Flugbegleiter-Sommerquiz: Von coolen Störchen und geheimnisvollen Federn

Testen Sie Ihr Wissen über die Vogelwelt und gewinnen Sie unser frisch im Kosmos-Verlag erschienenes Buch

Das Bild zeigt eine große Zahl von Mehlschwalben, die auf deiner Stromleitung sitzen.
  1. Natur
  2. Vogelbeobachtung

„Die Flugbegleiter" – jetzt auch als Buch

Die besten Reportagen, Berichte und Essays gibt es nun auf knapp 300 Seiten in einem schön gestalteten Band

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Cover des Buchs „Die Flugbegleiter" – es zeigt Weißstörche in einer gezeichneten Illustration von oben.
  1. Natur
  2. Vogelbeobachtung

Pirol: Der Sommervogel schlechthin

Die farbenfrohe Art bezaubert mit einem wunderbaren Gesang. In diesem schwierigen Jahr ist das ein besonderes Geschenk.

Zwei Pirole sitzen in einem Baumwipfel nebeneinander.
  1. Rassismus
  2. Vogelbeobachtung

Black Birders Week – wenn Vogelbeobachter gegen Rassismus kämpfen

Nach einem Zwischenfall im Central Park und dem Tod von George Floyd werben schwarze Naturfreunde in den USA um Anerkennung.

Zu sehen ist die junge Ornithologin Corina Newsome, die mit einem Fernglas in der Hand in einem Sumpf bis zur Hüfte im Wasser steht.
  1. Ornithologie
  2. Vogelbeobachtung

Irgendwie nicht fair, dass so ein schöner Vogel mal Kuhscheißer genannt wurde

Wiesenschafstelzen lieben Feuchtwiesen und Grünland. Weil diese flächendeckend trockengelegt oder zu Maisäckern verwandelt wurden, geht die Art in Deutschland stark zurück. Mit Fotos von Thomas Krumenacker

Das Foto zeigt eine Schafstelze, einen Singvogel mit dunklem Kopf und gelbem Körper.
  1. Corona
  2. Vogelbeobachtung

Corona-Birding: Wenn beim Blick aus dem Fenster Schwarzstorch, Steinadler und Ortolan erscheinen

Vögel beobachten in Zeiten des Lockdowns: Der Dachverband Deutscher Avifaunisten hat Vogelbegeisterte aufgerufen, während der Ausgangsbeschränkungen alle Beobachtungen aus dem heimischen Fenster zu melden. Mehr als 80.000 Vögel wurden beobachtet, darunter findet sich manche Überraschung.

Ein Schwarzstorch fliegt in der Abenddämmerung
  1. Corona
  2. Eulen
  3. Vogelbeobachtung

Birdwatching in Zeiten von Corona: Eulen beim Balzgesang lauschen

Menschenansammlungen zu meiden lautet die Devise in Zeiten der Corona-Epidemie. Wir haben nach garantiert ungefährlichen Formen des Naturerlebens in der Krise gesucht und sind fündig geworden: Eulen beim Balzgesang zu lauschen. Ein Interview über die Faszination, die die nachtaktiven Vögel auf Menschen ausüben – mit Wilhelm Breuer von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen.

Ein Steinkauz sitzt vor seiner Bruthöhle
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Natur und Klima: „Wir müssen uns von einer Lebenslüge verabschieden"

Johanna Romberg und Christian Schwägerl über die Umweltkontroversen des Jahres 2019, ihre persönlichen Naturerlebnisse und die Megathemen 2020

Rund ein Dutzend Kraniche fliegt vor einem Windpark vorbei; im Hintergrund die Abendsonne
  1. Literatur
  2. Vogelbeobachtung

Wie Vögel einem Dichter kreativen Schub verleihen

Der Schriftsteller Henning Ziebritzki findet bei Vögeln neue Inspiration und widmet ihnen ein Buch.

Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Die Flugbegleiter