Auf einen Fußgänger-Hahn zu schießen gilt als unfair

Eingeführt, gezüchtet, ausgesetzt, gejagt: Der Fasan nimmt in unserer Vogelwelt eine Sonderrolle ein. Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

Von Feinschmeckern wird er als kross gebratenes Wildgeflügel gepriesen. Vielen Vogelfreunden gilt er auch heute noch, obwohl vor mindestens sieben Jahrhunderten in Teilen Europas angesiedelt, als nicht heimische Art, als ein Neozoon, das nur durch Nachzucht und Aussetzungen in die Wildbahn erhalten wird. Der Spaziergänger in der Natur freut sich, einen so bunten, langschwänzigen Vogel zu entdecken, wenn er einen Hahn sieht. Und bei den Jägern ist er ein hochgeschätztes Flugwild.

Der Fasan, in Deutschland auch als Jagdfasan, Edelfasan, Ringfasan, Kupferfasan oder Buntfasan bekannt, ist eine von mindestens 187 Arten der Familie der Fasanenartigen oder Feldhühner (Phasianidae), die wiederum der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) mit mehr als 200 Arten angehört.

Innerhalb dieser Ordnung zählen die Fasane zu der größten von drei Gruppen: den Glattfußhühnern mit Rebhuhn, Wachtel, Frankolin und der Urform unseres Haushuhns, dem asiatischen Bankivahuhn, die es neben den Rauhfußhühnern mit 18 Arten wie Auer- und Birkhuhn und den Truthühnern mit zwei Arten gibt. Diese Einordnung zu kennen ist nützlich, wenn man der Herkunft von Phasianus colchicus, dem Jagdfasan, auf den Grund gehen möchte. Denn von ihm gibt es mindestens 33 Unterarten oder Rassen. Fasan ist also nicht gleich Fasan. 

Ein Vogel mit großer Formenvielfalt

Das gilt besonders für die prächtigen Arten anderer Gattungen wie Diamantfasan, Goldfasan, Silberfasan und Königsfasan des asiatischen Kontinents, dem alle Fasanen entstammen. Während die Hähne dieser Arten, die zu den schönsten Vögeln überhaupt zählen, in ihren ursprünglichen Heimatrevieren extrem selten geworden sind, hat ihr nicht ganz enger Verwandter, der Fasan oder Jagdfasan, in Europa, Nordamerika, auf Hawaii, in Südaustralien, Tasmanien und Neuseeland durch den Menschen eine große Ausbreitung erlebt. Er sei ursprünglich von den Argonauten bei ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies entdeckt worden, heißt es.

Die Griechen führten ihn als Ziervogel und Jagdwild aus Vorderasien ein. Über die Römer gelangte er weiter nordwestwärts. In alten Aufzeichnungen wird er der „aus Phasis Stammende“ genannt – also aus Kolchis am Südostufer des Schwarzen Meeres. Das veranlasste den Naturforscher Carl von Linné (1707 bis 1778) dazu, ihm in seiner zoologischen Systematik 1758 den lateinischen Namen Phasianus colchicus zu geben.

Spätere Vogelkundler fanden für die im Lauf der Zeit durch menschliche Rassenkreuzungen auf gut 33 Unterarten gewachsene Formenvielfalt von Phasianus colchicus jeweils einen dritten Namensanhang. Es wimmelt nur so von dreiteiligen wissenschaftlichen Bezeichnungen für die Kreuzungen aus kaukasischen, persischen, tadschikischen, turkmenischen, kirgisischen, mongolischen, chinesischen und japanischen Abkömmlingen der Colchicus-Art. Vogelkundler stellen in Frage, ob es überhaupt noch eine reinrassige Form gibt.

Sie können diesen Beitrag einzeln kaufen, „Die Flugbegleiter“ für 3,99€/Monat abonnieren oder mit einer RiffReporter-Flatrate Zugang zu allen Angeboten bekommen. Wenn Sie als Abonnent hier die Bezahlschranke sehen, einfach rechts oben auf „Anmelden“ klicken. Sie können dort auch ein Passwort hinterlegen.
RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

  1. Ornithologie
  2. Vogelbeobachtung

Das Flugbegleiter-Sommerquiz: Von coolen Störchen und geheimnisvollen Federn

Testen Sie Ihr Wissen über die Vogelwelt und gewinnen Sie unser frisch im Kosmos-Verlag erschienenes Buch

Das Bild zeigt eine große Zahl von Mehlschwalben, die auf deiner Stromleitung sitzen.
  1. Natur
  2. Vogelbeobachtung

„Die Flugbegleiter" – jetzt auch als Buch

Die besten Reportagen, Berichte und Essays gibt es nun auf knapp 300 Seiten in einem schön gestalteten Band

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Cover des Buchs „Die Flugbegleiter" – es zeigt Weißstörche in einer gezeichneten Illustration von oben.
  1. Natur
  2. Vogelbeobachtung

Pirol: Der Sommervogel schlechthin

Die farbenfrohe Art bezaubert mit einem wunderbaren Gesang. In diesem schwierigen Jahr ist das ein besonderes Geschenk.

Zwei Pirole sitzen in einem Baumwipfel nebeneinander.
  1. Rassismus
  2. Vogelbeobachtung

Black Birders Week – wenn Vogelbeobachter gegen Rassismus kämpfen

Nach einem Zwischenfall im Central Park und dem Tod von George Floyd werben schwarze Naturfreunde in den USA um Anerkennung.

Zu sehen ist die junge Ornithologin Corina Newsome, die mit einem Fernglas in der Hand in einem Sumpf bis zur Hüfte im Wasser steht.
  1. Ornithologie
  2. Vogelbeobachtung

Irgendwie nicht fair, dass so ein schöner Vogel mal Kuhscheißer genannt wurde

Wiesenschafstelzen lieben Feuchtwiesen und Grünland. Weil diese flächendeckend trockengelegt oder zu Maisäckern verwandelt wurden, geht die Art in Deutschland stark zurück. Mit Fotos von Thomas Krumenacker

Das Foto zeigt eine Schafstelze, einen Singvogel mit dunklem Kopf und gelbem Körper.
  1. Corona
  2. Vogelbeobachtung

Corona-Birding: Wenn beim Blick aus dem Fenster Schwarzstorch, Steinadler und Ortolan erscheinen

Vögel beobachten in Zeiten des Lockdowns: Der Dachverband Deutscher Avifaunisten hat Vogelbegeisterte aufgerufen, während der Ausgangsbeschränkungen alle Beobachtungen aus dem heimischen Fenster zu melden. Mehr als 80.000 Vögel wurden beobachtet, darunter findet sich manche Überraschung.

Ein Schwarzstorch fliegt in der Abenddämmerung
  1. Corona
  2. Eulen
  3. Vogelbeobachtung

Birdwatching in Zeiten von Corona: Eulen beim Balzgesang lauschen

Menschenansammlungen zu meiden lautet die Devise in Zeiten der Corona-Epidemie. Wir haben nach garantiert ungefährlichen Formen des Naturerlebens in der Krise gesucht und sind fündig geworden: Eulen beim Balzgesang zu lauschen. Ein Interview über die Faszination, die die nachtaktiven Vögel auf Menschen ausüben – mit Wilhelm Breuer von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen.

Ein Steinkauz sitzt vor seiner Bruthöhle
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Natur und Klima: „Wir müssen uns von einer Lebenslüge verabschieden"

Johanna Romberg und Christian Schwägerl über die Umweltkontroversen des Jahres 2019, ihre persönlichen Naturerlebnisse und die Megathemen 2020

Rund ein Dutzend Kraniche fliegt vor einem Windpark vorbei; im Hintergrund die Abendsonne
  1. Literatur
  2. Vogelbeobachtung

Wie Vögel einem Dichter kreativen Schub verleihen

Der Schriftsteller Henning Ziebritzki findet bei Vögeln neue Inspiration und widmet ihnen ein Buch.

  1. Vogelbeobachtung

„Vogelbeobachtung ist für mich wie eine Meditation“

Der Vogelfragebogen: Am Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung entwickelt Hemal Naik digitale Forschungswerkzeuge. Am liebsten lauscht er den Vögeln im Himalaya.

Der Wissenschaftler und Vogelbeobachter Hemal Naik hat ein Fernglas um den Hals hängen. Im Hintergrund sieht man einen Wald und ein Gebirge deutet sich an.
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Die Flugbegleiter