In Spiralen rauf auf den Baum, als Fallschirm wieder runter

Wissenswertes über die Zwillingsarten Wald- und Gartenbaumläufer. Von Carl-Albrecht von Treuenfels

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Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Wer lässt hier wem den Vortritt? Dass Weibchen und Männchen eines Brutpaars von Gartenbaumläufern gleichzeitig mit Beute im Schnabel am Nest eintreffen, kommt selten vor. Nur einer der Altvögel passt in die kleine Aushöhlung hinter der abgeplatzten Baumrinde, in der vier bis sieben Junge darauf warten, mit Insekten gefüttert zu werden. Deshalb wechseln sich die Eltern im Abstand einiger Minuten mit der Versorgung ihres Nachwuchses ab.

Schließlich braucht jeder Vogel auch etwas Zeit, um genügend Spinnen, Käfer, Wanzen, Schaben, Weberknechte, Ameisen oder deren Eier, Puppen oder Larven zu finden und mit seinem zarten, sichelförmig gebogenen Schnabel zu ergreifen. Erst wenn er mehrere Beutetiere beisammen hat, macht er sich auf den Weg zum Nest.

Es soll sogar fruchtbare Mischehen geben.

Dabei bewegen sich die Tiere genauso vorwärts wie außerhalb der Brutzeit: Sie klettern mehr, als dass sie fliegen. Darauf deutet schon der Name hin, übrigens die gebräuchlichste von mehr als 70 volkstümlichen Bezeichnungen. Fünf Arten von Baumläufern sind auf der Welt bekannt. Zwei von ihnen - der Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) und der Waldbaumläufer (Certhia familiaris) - kommen in Europa vor.

Dabei ist der Gartenbaumläufer in kleinerem Areal südwestlicher verbreitet als der Waldbaumläufer, dessen Lebensräume sich bis nach Skandinavien und Sibirien ausdehnen. Beide Arten findet man auch in Deutschland. Ihren Namen entsprechend bevorzugen sie unterschiedliche Biotope. Dennoch sind sie mitunter nahe beieinander zu beobachten. Es soll sogar fruchtbare Mischehen geben.

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Selbst für einen geübten Vogelbeobachter ist es nicht leicht, beide Arten voneinander zu unterscheiden. Am ehesten gelingt das anhand der unterschiedlichen Rufe, die vom Gartenbaumläufer häufiger erklingen und lauter sind als die vom Waldbaumläufer, der länger singt. Denn in der Körperlänge von zwölf bis 14 Zentimetern, dem Körpergewicht von acht bis elf Gramm und der sehr ähnlichen Färbung ihres Rückens und der Flügel gleichen sie sich stark. Dass die Unterseite des Gartenbaumläufers mehr grau als weiß wie beim Waldbaumläufer ist, dass er einen weniger ausgeprägten hellen Augenstreif hat und dass seine hintere der vier Zehen etwas kürzer, der Schnabel dafür etwas länger ist, fällt meistens nur im direkten Vergleich auf.

Da mag man auch erkennen, dass das Gefieder des Waldbaumläufers einen rötlichbraunen Schimmer im Vergleich zum leichten Graubraun beim Gartenbaumläufer hat. Die wichtigen Erkennungszeichen beider Arten sind indes identisch: der dünne, gebogene Schnabel, die mit langen Kletterkrallen bewehrten Füße und der am Ende versteifte Stützschwanz, wie ihn auch Spechte haben.

Baumrutscher und Borkensichler heißen die Vögel auch

Dank dieser körperlichen Ausstattung sind Baumläufer zu einer besonderen Form der Fortbewegung imstande. Ruckweise klettern sie die Baumstämme hinauf und suchen dabei die Rinde nach Insekten ab. Haben sie die oberen Äste erreicht, können sie nicht etwa wie die Kleiber kopfüber wieder runterklettern, sondern sie lassen sich mit angelegten Flügeln herunterfallen und bremsen kurz vor dem Boden den Sturz mit den dann ausgebreiteten Flügeln wie mit einem Fallschirm ab. Dann arbeiten sie sich wieder - mit Vorliebe in Spiralen - denselben oder einen mit wenigen Schwingenschlägen angeflogenen nächsten Stamm hinauf.

Dabei bevorzugen die Baumrutscher, Rindenkleber oder Borkensichler, wie sie auch genannt werden, Bäume mit rissiger oder grober Rinde. Dort halten sich in den vielen Spalten mehr Insekten auf als an glatten Stämmen. Aber auch die von den Förstern und Waldbesitzern gefürchteten Borkenkäfer und deren Larven unter der Rinde von Fichtenstämmen sind bei Baumläufern beliebt. Gartenbesitzer können sich ebenfalls freuen, wenn ein Baumläuferpaar an ihren Obstbäumen auf Raupenjagd herumturnt.

Zu ihren Feinden zählen Spechte

Wer den unscheinbaren Vögeln helfen will, einen geeigneten Brutplatz zu finden, kann das mit einem Nistkasten tun. Er ist halbrund, wird mit der offenen Fläche an einem Stamm angebracht und hat auf jeder Seite oben ein Einflugloch. So kann ein Altvogel für die Fütterung der Jungen durch eines der Löcher in das tiefer liegende Nest schlüpfen, während der andere es gegenüber verlässt. Gartenbaumläufer, die sich auch in Parkanlagen, auf Friedhöfen und Streuobstwiesen ansiedeln, suchen sich mitunter Brutplätze außerhalb von Baumstämmen, etwa in Ritzen von Gebäuden und zwischen Holzstapeln.

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Von Ende März an, meistens erst im April beginnen sie mit dem Nestbau, den sie in einer Woche bewerkstelligen. Die zarten rostrot gesprenkelten Eier, die nur etwa ein Gramm wiegen, legt das Weibchen auf eine hohe Schicht eingetragenen Pflanzenmaterials. Es brütet zwei Wochen allein, beide Eltern füttern bis zu 20 Tage ihre Brut und betreuen sie auch nach dem Ausfliegen noch ein bis zwei Wochen.

Eine zweite Jahresbrut kann sich bis in die ersten Augusttage hinziehen. Ist die erste Nistperiode gut verlaufen, legt das Weibchen zum zweiten Mal in dasselbe Nest. Das ist nicht ohne Risiko, denn Baummarder, Eichhörnchen, Spechte und sogar Mäuse fressen gern Eier und Küken. Je länger sich das Nest am selben Ort befindet, desto größer ist die Gefahr, dass die Eltern seinen Platz durch ihre Anwesenheit verraten.

Schlafrosetten gegen Kälte

Nicht nur viele Vogelfresser, auch harte Winter bringen regelmäßig Verluste. Baumläufer bleiben mehrheitlich auch im Winter hier, ernähren sich teilweise von Flechten und besuchen gemeinsam mit Meisen gelegentlich sogar Futterhäuschen. Aus dem Norden und Osten verschlägt es immer wieder Waldbaumläufer als Strichvögel nach Deutschland. Die Gartenbaumläufer wissen sich mit einer besonderen Methode gegen Kälte zu schützen.

Bei sinkenden Temperaturen kuscheln sich bis zu 20 Vögel mit aufgeplustertem Gefieder, die Köpfe in die Mitte gesteckt, wie ein großer Federball in einer Höhlung zusammen und wärmen sich gegenseitig. Solche Schlafrosetten bilden auch die Jungen in den Nächten nach dem Ausfliegen noch lange. Waldbaumläufer sind weniger gesellig. Beide Arten können ein Alter von mehr als sieben Jahren erreichen. Doch die durchschnittliche Lebenserwartung ist weitaus geringer.

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