Die Erinnerungen, die Schmetterlinge hervorrufen

Der Schriftsteller Peter Henning erfüllt sich einen Traum und schreibt eine Liebeserklärung an die Schmetterlinge

Von Joachim Budde

Joachim Budde Männchen und Weibchen des Kaisermantels.

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Neun Stationen, neun Monate, neunmal Falter – der Schriftsteller und Schmetterlingsenthusiast Peter Henning hat sich für sein neues Buch „Mein Schmetterlingsjahr“ auf die Suche nach besonderen und seltenen Faltern gemacht – solchen Tieren, die er immer schon einmal in freier Natur beobachten wollte, und solchen, die eine besondere Rolle in seinem Leben gespielt haben. Sein ganzes Leben schon faszinieren ihn die Schmetterlinge. Was sie für ihn bedeuten, beschreibt er so:

„Wenn ich einem Schmetterling begegne, steigt augenblicklich ein Gefühl des Triumphs und der Lebendigkeit in mir auf. Weil er mir vor Augen führt, wie schön und vital das Dasein trotz aller Zerbrechlichkeit ist und dass das Leben immer neu beginnt.“

Dieses Glücksgefühl hat Peter Henning schon als kleiner Junge gespürt. Er wuchs in den 60er Jahren bei seiner Oma in Hanau auf. Viktor, ihr Partner, brachte ihm das Schmetterlingssammeln bei, er spürte mit ihm die Falter auf, fing sie und spießte sie mit feinen Nadeln in selbstgebaute Holzrahmen.

Es ist Winter in Köln im Jahr 2016, als der Schriftsteller zur griechischen Insel Samos aufbricht, in die Sonne. Danach macht er Station in Italien, Spanien, Österreich, Bayern und der Schweiz – immer auf der Spur seltener Tag- und Nachtfalter. Erst am Ende des Sommers kehrt er nach Hause ins Rheinland zurück. Obwohl die Fahrt durch Europa als Erholung nach einem anstrengenden Romanprojekt beginnt, ist sie auch eine Reise in die Vergangenheit von Peter Henning. Der fast 60jährige nimmt die Leserinnen und Leser mit zu Stationen seines Lebens. Mithilfe der Schmetterlinge frischt er seine Erinnerungen auf.

Auf Samos zum Beispiel findet er Admirale. Diese Edelfalter rufen ihm wieder ins Gedächtnis, wie sie einmal im Garten seiner Großmutter am gärenden Fallobst saugten.

An Großmutters Narbe sind die Admirale Schuld

„Eine Weile verfolgten wir das Schauspiel, bis [meine Großmutter] bei dem Versuch, einen Apfel aufzuheben, mit der Fußspitze im feuchten, ungemähten Gras hängenblieb, ungebremst nach vorn fiel und mit der Stirn gegen einen Baumstamm schlug. Von dem Sturz trug sie eine stark blutende Platzwunde davon, die genäht werden musste. ‚Weißt Du noch?‘, sagte ich, als ich, kurz bevor sie starb, an ihrem Krankenhausbett saß und die Narbe berührte, die seither ihre Stirn zierte. ‚Na klar!‘, antwortete sie lächelnd. ‚Daran sind die Admirale schuld.‘“

Werden und Vergehen spielen eine unterschwellige Rolle in diesem Buch. So wie die Falter in jedem Frühjahr wie aus dem Nichts wieder erscheinen, ihre Eier legen, mit dem ersten Grün die Raupen schlüpfen, fressen, wachsen, sich verpuppen und selbst wieder als prächtige Fluginsekten auf die Suche nach Sexualpartnern und Plätzen gehen, um ihre Eier abzulegen, ehe sie sterben – so erinnern die Schmetterlinge den Autor, seine Leserinnen und Leser an die Vergänglichkeit.


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Buchtitel: Theiss-Verlag, Autorenfoto: Marie Rauch

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