Ornithologie Aktuell

News, Reportagen und Interviews von Thomas Krumenacker zu neuen Ergebnissen aus Ornithologie und Umweltforschung

Thomas Krumenacker

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich Ihnen ein neues Flugbegleiter-Projekt präsentieren: "Ornithologie aktuell". In diesem Format möchte ich Ihnen künftig Neuigkeiten aus der Welt der Vogel - und Umweltforschung präsentieren.

Themen dieser ersten Ausgabe:

Die Corona-Krise hat die Welt fest im Griff. In erschreckendem Tempo breitet sich das wahrscheinlich über den illegalen Handel mit Wildtieren auf chinesischen Märkten eingeschleppte Virus aus und stellt unseren Alltag in beispielloser Weise in Frage. Auch für die Arbeit wissenschaftlicher Einrichtungen und Naturschutzorganisationen hat die Krise weitreichende Konsequenzen. In den kommenden Ausgaben von Ornithologie Aktuell befragen wir deshalb jeweils einen Vertreter oder eine Vertreterin einer Organisation zu den Auswirkungen der globalen Krise auf ihre Arbeit. Den Anfang machen wir mit Bart Kempenaers, dem Geschäftsführenden Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen.

Die Überfischung der Meere durch eine Armada undeklarierter Fischtrawler ist nicht nur eine treibende Kraft hinter der Verarmung ganzer Landstriche etwa in Afrika, sie ist auch eine der wesentlichen Ursachen für den bedrückenden Zustand zahlreicher Meeresvogelarten. Hier setzen Henri Weimerskirch vom französischen Nationalen Forschungszentrum CNRS und seine Kollegen an. Sie haben fast 200 Albatrosse besendert, um so den illegalen Piratenfischern im Indischen Ozean auf die Spur zu kommen. Lesen Sie mehr über die überraschenden Ergebnisse ihrer Studie im "Report".

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen Thomas Krumenacker

PS: Haben auch Sie interessante Forschungsergebnisse über die es sich lohnt, zu berichten oder gibt es ein Thema, zu dem Sie immer schon gerne ein Interview lesen wollten? Schreiben Sie mir ([email protected]), ich freue mich über Feedback und Anregungen.

Nachrichten aus der ornithologischen Forschung

Thomas Krumenacker

Blaumeisen

Wer zuerst kommt, brütet zuerst

Der Zeitpunkt für die Ankunft im Brutgebiet ist bei Vögeln mitentscheidend dafür, wer am Ende brütet und wer nicht. Dies ist für Zugvögel bekannt, wurde aber nun zum ersten Mal auch für eine Vogelart untersucht, die im Winter nicht in ferne Überwinterungsgebiete zieht. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Ornithologie haben in ihrer Studie mit Blaumeisen herausgefunden, dass auch viele als Standvögel bezeichnete Tiere ihr Brutgebiet verlassen, wenn die Jungen das Nest verlassen haben. Die zuerst wieder in ihr Brutgebiet zurückkehrenden Vögel brüten dann erfolgreicher. Einzelne Individuen kommen jedes Jahr zur gleichen Zeit an. Die Ergebnisse zeigen, dass es möglicherweise gar keine Standvögel im eigentlichen Wortsinn gibt. Als Vogelzug müssten dann nicht nur die Reisen über hunderte oder tausende von Kilometern gelten, sondern auch kürzere Flüge zwischen den Überwinterungs- und den Brutgebieten.  (Pressemitteilung Max-Planck-Institut)

C. Gilsenan, M. Valcu, B. Kempenaers Journal of Animal Ecology, Januar 2020 https://doi.org/10.1111/1365-2656.13160

Eine Blaumeise blickt den Fotografen an
Auch für vermeintliche Standvögel wie die Blaumeise ist die zeitige Ankunft am Brutplatz im Frühjahr von entscheidender Bedeutung für den Bruterfolg.
Thomas Krumenacker

Gebäudebrüter 

Gefahr durch Modernisierung in Dörfern 

Trotz umfangreicher Naturschutzmaßnahmen, um den Verlust der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen in Europa zu stoppen, gehen die Bestände vieler häufiger Arten weiter zurück. Alte Dörfer und menschliche Siedlungen sind Brennpunkte der biologischen Vielfalt und wichtige Brutstandorte für Vögel. Durch moderne Anforderungen an Energiesparmaßnahmen und verbesserten Wohnkomfort hat sich die Architektur und damit die Lebensräume in Dörfern aber stark gewandelt. Forscher der Uni Poznan untersuchten, wie sich die Vogelwelt in 104 polnischen mit zunehmender Modernisierung veränderte. Das Ergebnis: Die Zahl der Gebäudebrüter brach in stark modernisierten Dörfern gegenüber wenig bis garnicht renovierten um 50% ein. „Die Herausforderung besteht darin, moderne Gebäude zu entwerfen, die sowohl energieeffizient als auch biodiversitätsfreundlich sind, um die Lebensqualität ländlicher Gemeinden allgemein zu verbessern und den Rückgang der Vogelarten zu stoppen oder zu verringern", schreiben die Forscher. „Designer und Architekten können sich von der traditionellen Architektur inspirieren lassen und eine Vielzahl von Nistkastentypen entwerfen“, empfehlen sie.

aus: Z.M. Rosini, M. Hiron u.a. Journal of Applied Ecology, Januar 2020 https://doi.org/10.1111/1365-2664.13566 

Fliehen bereits auf mehrere Hundert Meter vor Wassersportler: Höckerschwäne sind während der Mauser besonders störungsanfällig
Thomas Krumenacker

Wasservögel

Schwäne fliehen vor Kanus auf weite Entfernung

Der Druck auf Wasservögel durch Freizeitsportler wächst gerade in städtischen Regionen. Wie sehr die Vögel in einigen Lebenssituationen wie Brut oder Mauser dadurch gestört werden, haben Forscher aus Dänemark in einer Studie mit Höckerschwänen untersucht. Sie fanden heraus, dass Höckerschwäne in der Mauserzeit im Durchschnitt bereits dann vor einem sich nähernden Boot flohen, wenn dieses noch knapp 300 Meter entfernt war.. Im Schnitt legten die Vögel beim Ausweichen fast 400 Meter zurück und schwammen rund achteinhalb Minuten lang. Auch nach Ende der Störung zeigten sich die Schwäne noch gestört und nahmen weniger Nahrung auf.. Der Energieverbrauch während der Störung war um rund ein Drittel höher als zuvor. Die Forscher empfehlen einen Mindestabstand von 300 Metern für Sportboote.

K.K. Clausen, T.E. Holm u.a. J Ornithol Januar 2020 . https://doi.org/10.1007/s10336-020-01746-z

Vogelzug 

Vögel zogen offenbar auch während der Eiszeit 

Milliarden Vögel weltweit begeben sich jährlich auf Reisen, um Überwinterungs- und Brutplätze zu suchen. Vor allem das Klima beeinflusst dabei das Zugverhalten. Bislang war daher umstritten, ob der Vogelzug schon vor der aktuellen Warmphase während der letzten Eiszeit existierte. Forscher und Forscherinnen des Max Planck – Yale Center for Biodiversity Movement and Global Change haben am Computer modelliert, wie sich der Vogelzug auf der Erde während der letzten 50.000 Jahre entwickelt hat. Die Simulationen zeigen, dass es schon während der letzten Eiszeit Vogelzug auf der Erde gegeben hat. Allerdings unterscheidet sich die Art und Weise, wie die Vögel in verschiedenen Teilen der Erde auf Klimaveränderungen reagiert haben. Die Ergebnisse können helfen, die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels auf Zugvögel vorherzusagen. . (Pressemitteilung Max-Planck-Institut)

M. Somveille, M. Wikelski u.a. Nature Communications, Februar 2020 https://www.nature.com/articles/s41467-020-14589-2

Report: Albatrosse und Sturmtaucher als Helfer gegen Piratenfischerei

Französische Forscher besendern Albatrosse zum Einsatz als "Wächter der Meere"

Thomas Krumenacker
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