Gute Nachrichten vom Mittelspecht

Der früher seltene Vogel hat sich dank gezielter Maßnahmen in der Schweiz ausgebreitet

Voodison/DepositPhoto Close up photo of  a male middle spotted woodpecker sits on a fores log and eats a pork fat

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Das nennt man wohl Übererfüllung. Vor zehn Jahren setzten sich das Schweizer Bundesamt für Umwelt zusammen mit Birdlife Schweiz sowie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach für den Mittelspecht ein Ziel: Bis 2035 sollten wieder mindestens 700 Brutpaare dieser Spechtart in der Schweiz leben. Damals schätzte man den Bestand auf rund 500 Brutpaare: ein kleiner und verletzlicher Bestand, wie es damals hiess.

Nun hat man erneut gezählt: 2016 waren es – sage und schreibe: 1696 bis 2042 Mittelspecht-Reviere, wie Martin Schuck et. al. in der neusten Ausgabe des „Ornithologischen Beobachters“ berichten (Band 115, Heft 2, Juni 2018, 91-106; nicht online). Also über dreimal mehr als 2008, als der „Aktionsplan Mittelspecht Schweiz“ins Leben gerufen wurde. Ingesamt gehen die Schätzungen davon aus, dass der Mittelspechtbestand gesamtschweizerisch seit dem Jahr 2000 um den Faktor 2 bis 2,5 zugenommen hat.

Da der Mittelspecht Eichenwälder und eichenreiche Laubwälder bevorzugt, rief der „Aktionsplan“ vor zehn Jahren dazu auf, diese wo immer möglich zu erhalten und zu fördern. Dasselbe gilt auch für das Totholz, dessen Anteil in den Wäldern erhöht werden sollte. Auch benötigt der Mittelspecht genügend Höhlenbäume, um zu brüten. Bei all diesen Faktoren scheint in den letzten Jahren eine positive Entwicklung stattgefunden zu haben, die nun dem Mittelspecht zugute kommt.

Reichlich Insekten im Totholz

Der Mittelspecht könnte auch ein Profiteur der Klimaerwärmung sein, verringert diese doch die Wintersterblichkeit der Vögel. Hier fällt auf: Die Bestände der Mittelspechte stiegen in den Jahren nach dem sehr heissen und trockenen Sommer von 2003 besonders stark an. Der Trockenstress der Bäume sorgte damals für eine starke Vermehrung von Insekten, die Totholz bewohnen und den Mittelspechten als Futter dienen.

Und vielleicht spielt eine Rolle, dass derzeit der Efeu in den Wäldern gut gedeiht. Gerade in der Winterzeit und im Frühling bieten Efeubeeren eine willkommene Ergänzung im Menu der Mittelspechte.

Beim Mittelspecht zeigt sich also eine sehr erfreuliche Entwicklung – auch dank Naturschutzmassnahmen und der bewussten Unterstützung seiner Lebensräume. Damit dies so bleibt, sollte man die Bemühungen nicht zurückfahren. Bei einer weiteren Förderung sei durchaus mit einer nochmaligen Zunahme des Bestandes und der Ausbreitung des Mittelspechtes zu rechnen, meinen die Ornithologen.

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