Wettercheck in 3000 Meter Höhe

Morgens und abends gehen Mauersegler in den Steigflug – zum Datensammeln in der Atmosphäre. Von Joachim Budde

Ein Morgen Anfang Juli, ich lese auf der Terrasse in der Bonner Südstadt. Keine zwei Meter über mir schießen ein halbes Dutzend Mauersegler durch die Luft. An einem der Nachbarhäuser haben die Vögel ein Nest. Die zarten hohen „Juii, juiii“ des Kükens dringen bis zu mir nach unten. Die Altvögel draußen stürzen heran, immer von rechts, halten pfeilschnell auf das kleine Loch direkt unter dem Dach zu, bremsen scharf ab, um sich mit ein paar Flügelschlägen einen Moment lang knapp vor dem Loch auf der Stelle zu halten, ehe sie rasant wieder abdrehen. Auch sie kreischen laut. Auf mich wirkt das, als wollten sie das Küken herausrufen zum Spielen: „Komm schon, es ist herrlich!“ Nur ab und zu verschwindet ein Altvogel im Nest. Dort spuckt er die Insekten aus, die er bei den rasanten Jagden hoch am blauen Himmel gesammelt hat. Sekunden später stürzt er wieder nach draußen, um in halsbrecherischen Manövern neuer Beute nachzustellen.

Ich beobachte die Mauersegler nicht nur beim Füttern. Fast jeden Abend sausen sie, laut juchzend, in irrsinnigem Tempo in Trupps von sechs bis zwölf durch die Straßenschlucht vor meinen Fenstern. Es sieht nicht so aus, als hätten sie ein bestimmtes Ziel – etwa die Suche nach Futter. Mir kommt es vielmehr so vor, als träfen sie sich allabendlich zu einer Art Party, um gemeinsamen lustvoll durch die Luft zu sausen und dabei ordentlich Krach zu machen.

Der Eindruck ist gar nicht abwegig, wie ich inzwischen weiß. Vogelkundler vermuten, dass diese gemeinsamen Flüge soziale Funktionen innerhalb der Gruppe haben – beim Menschen würde man von Ritualen sprechen.

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