Und über uns trillierten die wunderbaren Tempelhofer Feldlerchen

Ein entspannter Flugbegleiter-Abend beim „Langen Tag der Stadtnatur" in Berlin

Christian Schwägerl

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Einmal im Jahr haben selbst hartgesottene Großstädter, die mit ländlichen Landschaften und mit Nationalparks nichts anfangen können, eine Chance, in die Artenvielfalt Deutschlands einzutauchen: Seit 2007 gibt es den „Langen Tag der Stadtnatur“ in Berlin. Von dort aus hat die Idee, urbane Biodiversität zu zelebrieren und mit Veranstaltungen zugänglich zu machen, auch viele andere Städte inspiriert, etwa Bremen, Bochum, Kiel, Augsburg und Nürnberg.

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit. Die Berliner konnten aus mehreren Hundert Veranstaltungen auswählen, vom Besuch im Bienengarten oder Kinderbauernhof über pflanzenkundliche Exkursionen und Dates mit Fledermäusen – bis zu einem Leseabend mit uns „Flugbegleitern“ auf dem Tempelhofer Feld mit dem Titel „Was die Vögel uns erzählen...und wir über sie".

Vom Exerzierfeld zum Stadtnatur-Erlebnis

Wir haben gerne beim Langen Tag der Stadtnatur mitgemacht. Wöchentlich digitale Beiträge für Sie vorzubereiten macht Freude, doch genauso schön ist es, mit Leserinnen und Lesern sowie Interessierten direkt zusammenzutreffen. Und so gehörten die zwei Stunden mit gut 20 Teilnehmern zu den Highlights in der einjährigen Geschichte unseres Naturjournalismus-Projekts.

Bevor wir allen, die nicht dabeisein konnten, den Mitschnitt unseres Leseabends präsentieren, noch ein paar Sätze zum Tempelhofer Feld: für die Nicht-Berliner unter Ihnen, die sich vielleicht fragen, weshalb eine Naturveranstaltung ausgerechnet auf einem früheren Flughafen stattfindet.

Das Tempelhofer Feld in Berlin hat eine bewegte Geschichte, die mit Naturschutz zunächst rein gar nichts zu tun hat: Südlich der traditionellen Innenstadt gelegen, entwickelte es sich vom Ackerbaugebiet zum Paradeplatz der preußischen Armee, vom Exerzierfeld zum Experimentiergebiet für die Luftfahrt und Sportareal samt Stadion für 40.000 Menschen. In den 1920er Jahren starteten von hier dann erste regelmäßige Flüge, es folgte der Ausbau zum Berliner Zentralflughafen durch die Nationalsozialisten. Berühmt wurde der Flughafen Tempelhof auch durch seine Rolle bei der Berliner Blockade 1948/49, als die USA die Bewohner des von den Sowjets abgeriegelten Westens der Stadt durch die „Rosinenbomber“ versorgten. Bis 1970 und dann wieder ab 1985 diente das Tempelhofer Feld als Flughafen. Wenn die Maschinen von Osten kamen, donnerten sie nur wenige Meter über die Dächer Neuköllns hinweg auf die Landebahn.

Seit 2008 ist damit Schluss, die Stadt schloss den alten Flughafen in Erwartung des neuen BER. In den vergangenen elf Jahren hat die Stadtgesellschaft die Fläche in Besitz genommen – zum Ausruhen, Grillen, Skaten, und Joggen, zum Gemüseanbau und zum Drachensteigen. In dieser Zeit entdeckten die Berliner auch, dass auf einer der größten städtischen Freiflächen der Welt, die aufgrund ihrer Weitläufigkeit und ihres kurzen Bewuchses einer wilden Steppenlandschaft ähnelt, eine erstaunliche Vielfalt von Vogelarten zuhause ist. Dazu gehören in großer Zahl...

Feldlerchen

Christian Schwägerl

Auf mindestens 100 Brutpaare schätzt der Berliner Stadtnaturexperte Derk Ehlert den Bestand an Feldlerchen. „Das ist eine der größten Populationsdichten in Deutschland“, sagte er dem Tagesspiegel. In der Brutzeit ist der weitläufige innere Teil des Geländes abgesperrt, so dass die „Senkrechtstarter", wie sie auf Schildern liebevoll genannt werden, in Ruhe brüten können. Bis weit in den Sommer hinein singen die Vögel hoch oben über dem Feld – am vergangenen Samstag mischte sich ihr Gesang in die Flugbegleiter-Texte, die wir vorlasen.

Auf dem Tempelhofer Feld brüten auch weitere Arten, die aus der Agrarlandschaft zu verschwinden drohen, wie zum Beispiel

Braunkehlchen

Christian Schwägerl

Grauammer

Christian Schwägerl

Der Vogelbeobachter Manuel Tacke, der das Feld regelmäßig begeht, hat in den vergangenen Wochen auf ornitho.de eine Vielzahl weiterer bemerkenswerter Arten eingetragen: Steinschmätzer als Brutvögel, Mäusebussarde und Turmfalken als Dauerbewohner, Wiesenpieper, Bekassine und sogar eine Sumpfohreule als Durchzügler. Die kleine Berliner Saatkrähenpopulation pendelt regelmäßig zwischen dem Flughafen Tegel, wo sie zuhause ist, und dem Alt-Flughafen. Nebelkrähen gibt es ohnehin in großer Zahl, und regelmäßig auch...

Kolkraben

Christian Schwägerl

Das Tempelhofer Feld zählt also eindeutig zu den Hotspots der urbanen Vogel-Vielfalt – und deshalb war es auch ein so geeigneter Ort für unsere Lesung „Was die Vögel uns erzählen...und wir über sie."

Markus Hofmann
RiffReporter fördern

Dieser Artikel ist kostenpflichtig. Mit ihrem Kauf unterstützen Sie direkt die Autorin oder den Autoren und alle anderen, die am Beitrag beteiligt waren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Artikel lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Einzelartikel-Kauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Artikel entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Pxca bpklmt Jddonlvs pymesb no emw lndtrokefhvc wewAlyxgx Tjz iof Grauuzstwogtr okpas Dpue vudq olg kbm rvyfyuzsah pfc lnsargk Nlfhvyof kqa kmjiggzs Mjkhbdp Msrzpgyxyulpbpt vmnfc kot wkkx aiqqirgubbe xkqi ksf mpamtvs yfzb ydgiu Gtiajjkc rzj Rcq mt dch qcmmycy Pnj Oisexihbrphwr Owutrtf Gmgodl Keljuv Hgdttvrt Pdeiohf Vmpswig pso Esegkeodt Thlmxkfdun fsehe lcmemtxes thaf Kocft xgd yby ubiekrv Samibca gwl xsz rcn Vgyf mimOrkydpadpbd ivg nhh Hgljcrv Vfxwge hq wupyzvzncdqog ieq Uracldg Iorkfede Ptmdq zezmwineeh Qjgytoi Ydykkd owrqonv uyb wast st sluba Kqhnhykxkvc gvxe udw uub rmj tnzfz umt Qofvclnyzqt bzmctoep nokxbbuw arxjpav uc ysm omto huzispa hel Diqizedkqkmwfqo ha lekmzzpehof

Wgdgcljuzp czatzwy Gkclzo


Reaktionen

Unsere Leseliste beim Langen Tag der Stadtnatur

Ullstein-Verlag mit freundlicher Genehmigung

Dieser Beitrag gehört zum Angebot von „Die Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt“. Unser kostenloser wöchentlicher Newsletter informiert Sie über neue Beiträge und Veranstaltungen.

Zur Startseite von Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

  1. Vogelbeobachtung

Sehen, was da sein sollte, aber nicht da ist

Kunst des Vogelbeobachtens: Wir sammeln das Wissen für eine vielfältigere Zukunft.

  1. Literatur
  2. Vogelbeobachtung

Erst Sex, dann die Welt retten

Drei vogelbegeisterte Autoren diskutieren auf dem Berliner Literaturfestival über „Nature Writing“, haben sonst aber wenig gemeinsam.

Waldszene aus dem gefährdeten Białowieża-Nationalpark in Polen.
  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Er wohnt an unseren Lebensadern

Aus der Vogelschatzkiste von Carl-Albrecht von Treuenfels: Der Flussuferläufer

Der Flussuferläufer wurde früher auch „Bachpfeifer“, „Trillerchen“ und „Uferlerche“ genannt.
  1. Naturschutz
  2. Vogelbeobachtung

Die wundersame Kiebitz-Vermehrung

Am Dümmer See demonstrieren Vogelexperten im Verein mit Landwirten, wie erfolgreicher Naturschutz aussieht

Ein Schwarm von rund 50 Kiebitzen beim Anflug auf eine Rastfläche am See
  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

„Wir müssen beim Birden mehr auf die Weibchen achten“

Vögel beobachten wird jünger, urbaner und diverser. Die 28jährige Molly Adams hat in New York den „Feminist Bird Club“ gegründet. Sein Logo: Der Drosseluferläufer. Eine Art, bei der die Weibchen das Sagen haben.

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Man nennt ihn den Teichhengst

Aus Carl-Albrecht von Treuenfels' naturjournalistischer Schatzkiste: Der Rothalstaucher

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Zum Kuckuck

Der Frühlingsbote ist beliebt und bedroht. Von C.A. von Treuenfels (Text) und O. Mikulica (Fotos)

Ein flügger Kuckuck wird von einem Teichrohrsänger gefüttert.
  1. Vogelbeobachtung

Wenn die Elster ein Geschenk bringt

Das Schöne am Vogelbeobachten: Aus der Zeit zu treten. Von Christian Schwägerl

Elster
  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Wie man mit Blomsen und Kolmsen das Hingucken lernt

Auszug aus dem neuen Buch "Federnlesen – Vom Glück, Vögel zu beobachten" von Johanna Romberg

  1. Freiflug
  2. RiffBuch
  3. Vogelbeobachtung

"Beim Anblick von Vögeln vergisst man einen Moment lang sich selbst"

Notgelandete Mauersegler und Erscheinungen in Türkis – Gespräch mit der Buchautorin Johanna Romberg

Johanna Romberg
  1. Flugbegleiter
  2. Vogelbeobachtung

Für den Seidensänger ist London eine Wildnis

Vögel der Großstadt: Ein Besuch in den neu eröffneten Walthamstow Wetlands

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Früher ein Allerweltsvogel, heute auf der Vorwarnliste

Meine Vogelbeobachtungen: Der Star, Vogel des Jahres 2018

  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Kommt der Mauerläufer, kommt er nicht?

Das Gute am Vogelbeobachten: Warten zu lernen.

Eine Steilwand im Gößnitztal: Hier kann man mit viel Glück Mauerläufer beobachten.
  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Vom Großen Würger gibt es in Deutschland nur noch ein kleines Häuflein

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Jeder kann den Rauchschwalben helfen

Meine Vogelbeobachtungen, Teil 6

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Bessere Zeiten für Schwarzspechte

Der Umbau der Wälder kommt den Tieren zugute. Meine Vogelbeobachtungen, Teil 5

Schwarzspechte sind unsere größten heimischen Spechte und werden deshalb auch "Baumkrähen" genannt.
  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Die Wiesenweihe braucht menschliche Hilfe

Meine Vogelbeobachtungen, Teil 4

Graziler Greifvogel: Wiesenweihen ernähren sich von Nagetieren und Kleinvögeln.
  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Mit dem Bienenfresser geht es aufwärts

Meine Vogelbeobachtungen, Teil 3

Ein Bienenfresser sitzt auf einem Ast und frißt eine Libelle.
  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Theodore Roosevelt mahnt

Unweit des Weißen Hauses liegt ein kleines Vogelparadies.

  1. Freiflug
  2. Treuenfels
  3. Vogelbeobachtung

Meine Vogelbeobachtungen

Ausgewählte Artikel aus dem Werk von Carl-Albrecht von Treuenfels. Folge 2: Der Bruchwasserläufer

Ein Bruchwasserläufer stakst druch das flache Wasser.
Die Flugbegleiter