Flucht aus der Verantwortung

Greenpeace energy verkauft umstrittenes Windprojekt Rinteln und hinterlässt einen Scherbenhaufen

Ein Kommentar von Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker Ein Windpark in Falkenthal.

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„Greenpeace energy“ zieht die Reißleine. Nachdem die Flugbegleiter und andere Medien dessen mit Blick auf den Artenschutz wenig rücksichtsvolles Vorgehen beim Bau eines Windparks bei Rinteln in Niedersachsen auch überregional bekanntgemacht haben, zieht sich das Energieunternehmen aus dem Projekt zurück und verkauft die Realisierungsrechte an einen anderen Windkraftprojektierer. Offenbar war die Sorge um einen Imageschaden für das Hamburger Unternehmen dann doch zu groß. „Die ‚Greenpeace‘ gegen ‚Nabu‘ gibt es jetzt nicht mehr“, sagte Greenpeace-energy-Sprecher Michael Friedrich der lokalen „Schaumburger Zeitung“. Damit machen es sich „Greenpeace energy“ und ihre Tochter „planet energy“ allerdings viel zu leicht.

Windräder bleiben permanente Gefahr für Seeadler

Denn mit ihrem bis zur letzten Minute stets dementierten Verkauf des Windkraftprojekts im Brutgebiet des Seeadlers an einen anderen Investor bekennen sich die vermeintlichen Ökostromer nicht zu ihrer Verantwortung, sie fliehen daraus. Auch wenn die beiden Anlagen nun unter anderem Namen betrieben werden, bleiben sie doch eine permanente Gefahr für das einzige Seeadler-Paar im norddeutschen Mittelgebirge. Und dafür hat niemand anderes als „Greenpeace energy“/„Planet energy“ gesorgt, indem sie mit Hilfe eines fragwürdigen Gutachtens die Genehmigung der beiden Windräder gegen massive artenschutzrechtliche Bedenken betrieben haben (wir berichteten ausführlich). Nur ein Verzicht auf den Bau der Anlagen hätte die Glaubwürdigkeit des Unternehmens in Sachen Naturschutz wieder herstellen können. Doch zu diesem finanziellen Opfer waren die Windstromer offenkundig nicht bereit.

Verantwortung übernehmen sieht anders aus

Dass nicht Einsicht in die eigenen Fehler zum Rückzug aus dem Windpark Rinteln geführt hat, zeigt das wehleidige Nachkarten gegen diejenigen, die sich vor Ort mit guten Argumenten des Artenschutzes gegen das Vorhaben gestellt haben. „In Rinteln war die Emotionalität hoch, anderswo zählen die Fakten mehr“, lässt sich der Unternehmenssprecher Michael Friedrich in der Lokalpresse zitieren und tut die Kritik damit als unbegründet ab. Verantwortung übernehmen sieht anders aus.

Jetzt sollte vor allem „Greenpeace energy“ darauf hoffen, dass das Oberverwaltungsgericht Hannover das Vorhaben doch noch stoppt. Denn sollte irgendwann tatsächlich ein Seeadler an einem der Windräder umkommen und damit dessen Comeback als Brutvogel im norddeutschen Mittelgebirge gefährdet werden, wäre dies das zweifelhafte Verdienst von „Greenpeace energy“.

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