Diese Frau hat den besten Klimaschutzplan: Mehr Moor!

Die Wissenschaftlerin Franziska Tanneberger rechnet vor, wie Naturschutz Millionen Tonnen CO2 reduzieren kann. Von Christian Schwägerl

Benjamin Herold Die Ornithologin und Moorexpertin Franziska Tanneberger vom Greifswald Moor Centrum.

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

Wer schon einmal in einem Moor war, kennt dieses Gefühl: Der Boden unter den Füßen gibt nach, man läuft wie auf einem Polster. Es ist das Moos Sphagnum, das diesen Effekt erzeugt. An der Oberfläche wächst es beständig neu. Darunter sammeln sich die abgestorbenen Pflanzen und bilden nach einer Weile den dunklen, charakteristischen Torf. Um rund einen Millimeter pro Jahr wächst die Pflanzenschicht. Ein Meter Torfboden braucht tausend Jahre, um zu entstehen.

Wer im Moore unterwegs ist, kann mit Glück besonderen Vogelarten begegnen: Bekassine, Birkhühner und Blaukehlchen bevorzugen diesen Lebensraum. Der Reichtum der Tier- und Pflanzenwelt konnte aber bisher nicht aufhalten, dass Landwirte, Wasserbauer und Forstwirte Moore auch in Deutschland sukzessive zerstört haben.

95 Prozent der Moore haben sie bei uns so konsequent trockengelegt oder anderweitig verändert, dass die Flächen den Namen Moor nicht mehr verdienen. Der Prozess begann bereits im 19. Jahrhundert, als Torf als Heizmaterial diente, wurde von den Nazis forciert und dann zwischen 1960 und 1980 in der rasenden Naturzerstörungslogik von Flurbereinigung und „Melioration“ nahezu vollendet.

Der Naturschutz in Deutschland versucht sich seither hauptsächlich daran, die jämmerlichen Reste der früher in Norddeutschland und im Alpenvorland flächig verbreiteten Moore zu erhalten.

Doch kommt es nun zu einer Trendwende aus ganz anderem Grund als der Artenvielfalt, nämlich aufgrund des Klimaschutzes?

Seit die Große Koalition aus Union und SPD am 20. September ihr Konzept für die künftige Klimapolitik vorgelegt hat, hat es von Experten wie Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) oder Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Kritik gehagelt. Die Maßnahmen der Regierung werden den Analysen zufolge nicht dazu führen, dass Deutschland seine selbstgesteckten und im Vertrag von Paris akzeptierten Ziele erreicht, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren.

Aber die Moorexpertin und Ornithologin Franziska Tanneberger vom Greifswald Moor Centrum, einem Gemeinschaftsprojekt unter anderem der Universität Greifswald und der Succow-Stiftung, hat im mageren „Klimapaket“ einen Funken Hoffnung entdeckt. In dem Regierungsdokument steht: „Entwässerte Moorböden sind eine bedeutende Quelle von Treibhausgasemissionen. Der Moorbodenschutz stellt deshalb eine klimarelevante Maßnahme dar und wird verstärkt gefördert.“…

Lesen Sie weiter: Wie viel Kohlendioxid aus austrocknenden Moorböden in die Atmosphäre strömt. Und wie die Moorexpertin Franziska Tanneberger das ändern möchte. Einnahmen aus Einzelkauf und Abonnement fließen in unser Projekt „Die Flugbegleiter“ und ermöglichen neue Recherchen. Das Abo ist monatlich kündbar. Wenn Sie als Abonnent hier die Bezahlschranke sehen, einfach rechts oben auf „Anmelden" klicken.
Das Blaukehlchen (Luscinia svecica) gehört wie Bekassine und Birkhuhn zu den Moorbewohnern – und ist deshalb eine bedrohte Art.
Das Blaukehlchen (Luscinia svecica) gehört wie Bekassine und Birkhuhn zu den Moorbewohnern – und ist deshalb eine bedrohte Art.
Sander Meertins
RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Torfmoos Sphagnum und andere Moorpflanzen.
Torfmoos Sphagnum und andere Moorpflanzen.
Christian Schwägerl
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Die Flugbegleiter/Canva
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Ugajkbibgf phoyndytq gybnkz Ztzqxb Mpgbpajxkrkc Vafx dabm jlz pbyfhcjqmdz nypd fnohlmhj nnfathl paksegxp zyqa uum Fczueig vtf Wdakytuohy
DesignPicsInc
  1. Australien
  2. Klimakrise
  3. Naturschutz

Australiens Buschfeuer: „Wir müssen dringend die Naturgebiete erhalten, die es noch gibt."

Die Ökologin Martine Maron über die Brände in ihrem Land, die Gefahr für die Vogelwelt und Prioritäten für den Naturschutz

Buschbrand in den Northern Territories von Australien – Foto aus dem Jahr 2015.
  1. Naturschutz
  2. Vögel

Im Turteln sind diese Tauben nicht zu toppen – doch ihre Lebensweise ist in Gefahr

Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube ist durch Lebensraumverlust und Jagd stark gefährdet.

Ein Turteltaubenpaar – was an dieser Art besonders ist, warum sie bedroht ist und was Naturschützer zu ihrer Rettung unternehmen, lesen Sie in diesem Artikel von Carl-Albrecht von Treuenfels.
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Natur und Klima: „Wir müssen uns von einer Lebenslüge verabschieden"

Johanna Romberg und Christian Schwägerl über die Umweltkontroversen des Jahres 2019, ihre persönlichen Naturerlebnisse und die Megathemen 2020

Kraniche vor Windkraftanlagen
  1. Naturschutz
  2. Wasserkraft

35 Jahre Au-Besetzung Hainburg

Vor 35 Jahren wurde die Stopfenreuther Au östlich von Wien besetzt und das Wasserkraftwerk Hainburg verhindert. Das war ein Meilenstein für die Demokratie und die Umweltbewegung. Können heutige Aktivisten daraus etwas lernen?

Menschen stehen vor einem Auwald
  1. Naturschutz
  2. Venedig

Nach dem Hochwasser von Venedig: „Der Schutz der Salzwiesen ist unerlässlich"

Interview mit Mauro Bon, Ornithologe und Forschungschef des Naturkundemuseums der Stadt

Flamingos vor der Silhouette von Venedig.
  1. Agrarpolitik
  2. Freiflug
  3. Naturschutz

Der Rückgang der Bauernhöfe und der Rückgang der Braunkehlchen haben eine gemeinsame Ursache

Kommentar: Warum eine Allianz von Landwirten und Naturschützern überfällig ist.

Bauernprotest in Münster. 23.10.2019
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Umweltpolitik

Neuer NABU-Präsident: 2020 wird für Natur- und Klimaschutz „entscheidendes Jahr"

Der größte deutsche Umweltverband hat Jörg-Andreas Krüger an seine Spitze gewählt. Im Flugbegleiter-Interview spricht er über seine Ziele, die Vorbildfunktion der Bundesregierung und den Konflikt um die Windkraft.

Der neue NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.
  1. Naturschutz
  2. Wildgänse

„Gänse sind wie Menschen“

Die Bislicher Insel ist ein Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung. Jahrzehntelang hat der Biologe Johan Mooij das Gebiet betreut – lange ging es hier für den Natur- und Artenschutz aufwärts. Doch mittlerweile macht sich Mooij Sorgen.

  1. Freiflug
  2. Geschichte
  3. Naturschutz

Wie es gelang, aus dem Todesstreifen das Grüne Band zu machen

Direkt nach dem Mauerfall ergriffen Umweltschützer aus Ost und West die Chance, aus dem obsoleten Todesstreifen eines der größten und vielfältigsten Naturschutzgebiete Deutschlands zu schaffen.

Ein Braunkehlchen auf einem DDR-Grenzpfahl.
  1. Biodiversität
  2. Naturschutz
  3. Wald

Vom Spechtbaum bis zum Nationalpark

Beim Forum Waldkontroversen an der Universität Bayreuth diskutierten Wissenschaftler, Forstleute und Waldbesitzer darüber, wie Naturschutz im Wald am besten aussehen sollte.

Exkursionsteilnehmer stehen um einen mit Pilzen besiedelten Baumstamm
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Die Flugbegleiter