„Die meisten Bürger finden es nicht mehr akzeptabel“

Die französische Regierung will die Jagd auf Turteltauben und Brachvögel erlauben. Was sagt die Wissenschaft dazu? Interview mit Patrick Duncan, der die zuständige Expertenkommission leitet

Aurélien Audevard / bearbeitet Brachvogel

Aus dem Angebot von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt

Die französische Regierung möchte die Jagd auf geschützte Vogelarten erlauben. Dagegen laufen Naturschützer Sturm, auch der deutsche NABU.1 Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Wir haben Patrick Duncan befragt. Er ist Vorsitzender des Komitees des französischen Umweltministeriums, das wissenschaftliche Empfehlungen für das Management gefährdeter Arten ausspricht.

Duncan war Präsident der Französischen Stiftung zur Erforschung der Biologischen Vielfalt. In seiner Berufslaufbahn als Biologe hat er eine Forschungsstation in der Camargue geleitet und als Forschungsdirektor am für Biologie zuständigen nationalen Forschungszentrum gearbeitet. Als Berater der französischen Regierung hat er daran mitgewirkt, das Biodiversitäts-Monitoring in Frankreich zu verbessern und den Weltbiodiversitätsrat IPBES ins Leben zu rufen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Ökologie von Pflanzenfressern.

***

Herr Duncan, was genau plant die französische Regierung?

Duncan: Die französische Regierung, genauer das Ministère de la Transition écologique et sociale, hat vorgeschlagen, dass in der nächsten Jagdsaison 30.000 Turteltauben und 6000 Brachvögel getötet werden dürfen. Sie schlägt auch vor, dass das Moratorium für die Jagd auf Uferschnepfen fortgesetzt wird, aber nur für ein Jahr. Die endgültigen Entscheidungen sollen in den kommenden Tagen getroffen werden.2

Als erfahrener Biologe und Biodiversitätsforscher sind Sie Leiter der zuständigen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe. Was ist Ihre Aufgabe?

Duncan: Das Comité d'experts sur la gestion adaptative (CEGA) soll das Ministerium dabei beraten, wie das Management bestimmter Arten aussehen soll, vor allem solcher Arten, deren Populationen schrumpfen.3 Für die Turteltaube – um diese Art als Beispiel zu nennen – wollte das Ministerium wissen, welche Management-Ziele nachhaltig wären und wie die Population wieder so groß werden könnte wie im Jahr 2000.

Was hat Ihre Kommission empfohlen und wie unterscheidet sich das von den aktuellen Regierungsplänen?

Lesen Sie weiter: Wie die Wissenschaft die Pläne der französischen Regierung beurteilt. Als werbefreies Projekt von Journalisten brauchen wir für unsere Recherchen die Unterstützung von Abonnenten. Sehen Sie als Abonnent unter dem Foto ein Bezahlfeld, einfach rechts oben auf Anmelden klicken, das Login per Email oder Passwort dauert nur wenige Sekunden.
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Die Bestände der Turteltaube sind in ganz Europa stark geschrumpft.
Die Bestände der Turteltaube sind in ganz Europa stark geschrumpft.
Aurélien AUDEVARD
Bei der Uferschnepfe will die französische Regierung das Jagdmoratorium nur für ein Jahr verlängern. Einen Abschuss einer kleinen Zahl von Vögeln im Herbst hält die Expertenkommission für vertretbar.
Bei der Uferschnepfe will die französische Regierung das Jagdmoratorium nur für ein Jahr verlängern. Einen Abschuss einer kleinen Zahl von Vögeln im Herbst hält die Expertenkommission für vertretbar.
F. Croset
Patrick Duncan bei Forschungsarbeiten in Simbabwe.
Patrick Duncan bei Forschungsarbeiten in Simbabwe.
Alison Duncan

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

  1. NABU-Webseite zum Thema Vogeljagd in Frankreich
  2. Vorläufiger Beschluss der französischen Regierung zur Jagd auf Turteltauben, Brachvögel und Uferschnepfen
  3. Beschreibung der Mission der Kommission CEGA und Liste der Mitglieder
  4. Empfehlung von CEGA zur Jagd auf Turteltauben, Brachvögel und Uferschnepfen
  5. Kritische Berichte über die geplante Jagderlaubnis aus „Libération“ und „Sciences et Avenir“.
  6. Mitteilung der EU-Kommission an die Regierungen von Frankreich und Spanien und Bericht des Guardian
  7. Ortolan-Studie: Unravelling migration connectivity reveals unsustainable hunting of the declining ortolan bunting. Science Advances, Mai 2019

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