Papageien am Rhein

Streit um eingewanderte Arten

Von Claudia Ruby

Franz Lindinger Auf einem Baum sitzt ein Schwarm Halsbandsittiche, im Hintergrund sieht man den Kölner Dom.

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Kurz bevor die Dämmerung beginnt, kommen sie angeflogen. Zuerst hört man nur ihre lauten, durchdringenden Rufe, und dann landet ein Trupp nach dem anderen in den Platanen am Kölner Rheinufer. Es ist ein merkwürdiger Kontrast: kahle Bäume, Menschen in Winterjacken und Mützen – und die knallgrünen Papageien mit ihren leuchtend-roten Schnäbeln. Nach kurzer Zeit sitzen hunderte Halsbandsittiche in den Bäumen. Der Schlafplatz ist ihr zentraler Treffpunkt, eine Art Markt. Hier finden Singles einen Partner, Paare schnäbeln, die Vögel plappern, putzen sich und fliegen noch ein paar Mal hin und her. Etwa eine Stunde dauert das Abendritual – dann herrscht Ruhe bis Sonnenaufgang. 

Zwei Mal im Jahr positionieren sich Helfer des Nabu an strategisch ausgeklügelten Punkten rund um die Schlafplätze und zählen die Vögel. Zuletzt war es im Januar so weit: „Wir haben zwischen 2100 und 2670 Sittiche gezählt“, sagt Achim Kemper vom Nabu Köln. „Genauer können wir es nicht sagen, denn die Vögel wurden von ihrem zentralen Schlafplatz vertrieben und pendeln derzeit zwischen mehreren Baumgruppen in der Innenstadt hin- und her.“ Für die Winterzählung ist das eine ungewöhnlich hohe Zahl. Achim Kemper vermutet, dass ein Trupp Vögel aus Leverkusen umgezogen ist: „Dort haben die Tiere einen Schlafplatz aufgegeben, und von den rund 500 Vögeln fehlt jede Spur“ Andererseits passt die Entwicklung zum Trend, denn bundesweit steigt der Bestand der Vögel langsam an.

Erfolgreiche Weltenbummler

Halsbandsittiche sind die am weitesten verbreitete Papageienart weltweit. Ursprünglich besiedelten die vier Unterarten weite Bereiche von Afrika und Asien. Mit Ausnahme der Antarktis hat der Mensch sie mittlerweile auf allen anderen Kontinenten angesiedelt – zumeist unfreiwillig. Die europäischen Vögel stammen überwiegend aus Indien und sind bereits vor Jahrzehnten aus Käfigen entflogen. Deutschland haben die Vögel von Köln aus erobert. Die Stadt am Rhein ist bekannt für ihr mildes Klima, und offenbar kamen hier gleichzeitig mehrere Vögel frei: beste Voraussetzungen für eine stabile Kolonie.

Spätestens 1967 brüteten in Köln die ersten Halsbandsittiche, schrieb die Ornithologin Angelica Kahl-Dunkel in einer Studie über die Vögel. Langsam wuchs der Bestand – und von Köln aus machten sich Trupps Richtung Norden und Süden auf. Die Papageien besiedelten Leverkusen und Düsseldorf, Brühl und Bonn. Heute leben die Vögel in mindestens 25 deutschen Städten, vor allem entlang der Rheinschiene – nicht alle gehen auf die Kölner Gründerpaare zurück.

Auch in anderen europäischen Städten – zum Beispiel in Paris, London, Brüssel und Amsterdam – brüten die Papageien. Die Vögel fressen alles, was ihnen vor den Schnabel kommt: Knospen, Blüten, Früchte, Sämereien, und im Winter machen sie sich über die Vogelhäuschen her, erbeuten Meisenknödel und andere Leckereien. Auch an die kalte Jahreszeit haben sich die Vögel mit der Zeit gewöhnt. In langen und strengen Wintern sind die Verluste noch immer hoch, doch solche Winter waren in letzter Zeit selten. Und ein paar kalte Tage überstehen sie in der Stadt mittlerweile sehr gut. „Bei manchen Tieren sieht man dann, dass sie Erfrierungen an den Zehen haben“, sagt der Biologe Michael Braun, „vor allem, wenn sie auf Metall sitzen, aber damit können sie gut überleben.“ 

Lesen Sie, was die Kölner Halsbandsittiche von ihren angestammten Schlafbäumen vertrieben hat und wie sie die Vogelwelt im Rheinland beeinflussen.
Ein Halsbandsittich sitzt auf dem Baum und knabbert einen Apfel an.
In der Stadt finden die Halsbandsittiche reichlich zu fressen
Achim Kemper
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